Alle gafften, aber niemand half

Emotionale Collage zum Thema Zivilcourage und mangelnde Hilfsbereitschaft: Auf der linken Seite sitzt eine ältere Frau in Schwarz-Weiß sichtlich erschöpft, gestürzt und hilflos auf dem Boden, während sie sich mit einer Hand abstützt. Sie trägt eine braune Strickjacke über einer hellen Bluse, die farblich stark hervortritt. Vor ihr auf dem Boden liegen ein Gehstock und eine Brille mit rotem Gestell. Auf der rechten Seite blickt eine jüngere Frau in Schwarz-Weiß traurig, nachdenklich und fassungslos nach unten, während sie ihren Kopf auf die Hand stützt. Sie trägt ein leuchtend lilafarbenes T-Shirt. Das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisiert pointiert den schmerzhaften Moment der Hilflosigkeit im öffentlichen Raum, den sogenannten Bystander-Effekt und das frustrierende Gefühl, wenn Mitmenschen in einer Notsituation einfach wegschauen.
Basicdog, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

„Liebe deinen Nächsten“, heißt es schon in der Bibel. Und ganz egal, ob ihr jetzt streng nach der Bibel lebt oder an den rosa Dschuschu, der in den Wolken lebt, glaubt, so oder so ist doch Konsens, dass jede*r nach seinen Mitmenschen schaut. Oder etwa nicht? Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es mit der Zivilcourage nicht mehr so gut bestellt ist. Und ich möchte auf keinen Fall die „gute alte Zeit“ heraufbeschwören. Weil aber alle Welt heutzutage nur noch aufs Handy schaut und Kopfhörer trägt, ist es deutlich schwerer geworden, in Notfällen Hilfe zu bekommen.

So ist auch vermutlich die heutige Geschichte von Threads-Userin @majafrow zustande gekommen. Sie hat einen Vorfall beobachtet und ist im Moment der Not einer hilflosen Person zur Hilfe geeilt. Warum sie die Reaktion der anderen Passanten fassungslos macht und was genau passiert ist, könnt ihr in der nun folgenden Geschichte nachlesen.

Ich bin gerade fassungslos zur Tür rein. Wie abgebrüht können Menschen sein? Ich war vorhin zu Fuß unterwegs und bin in einen Weg eingebogen, der neben einer Hauptstraße verläuft. Schon von Weitem sah ich jemanden auf dem Boden knien. Ich bin schnell dorthin gelaufen, ich war mir nicht sicher, ob da jemand Hilfe brauchte. Als ich ankam, fand ich folgendes vor: Eine ältere Dame, sie kniete hilflos auf dem Gehweg, ihre umgekippte Einkaufstasche vor sich. Sie erklärte mir, sie hätte ihre

Tasche kurz abgesetzt und diese sei umgekippt. Sie wollte ihre Sachen wieder einsammeln und käme nun nicht mehr hoch. Ich half ihr auf und sammelte ihren Einkauf ein. Die ganze Zeit fuhren Autos an uns vorbei. Ich sah, wie die Fahrer:innen die Köpfe drehten, hinschauten und dann einfach weiterfuhren. Die Frau war etwas aufgeregt, aber unverletzt. Sie war ziemlich verärgert darüber, dass niemand angehalten und ihr geholfen hat

Was mich so fassungslos macht: Dort gibt es eine Einbuchtung einer Bushaltestelle und eine Einfahrt, die auf ein Grundstück führt. Es wäre also möglich gewesen, anzuhalten, ohne den Verkehr zu behindern. Die Frau hätte verletzt sein können. Oder, was weiß ich... Sorry, für die Meckerei, aber ich bin so wütend! Wie kann man nur so egoistisch sein? Ist Wegschauen der neue Hype? Sind wir uns gegenseitig so scheißegal geworden?

Hat sich seitdem nichts verändert?

Das war vor 47 Jahren auch schon so. Ich hochschwanger stolperte und fiel auf dem Bürgersteig in eine kleine Pfütze. Es gingen so viele Menschen aller Altersgruppen vorbei, jedoch von niemanden kam Hilfe.

Zum Glück ist nicht noch mehr passiert!

Es gibt leider sehr viele solcher Menschen, die wieder weg schauen. Meine Tochter hatte einen Unfall mit dem Roller, war eine Zeitlang Bewusstlos am Boden, es war Mittagszeit - kein Sch***n hat gehalten. Als sie wieder zu sich kam, hat sie alle rumliegenden Teile eingesammelt und ist so nachhause gefahren, sie hat mich erst von zuhause aus in der Arbeit angerufen. Bin zackig mit ihr in den Notfall, hatee gottseidank nur Prellungen und Schürfungen

Vorbildlich

Hab mal mitten in Berlin ne halbe Vollbremsung hingelegt den Warnblinker angeschmissen und bin mit meinem Partner aus dem Auto gesprungen weil eine alte Dame auf Gehweg gefallen ist. Die 5 anderen Fußgänger haben's einfach ignoriert. Haben sie dann noch zu ihrem Arzttermin gefahren

Lieber einmal zu oft fragen

Ich mache inzwischen bewusst die Augen auf und frage in auffälligen Situationen, ob ich helfen kann. Meistens kann ich. Und so selten passiert das gar nicht bei der hiesigen Bevölkerungsdichte! Was man sich in diesen Situationen von den lieben Mitmenschen (also denen, die nur glotzen und sonst nichts tun) bieten lassen muss, ist aber noch msl eine Sache für sich.

Wie schaffen wir ein besseres Miteinander?

Leider ist es so geworden das es keine Hilfe oder sagen wir sehr selten nur Hilfe gibt. Ich bin Rollstuhlfahrer und möchte gar nicht anfangen zu erzählen was ich schon erleben musste. Mir kamen schon oft vor Hilflosigkeit die Tränen und man versteckt sich immer mehr zu Hause.

Absolut unmenschlich

Ich war letztes Jahr mit Krücken und Rollator nach Knie OP unterwegs. Wollte ins Aldi humpeln. 2 junge Typen vllt 16,17 jahre alt haben die Tür extra zugezogen und ich hörte den einen nur sagen: mal gucken ob die Alte das hinkriegt..ich hätte dem am liebsten die Krücke über die hässliche Rübe gezogen.

Ein Zivi mit Herz!

Ist schon 20 Jahre her; ich war stationär im Krankenhaus. Meine Bettnachbarin hatte einen Mann bemerkt, der unten im Park im Nieselregen stand, einfach so. Es war November, also kalt. Er war normal angezogen und hat nur komische Handbewegungen gemacht. Wir haben die Stationsschwester darauf aufmerksam gemacht, die meinte nur wir sollen uns nicht darum kümmern. Als wir gefragt haben, ob sie wenigstens den Zivi runter schickt, um nachzusehen hat sie das auch abgewunken.
Also sind wir beide runter um nachzusehen. Der Mann war verwirrt und konnte sich nicht ausdrücken, warum er da stand. Dann kam plötzlich der Zivi, mit dem Rollstuhl angeflogen und hat sich ihm angenommen. Letztendlich kam raus, dass der gute Mann frisch operiert war und deswegen noch verwirrt und sich in der Kälte fast den Tod geholt hat. UND DAS AUF EINEM KRANKENHAUS GELÄNDE! Ich bin heute noch sauer! Am nächsten Tag habe ich mich bei der Ärztevisite ausgekotzt. Unglaublich
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