Diesen Notarzteinsatz kann sie nie wieder vergessen

Wir alle haben es eilig. Der Einkauf muss erledigt werden, die Bahn wartet nicht und an der Kasse dauert es natürlich immer genau dann länger, wenn man sowieso schon spät dran ist. Im Alltag sind wir leider oft so sehr mit unseren eigenen Gedanken, Terminen und kleinen Ärgernissen beschäftigt, dass wir kaum noch wahrnehmen, was um uns herum eigentlich passiert. Wir schauen aufs Handy, schieben uns aneinander vorbei und verdrehen genervt die Augen, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es gerne hätten. Und dabei vergessen wir manchmal, dass wir alle nur Menschen sind mit unseren Sorgen, Problemen und ganz eigenen Kämpfen.

Doch ganz erschreckend wird es, wenn aus dieser alltäglichen Ungeduld echte Gleichgültigkeit wird. Wenn jemand offensichtlich Hilfe braucht und alle Außenstehenden trotzdem einfach weitergehen. Wenn uns die paar Minuten Wartezeit wichtiger erscheinen als das Wohlergehen eines anderen Menschen. Denn wir wissen nie, was gerade im Leben eines fremden Menschen passiert. Vielleicht hat jemand einen schlechten Tag. Vielleicht kämpft jemand gerade um seine Gesundheit. Und vielleicht braucht es genau in diesem Moment jemanden, der helfend zur Seite steht. Die folgende Geschichte von @majafrowe macht auf erschütternde Weise deutlich, wie wichtig Mitgefühl und Menschlichkeit sind, und zeigt, dass manchmal schon ein wenig Geduld und Empathie einen großen Unterschied machen können.

Memories of Einzelhandel Der ältere Mann, der vor den Kassen im Eingangsbereich stand, fiel mir sofort auf. Er schien sich nur mit Mühe auf den Beinen halten zu können. Ich verließ meine Kasse und sprach ihn an: „Geht et Ihnen nich gut?” Kunde: „ Ich weiß nich.” Er sah blass aus. Ich: „Möchten Sie sich kurz hinsetzen?” Er: „Nein, ich will nich sitzen. Ich muss mich bewegen.” Ich: „Haben Sie Schmerzen? Brauchen Sie etwas zu trinken?” Er: „Nee, mir wird zwischendurch immer

schwarz vor Augen. Irgendwat stimmt nich.” Er wankte leicht, deswegen griff ich seinen Arm und wandte mich an eine Angestellte der Bäckerei, vor der wir standen. „Anna, ruf einen RTW. Dann geh ins Büro und hol Geri und Claudia.” Eine Kundin in der Warteschlange an meiner Kasse rief genervt: „Geht dat hier auch ma weiter?” Ich schluckte meinen Ärger hinunter und rief den Wartenden zu: „Einen Moment bitte!” Eine der anderen Kassiererinnen brachte einen Stuhl. Doch der Mann wollte sich

majafrowe 13.10.2026 partout nicht hinsetzen. Ich: „Ganz sicher, dat Sie nix trinken möchten?” Ich vermutete, dass er zu wenig getrunken hatte, es war ziemlich warm draußen. Er nickte. Ich: „Kann et sein, dat Sie unterzuckert sind?” „Nein, sowat hatte ich noch nie", sprach er leise. Als Claudia ankam, bat ich sie, meine Kasse zu übernehmen. Dann kam Geri, unser Filialleiter, dazu. Wir stützten den Mann unter beiden Armen, weil er mittlerweile sehr schlecht aussah. Auf seiner Stirn stand Schweiß, seine

Hände zitterten. Das alles hat maximal 5 Minuten gedauert. Keine besonders lange Wartezeit, über die man sich beschweren müsste. In diesem Fall schon gar nicht. Doch einige Kunden an meiner Kasse meckerten, weil sie warten mussten. Der Mann erzählte uns stockend, er wohne im Seniorenheim in der Nähe und wollte nur ein bisschen spazieren gehen. Dann sackte er plötzlich zusammen. Durch sein Gewicht zog er mich mit nach unten. Ich versuchte, ihn so sanft wie möglich auf den Boden sinken zu lassen.

