Was die Raffaello-Torte über meine toxische Beziehung sagt

Emotionale Collage zum Thema toxische Beziehungen und Respektlosigkeit: Auf der linken Seite steht eine junge Frau in Schwarz-Weiß, die mit großen Augen und stark heruntergezogenen Mundwinkeln sehr traurig und verletzt in die Kamera blickt. Sie trägt ein leuchtend gelbes Oberteil. Auf der rechten Seite steht ein älterer, streng blickender Mann mit Brille und Bart in Schwarz-Weiß. Er trägt einen knallroten Pullover, hält eine kleine, weiße Kokostorte (Raffaello-Torte) in der Hand und zeigt dabei eiskalt und abwertend mit dem Daumen nach unten. Ein weißes Icon eines gebrochenen Herzens und das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert die emotionale Verletzung, narzisstisches Verhalten und die absolute Dreistigkeit, ein liebevolles, selbstgebackenes Geschenk der eigenen Mutter dermaßen abzuwerten.
Krakenimages.com, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Heute kann es regnen, stürmen oder schneien, denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein. Es ist klar, von welchem Tag die Rede ist, oder? Richtig: vom Geburtstag. Zumindest einmal im Jahr darf sich ganze 24 Stunden lang alles nur um einen selbst drehen. Man kriegt Geschenke, nette Nachrichten, Umarmungen und zum perfekten Glück darf natürlich auch ein Kuchen nicht fehlen.

Und sind wir ehrlich, es spielt doch weniger eine Rolle, was das für ein Kuchen ist und wie aufwändig er hergestellt wurde, als der Fakt, dass sich ein lieber Mensch Zeit genommen, in die Küche gestellt und diese Leckerei zubereitet hat. Anscheinend sehen das aber nicht alle Menschen so. Der Exverlobte von der Threads-Userin @atelier.nenis zum Beispiel hat die Raffaello-Torte, die ihre an Depressionen leidende Mutter jedes Jahr für sie zubereitet hat, als Anlass genommen, um genau über diese liebende Mama herzuziehen. Narzisstische Persönlichkeitsstörung lässt grüßen. Wir haben die ganze Story und die besten Reaktionen der Community für euch gesammelt.

Ich habe einen Geburtstagskuchen. Um genauer zu sein: Raffaelo-Torte. Meine Mama hat ihn gemacht, seitdem ich denken kann. Unteranderem, weil ich im Winter Geburtstag habe und sie fand, dass diese Torte wie eingeschneit aussieht. Wisst ihr, meine Mama war schwer depressiv und an meinem Geburtstag war sie wirklich die Mama, die sie sein wollte. Es kamen dann auch alle vorbei und ich war nicht mehr so einsam, wie für den Rest des Jahres. Ihr könnt die hohe Bedeutung dessen erahnen.

Ich war gerade frisch mit meinem Exverlobten zusammen gekommen und in seiner Familie kursierte eine Geschichte über seinen Geburtstagskuchen - und wie seine Exfreundin diesen falsch zubereitet habe - und auch überhaupt, wie könne sie es sich erlauben, neben seiner Mutter, diesen zuzubereiten? Natürlich stapfte ich in die Fußstapfen meiner Vorgängerin und stand dann ebenfalls in der Küche, um ihm den Kuchen zuzubereiten. Er war super - und trotzdem das letzte Mal, dass ich ihn zubereiten sollte.

Das Recht behielt nämlich nur seine Mutter. Das konnte ich nachfühlen. Was aber im Gegenzug passierte: mein Exverlobter erfuhr von meinem Geburtstagskuchen. Und so wollte er mir diesen zubereiten. Das fand ich eine unglaublich liebe Geste und habe mich gewertschätzt gefühlt. Er kontaktierte meine Mutter, um das Rezept zu erfahren. Meine Mutter backt „frei nach Schnauze“, wie sie immer so schön sagt, und hatte sich wirklich Mühe gegeben, ihm die Zutaten zusammenzustellen.

