Thread: Das muss man der neuen Geschäftsführerin lassen

Laut Statistischem Bundesamt waren Arbeitnehmende in Deutschland im Jahr 2019 durch­schnittlich 10,9 Arbeitstage krankgemeldet. Im Regelfall muss der oder die (gesetzlich versicherte) Angestellte dafür in einer Arztpraxis vorstellig werden und bekommt dort die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zur Vorlage bei der Arbeitsstelle und der Krankenkasse. Da sich dieser Vorgang in der Regel in etwa so aufwendig gestaltet, wie er klingt, macht es außerdem Sinn, Vorgesetzte beziehungsweise Mitarbeitende knapp und direkt vom temporären Ausbleiben zu informieren. Danach heißt es: ab ins Bett und auskurieren. So weit die Theorie.

Was bei diesem sehr deutsch anmutenden Prozess vernachlässigt wird, ist die emotionale Komponente. Das schlechte Gewissen gegenüber den Kolleginnen und Kollegen, Scham und Schuldgefühle, die wir einer Kultur zu verdanken haben, die das Individuum in erster Linie durch seine Arbeitskraft definiert. Ihr wisst schon: Sag mir, was du tust, und ich sag dir, wer du bist. Dabei haben Vorgesetzte selbstverständlich kein Recht, Druck auf kranke Mitarbeiter*innen auszuüben. Doch die Praxis sieht für viele Angestellte ganz anders aus. Man kann es Twitteruserin @LovingtheBeast also nicht wirklich verübeln, dass sie zunächst einmal skeptisch war, als die neue Geschäftsführerin persönlich vom Krankenstand informiert werden wollte. Wait for it …

Da schließen wir uns an

Wann ist das endlich Normalzustand?

Wenn man die Maske der Kollegialität abnimmt, lauert dahinter oftmals emotionale Erpressung

Vielleicht wegen Vorgesetzten wie dem oben genannten?

Dies ist ein Safe Space

Schau an, da hat der Markt mal geregelt

Wir müssen über die Vorbildsfunktion sprechen!

So nämlich


Dass unsere „Leistungsgesellschaft“ sich ernsthaft mit krankenden Vorstellungen zur Ersetzbarkeit auseinandersetzen muss, scheint eins der vielen Themen zu sein, die Christian Lindner (FDP) nicht auf dem Schirm hat:

Thread: Solche Menschen sind kein Vorbild

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