Philipp Amthor: Das bisschen Lobbyarbeit ist doch kein Problem, oder?

2020 ist ein verhextes Jahr, auch für Philipp Amthor. Bis vor ein paar Tagen lief alles reibungslos für den 27-jährigen Shootingstar der Union, der seit der Bundestagswahl 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages ist.

Bis gestern galt er noch als Paradebeispiel einer politischen Bilderbuchkarriere: Seit 2008 Mitglied der CDU und der Jungen Union, seit 2010 Landesvorstand der Jungen Union Mecklenburg-Vorpommern, seit 2012 Kreisvorsitzender der Jungen Union Vorpommern-Greifswald, seit 2014 Mitglied des Sozialausschusses des Kreistages Vorpommern-Greifswald. 2017 schließlich der krönende Einzug in den Bundestag. Es folgten Reden, Interviews, Memes und das Antwortvideo auf Rezos Zerstörung der CDU, das wir leider niemals zu Gesicht bekommen werden. Experten sahen ihn schon in der nächsten Bundesregierung sitzen. Vor ein paar Tagen wurde er sogar noch in den Diözesanrat berufen. Das ist die höchste Laienvertretung der Katholiken des Erzbistums Berlin und das, obwohl er erst ein halbes Jahr zuvor getauft wurde.

Gestern kam dann der Knall, als eine Spiegel-Recherche erschien. Philipp Amthor hat sich politisch für das Unternehmen Augustus Intelligence eingesetzt. Die Firmengründer haben eine Vorliebe für konservative Politiker. Dazu gehören etwa der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der frühere BND-Chef August Hanning und Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Amthors Engagement ist erstmal nichts Ungewöhnliches, wohl aber, dass er dort selbst einen Direktorposten bekleidet und 2.817 Aktienoptionen besitzt. Außerdem soll er Reisen mit Angestellten unternommen haben. Dabei wurde in teuren Hotels übernachtet, Champagner inklusive. Damit nicht genug, auch der Vorwurf der Schmiergeldzahlung steht im Raum, das geht aus der internen Kommunikation des Unternehmens hervor, berichtet der Spiegel. In China sollten laut Mailverkehr ein paar Türen geöffnet werden. Amthor stand dabei in cc, wusste also zumindest Bescheid.

In einem persönlichen Statement auf Facebook, räumte Philipp Amthor gestern Abend Fehler ein, ging jedoch nicht auf die offenen Fragen des Spiegel-Artikels ein. Stattdessen schrieb er nur „Mein Engagement für das Unternehmen entspricht rückblickend nicht meinen eigenen Ansprüchen an die Wahrnehmung meiner politischen Aufgaben. […] Deshalb habe ich die Konsequenzen daraus gezogen und meine Nebentätigkeit beendet.“

Es bleibt abzuwarten ob oder wie dieser „Ausrutscher“ seiner Karriere schadet. Schaut man sich die Lobbyarbeit von Julia Klöckner (CDU) oder Andi Scheuer (CSU) an, dürfte da eigentlich nicht mit großen Konsequenzen zu rechnen sein.

Wir haben uns auf Twitter umgesehen und die treffendsten Reaktionen gesammelt.

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