Bis hierhin denkt ihr euch sicherlich: wow, wie lieb. Aber wo ist der Haken, Neni? Wie das so häufig bei narzisstischem Missbrauch ist, ist das alles das liebevolle Vorgeplänkel gewesen. Ich fühlte mich sicher, gewertschätzt und geliebt. Doch das Blatt wendete sich, als mein Exverlobter die Zutaten des Rezeptes entdeckte. Er bereitete also nicht einfach den Kuchen zu oder behielt es für sich, sondern er ging mit dem Rezept zu mir und wertete jede einzelne Zutat ab. Er zog meine Mutter komplett

durch den Dreck. Sie nutzte beispielsweise fertigen Tortenboden - weil, wie erwähnt: sie war schwer depressiv. Und so zog sich das ganze Rezept eben mit Zutaten und kleinen Kniffen, die das Leben einfacher machten. Mein Exverlobter hingegen zerriss das alles und erklärte mir, dass daraus deutlich hervorginge, wie wenig wert ich ihr sei. Sie würde nicht mal einen Kuchen für mich hinbekommen. Er nahm also das, was mir so viel bedeutete und mich mit meiner Mutter verband und zerstörte es.

Man könnte vllt meinen, er hätte nicht gewusst, was Depressionen bedeuten - meinte es nur gut mit mir, da er mir das Beste gönnte - aber das lag hier nicht vor. Er selbst kannte Depressionen, er kannte auch ihre Vorgeschichte und er wusste, wie viel mir das alles bedeutete. Ich erklärte ihm, dass mir egal sei, wie der Kuchen zubereitet worden war - hier zählte die Geste. Den ersten Geburtstag backte er nach ihrem Rezept. Voller Abneigung. Er schenkte mir

den Kuchen und konnte seinen Ekel nicht bei sich behalten. Ganz wenig hatte er doch schon abgeändert. Es war okay, ich war trotzdem dankbar für seinen Aufwand. Die nächsten Jahre, machte er es sich zur Aufgabe den Kuchen wieder zu backen. Und dann bereitete er beispielsweise den Tortenboden selbst zu. Modifizierte ihn. Fügte „bessere“ Zutaten hinzu. Ließ andere weg. Und jedes Mal erklärte er mir, dass das so viel besser sei und wie es nur sein könne, dass meine Mutter so unfähig sei.

Ich hatte es einmal gewagt und beim Essen des Kuchens bemerkt, dass meine Lieblingszutat im Kuchen fehle ...? Da ist er ausgerastet und wollte den gesamten Kuchen auf den Boden zerschmettern. Er hatte die Früchte rausgelassen, da sie von dem eigentlichen Geschmack ablenken würden - dass ich das nicht erkennen würde und nicht zu schätzen wüsste, spreche für meinen schlechten Geschmack. Er fühlte sich nicht ausreichend gewürdigt. Nie würde ich ihm danken. Ich sei verwöhnt.

Die letzten Jahre waren davon geprägt, dass er mir schon Monate vorher kommunizierte, dass er gar keine Lust habe, meinen „aufwendigen" Geburtstagskuchen zu backen. Ich hätte mir da wirklich einen „tollen" Kuchen ausgesucht, so aufwändig wie der sei. Und welchen Kuchen er sich denn ausdenken könne, damit ich Arbeit damit habe. Er gab mir das Gefühl, eine Last zu sein.

Hätte er verdient

Ich finds wirklich erschreckend wie sehr manche Männer ihre eigene Partnerin hassen und wieviel Frauen sich, aufgrund patriarchaler Sozialisierung, bieten lassen. Gut, dass du da raus bist. Möge er für immer single bleiben.

Schöne Idee

Ich hab gerade total Lust, dir den Kuchen GENAU nach dem Rezept deiner Mama zu backen und dir hinzustellen. Ich hoffe, du hast dir die Freude an dem Kuchen zurückerobert und schickst einen kurzen Stinkefinger in seine Richtung, wenn du ihn isst und denkst dann nicht mehr an den Verlierer

Wir auch!

Bin ich froh, dass da ein Ex vor dem Verlobten steht. Ich hoffe, er hat dir den Kuchen nicht komplett vermiest und du kannst ihn (den Kuchen) immer noch mit schönen Erinne verbinden.

Und nur darauf kommt's an

Mein Lieblingskuchen machen meine Mutter und Schwester zu meinem Geburtstag auch.. funfact: mit Backmischung ich liebe ihn trotzdem, egal wie er gemacht wird, ich freue mich jedes Mal wie ein Kind

Auf den Punkt gebracht

Wie ausgeklügelt diese Bastarde immer vorgehen. Wie sie genau die wunden Punkte suchen und dort gezielt die Hebel ansetzen. Wie sie Keile treiben. Es ist so schlimm, dass dir das passiert ist. Es tut mir so leid. Ich bin froh, dass du da raus bist.
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