Gott sei Dank hatte Geri ihn fest im Griff und verhinderte einen harten Sturz. Wir lagerten ihn auf dem Boden, direkt vor der Bäckerei. Wir kümmerten uns um ihn und stellten fest, dass er nicht mehr atmete. Während ich am Kopfende saß und ihn immer wieder ansprach, begannen Geri und ein Kunde, der gerade das Geschäft betreten hatte und sofort zu Hilfe eilte, mit der Wiederbelebung. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie schlimm das war. Die Zeit schien stillzustehen, die Minuten wollten

einfach nicht vergehen. Wir hockten da, handelten, kämpften und hofften. Es war furchtbar. Ich bin heute noch schockiert, wenn ich daran denke, was drumherum geschah: Kundschaft stieg einfach über uns hinweg. Einige beschwerten sich lautstark, weil wir die Bäckertheke blockierten und es hatte sich eine gaffende Traube von Menschen um uns herum gebildet. Immer wieder bat ich: „Bitte gehen Sie weiter. Gehen Sie einfach.” Doch die meisten blieben stehen und starrten auf uns herunter.

Obwohl das nicht mein erster Notfall im Geschäft war, ist es der, der mich bis heute verfolgt. Sehr viele Kunden schimpften, schüttelten verständnislos den Kopf und äußerten ihren Unmut darüber, dass sie nun nicht an die Bäckertheke konnten. Wir waren viel zu beschäftigt, um ihnen Paroli zu bieten. Aber ihre Kommentare hingen mir noch Wochen später in den Ohren. Diese Abgestumpftheit und Empathielosigkeit konnte ich nur schlecht aushalten. Es war so unwürdig, vor allem für den älteren Herrn.

Nachdem Notarzt und RTW eintrafen, habe ich zum ersten Mal in meiner beruflichen Karriere eine vorzeitige Schließung des Geschäfts erlebt. Geri hat die Türen auf Ausgang gestellt, das heißt, es konnten Kunden raus, aber nicht mehr rein. Nachdem der Mann mit dem RTW abtransportiert worden war, brauchte ich ein paar Minuten, um mich zu sammeln. Nicht nur, weil der ältere Herr um sein Leben kämpfen musste, sondern weil das Verhalten der anderen Menschen mich maßlos schockiert hat.

Gut zu wissen!

Off topic, aber: jeder Mensch, ob Ersthelfer oder Augenzeuge, der sich nicht gut fühlt nach so einem Erlebnis, kann sich über die 112 an die Einsatzleitstelle der FW wenden und um die Hilfe eines Notfallseelsorgers bitten. Dafür sind wir da.

Keine Worte dafür

Solche Leute würde ich am liebsten dazulegen. Ohne Worte. Aber es ist leider die Norm . Danke, dass Du für den Mann da warst. ❤️

Es gibt in diesen Momenten wirklich Wichtigeres

Puhhhhh... die Geschichte hat mich tief bewegt. Mir ist mal ein Kollege mitten im Gespräch einfach umgekippt. Er versuchte sich noch festzuhalten und ich konnte ihn auch grade noch so greifen und ihn auf den Boden legen. Er war kurz bewusstlos und wurde dann auch mit dem RTW abgeholt. Zum Glück war es nichts Gravierendes. Ich glaube, ich wäre nicht freundlich geblieben, hätte sich da auch nur win Kunde beschwert! 😡

Richtig so

Hab damals in einer Praxis gearbeitet, als meine Kollegin plötzlich von Stuhl kippte. Hab sie gerade noch auffangen können. Alle Patienten die reinkamen, fragten wann es endlich weitergeht. Bin dann ziemlich deutlich geworden und habe alles konsequent ins Wartezimmer geschickt.

Wie kann man so herzlos sein?

Hab mal in einem Kaufhaus gearbeitet, als ein Mann dort den Freitod wählte. Er sprang fünf Stockwerke nach unten bis vor die Kassen des Lebensmittelbereiches, wo ich saß. Zwei Kolleginnen sahen es direkt und wurden mit Schock abtransportiert. Wir mussten den Lebensmittelbereich und die Lederwaren absperren. Es war kurz vor Weihnachten. Leute beschwerten sich, dass sie keine Handtaschen und Gürtel kaufen konnten...

Wann haben wir das verlernt?

Ich bin schockiert, aber leider nicht überrascht. Die Menschen sind überhaupt nicht mehr fähig für Mitgefühl und Emphatie. Von Hilfsbereitschaft will ich gar nicht reden. Unglaublich. Es tut mir sehr leid, dass Du das erleben musstest

Nicht mehr selbstverständlich

Danke, dass du dich gekümmert hast ❤️
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