Thread: Seit mehr als 7 Monaten bekommen wir Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene

Triggerwarnung: In diesem Beitrag zeigen wir Screenshots, in denen Menschen in drastischsten Worten mit körperlicher Gewalt und Mord gedroht wird.

Covid hat unsere Gesellschaft an ihre Grenzen und darüber hinaus gebracht. Nicht nur gesundheitlich und im epidemiologischen Sinn, sondern auch im Umgang miteinander. Auf die ein oder andere Art hat mit Sicherheit jede*r von uns unangenehme Begegnungen mit Covid-Leugner*innen, Maßnahmen- oder Impfgegner*innen gemacht. Im Supermarkt, unter Kolleginnen und Kollegen, im Freundeskreis und leider auch häufig innerhalb der eigenen Familie. Und selbst wer das unermessliche Glück hatte, bisher keine persönlichen Auseinandersetzungen erlebt zu haben, konnte immer noch in den Nachrichten verfolgen, wie skrupellos und bedrohlich diese Menschen zum Teil agierten. Auch wir haben im Netz auf unangenehmste Weise Bekanntschaft mit Leuten gemacht, die uns für unsere Haltung zu den Covid-Maßnahmen und der Schutzimpfung angreifen und bedrohen. Noch viel schlimmer jedoch ergeht es nach wie vor denjenigen, die Covid an der Front bekämpfen. Die Aufklärung betreiben, Impfungen durchführen und tagtäglich gegen das Virus arbeiten oder die Einhaltung der Maßnahmen durchsetzen: medizinische Fachkräfte, Virolog*innen, Politikerinnen und Politiker, Mitarbeitende in Impf- und Testzentren, Polizeikräfte, Servicemitarbeitende und viele andere. Was diese Menschen in den vergangenen zweieinhalb Jahren erlebt haben und immer noch erleben, ist einfach nur entsetzlich.

Dr. Lisa-Maria Kellermayr ist niedergelassene Landärztin in Österreich. In den vergangenen Tagen machte sie auf Twitter publik, dass ihre Ordination – ihre Praxis also – bis auf Weiteres schließen muss. Der Grund sind andauernde Morddrohungen aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene und die horrenden Sicherheitskosten, die durch diese Bedrohungslage entstehen. Dies ist ihr Thread.

Die folgenden Screenshots geben den Inhalt der Droh-Emails wieder, die der Ärztin zugesandt wurden. Zum besseren Lesen bitte anklicken.

So reagieren die User*innen:

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie widerwärtig und bösartig diese Drohungen sind und – vom kriminellen Inhalt und Vorgehen abgesehen – wie unerträglich es sein muss, diese zu erhalten, während man sich der medizinischen Hilfe verschrieben hat. Neben viel Zuspruch und Solidaritätsbekundungen demonstriert dieser Fall auch etwas, wofür wir als Gesellschaft ebenso sensibel werden sollten wie für Angriffe und Bedrohung. Die Rede ist von der Beschuldigung des Opfers, das Verhalten des Täters oder der Täterin provoziert zu haben oder sonst wie zu verantworten. Diese sogenannte Täter-Opfer-Umkehr ist aus anderen Delikten längst bekannt (gerade sexuelle Übergriffe auf Frauen werden damit häufig legitimiert oder heruntergespielt), entfaltet ihre bequeme Schuldübertragung in diesem Fall aber geradezu lehrstückhaft. Der Sprecher der Polizei Oberösterreich warf der Ärztin im Interview mit einem Radiosender lieber mediale Profilierung vor, anstatt tätig zu werden.

Gute Neuigkeiten gibt es allerdings auch: Die Hacktivistin und Spezialistin für Cyber Security Nella Allami wurde nämlich aufgrund des Threads im Falle tätig

Der Fall wurde inzwischen an die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst des österreichischen Innenministeriums weitergereicht. Dr. Kellermayr plant die Wiedereröffnung ihrer Praxis, sobald es die Umstände zulassen.

Wir wünschen der Medizinerin viel Kraft und alles Gute. Gleiches gilt natürlich für die unzähligen Menschen, denen Ähnliches widerfährt. Danke, dass ihr weiterhin für unsere Gesundheit aktiv seid!

Update: Am 29. Juli 2022 berichteten verschiedene Medien, dass Dr. Lisa-Maria Kellermayr tot in ihrer Praxis aufgefunden wurde. Ein Fremdverschulden wird ausgeschlossen. Dies ist der tragische Höhepunkt eines bewegenden Falles und eine schreckliche Demonstration der Folgen von Hass und Verleumdung. Unsere Anteilnahme gilt der Familie der Allgemeinmedizinerin ebenso wie ihren Freund*innen, Kolleg*innen und Mitarbeitenden.

Wenn ihr euch in einer verzweifelten Lebenssituation befindet, dann zögert bitte nicht, um Unterstützung zu bitten. Ob im Freundeskreis, bei Familienmitgliedern oder bei anonymen Hilfsangeboten: Ihr seid nicht allein. Euch kann geholfen werden. (Deutsche Telefonseelsorge: 0800 – 111 0 111. Telefonseelsorge Österreich: 142)

Mehr über den aktuellen Sachstand in der Covid-Krise erfahrt ihr hier:

Thread: COVID dauert zwei Wochen

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