Thread: Wie sich Armut anfühlt?

13,4 Millionen Menschen in diesem Land werden statistisch als arm erfasst. Das sind rund 16 Prozent der Bundesbürger*innen. (Stand Dezember 2021) Rund jede sechste Person gilt als armutgefährdet – auf einem schmalen, zersetzenden Grad zwischen „zu viel, um ein Anrecht auf Unterstützung zu haben“ und „zu wenig, um ohne finanzielle Sorgen durch den Alltag zu kommen“. Zahlen, die bedrücken und hinter denen sich Schicksale verbergen. Denn Armut ist nicht nur eine kritische Zahl auf dem Konto, Armut kriecht in jede Sekunde des Alltags, sie wartet beim Aufstehen auf ihren Einsatz und hört nicht auf, wenn das Licht ausgeht. Armut bedeutet permanenten Verzicht und Ausgrenzung, statt sozialer Teilhabe. Armut bedeutet, abgehängt zu sein. Armut bedeutet, dass Kinder sich irgendwann nicht mehr trauen, Bedürfnisse zu kommunizieren. Bei Filmen nicht mitsprechen zu können und Bücher nicht zu kennen. Armut ist Scham und Sorge und die schreckliche Angst davor, den Briefkasten zu öffnen. Und häufig bedeutet Armut, ein schlechtes Gewissen bei Dingen zu fühlen, die für andere Menschen völlig normal sind. Um Armut zu bekämpfen, müssen wir als Gesellschaft verstehen, wie toxisch finanzielle Ängste für die menschliche Psyche sind. Um dieses Bewusstsein zu fördern, teilen Menschen unter dem Hashtag #IchbinArmutsbetroffen ihre Erfahrungen in sozialen Medien. So wie Twitteruserin @claudine.

So reagieren andere Userinnen und User:

Wie schwierig es ist, sich in diese Situation hineinzuversetzen, die Armutsbetroffene täglich durchleben, zeigen die vielen Kommentare, die @claudine in ihrer Entscheidung bestärken und ihr raten, die Neuanschaffung zu genießen. So lieb diese Aufforderung gemeint ist, die alles zersetzende Fähigkeit von Armut ist gerade, dass sie diese Art von Freude vergiftet. Wir haben ein paar nachdenkliche Kommentare zusammengefasst.

Das gibt uns die Userin mit auf den Weg:


Wenn euch das Thema auch so sehr beschäftigt, möchten wir euch noch diesen Thread mit auf den Weg geben:

Thread: Wir waren eine Durchschnittsfamilie

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