Warum ein Kunde am Supermarkt völlig eskaliert

Vulp, Robert Kneschke, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Nahezu jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, wundere ich mich darüber, dass es noch immer so viele Menschen gibt, die sich das freiwillig antun. Nein, ich spreche nicht von den Kundinnen und Kunden, die mal wieder durch den Laden irren, weil sie etwas nicht finden – zu denen zähle ich mich schließlich selbst, Stichwort Hefewürfel. Es geht mir vielmehr um das Personal, das im Einzelhandel nicht nur einem ständigen Zeitdruck ausgesetzt, sondern auch noch einer mehr und mehr freidrehenden Kundschaft ausgeliefert ist. Keinen Tag würde ich es dort zwischen den Regalen oder an der Kasse aushalten.

Die Menschenwürde ist unantastbar? Schade, dass dieser Grundsatz im Supermarkt für so manche Kundinnen und Kunden keine Bedeutung zu haben scheint. Da wird geschimpft und gezettert, weil es mal wieder nicht schnell genug geht oder von fünf Kassen doch tatsächlich nur vier besetzt sind. Und Beleidigungen gehören für einige Mitmenschen eh zum guten Ton. Davon kann Threads-Userin @majafrowe mit ihren Erzählungen aus dem Einzelhandel mehr als ein Lied singen. Wobei dieser Fall um 6:00 Uhr morgens dann doch schon sehr speziell und unfassbar ist.

Memories of Einzelhandel Supermarkt, 6:00 Uhr morgens. Ich stand im Lager auf der Rückseite des Gebäudes und nahm die Obst- und Gemüselieferung an. Der Lieferant: „Vor eurem Vordereingang steht 'n Typ und klopft gegen die Scheiben. Der schreit da rum wie Sau.“ Nachdem die Ware komplett im Lager stand, rollte ich den ersten Container in den Laden und hörte schon von Weitem das Brüllen und Klopfen. In mir stieg sofort Ärger hoch. Es waren noch zwei Stunden bis zur Ladenöffnung.

Als der Mann mich von innen auf den Eingang zulaufen sah, drehte er erst richtig auf. Er schlug mit beiden Händen gegen die Glasschiebetüren, sodass sie regelrecht erzitterten. „Mach dat Loch auf! Ich hab keine Zeit!“, brüllte er mir durch die geschlossenen Türen entgegen. Ich rief zurück: „Hörst du auf, gegen die Scheiben zu donnern?“ Er: „Mach auf! Ich muss zur Arbeit!“ Ich: „Dann fahr doch zur Arbeit und hör mit dem Theater auf.“ Er: „Sach ma, bisse doof oder so?

Ich brauche 'n paar Sachen zum Essen!“ Ich: „Kein Problem. Komm' um 8 wieder, dann öffnen wir.“ Er blickte mich voller Wut an und trat plötzlich mit aller Kraft gegen die Scheiben. Ich sah das Glas im Geiste schon zersplittern. Ich: „Sach ma, wat stimmt mit dir nich, du Spinner? Lass die Scheiße sein!“ Er: „Dann lass mich rein, du blöde Kuh!“ Während ich mein Telefon aus der Tasche zog, um die Polizei zu rufen, eskalierte der Typ da draußen komplett.

Es folgten wüste Beleidigungen, Bedrohungen und schließlich drohte er damit, mich umzubringen. Seine Tritte und Schläge gegen die Eingangstüren hallten durch das komplett menschenleere Geschäft. Währenddessen schellte es auch noch am Lager, was ich in dem Moment komplett ignorieren musste. Ich dachte erst, der Mann sei sturzbetrunken und versuchte, ihn durch die geschlossenen Türen irgendwie zu beruhigen. Keine Chance. Nachdem endlich die Polizei eingetroffen war, musste ich die Türen öffnen.

Kaum waren sie einen Spalt offen, wollte der Typ direkt auf mich losgehen. Die Polizisten mussten ihn überwältigen und ihm Handschellen anlegen. Selbst als sie ihn in den Streifenwagen setzten, brüllte er weiter, dass das alles meine Schuld sei. Er hätte schließlich ein Recht darauf einzukaufen und ich sei einfach nur stinkend faul. Das Ende vom Lied: Der Mann war laut Polizei völlig nüchtern. Es gab einen Platzverweis und mehrere Strafanzeigen.

Wie kann es sein, dass ein erwachsener Mensch wegen eines Einkaufs vor Ladenöffnung so komplett die Fassung verliert? Habt ihr auch schon mal erlebt, dass Leute wegen absoluten Nichtigkeiten so dermaßen ausrasten? Memories of Einzelhandel ist ein Rückblick auf meinen Berufsalltag, mit Galgenhumor und einer Prise Satire. Gefällt dir? Dann folge mir, denn geteiltes Leid ist halbes Leid 😁.

Vermutlich ging es dabei um ein Fussballtrikot oder um einen Grill

Wegen eines Parkplatzes stritten sich kürzlich zwei Männer in Bayern. Im Supermarkt ging es weiter und sie zogen sich Gurken über den Schädel. Männer, so emotional.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Nach einem Wochenendwasserschaden in unserer Buchhandlung mussten wir in einem Teil den Fußboden komplett rausreißen. Wir knieten auf dem Boden, sahen aus wie die Schweine. Trotz des Schildes "Havarie" stiegen Frauen teilweise mit Kinderwagen ÜBER UNS weg, sie "wollen ja nur zu den Kinderbüchern". Dort fehlte der Boden bereits. Seitdem fehlt mir jeder Glaube an intelligentes Leben.

ICH WILL ABER JETZT MEINEN HAMBURGER!!

Ich habe mal in einer McDonalds Filliale gearbeitet. Sylvester 15:30 schlossen wir (über 20 Jahre her) die Tür zu um sauber zu machen. Ein Pärchen wollte auch die Tür eintreten. Polizei hat geregelt. Einfach woanders zu essen wäre billiger als der Sachschaden gewesen.

Bei Pizza hört die Freundschaft (und der Anstand) auf

Wir haben damals im Rettungs-und Krankentransport mal Abends um 22 Uhr die Polizei gerufen. Wir sind an einem Edeka vorbei gefahren, da stand auch ein Typ, im Anzug, Aktentasche. Völlig am eskalieren. Brüllte er hätte Pizza vergessen. Der Laden hatte seit 20Uhr zu. Kollege noch versucht den zu beruhigen, aber der wollte von uns das wir mit dem Auto die Tür kaputt fahren 🫠. Polizei kam. Der Typ war vollkommen nüchtern.

Falls ihr euch fragt, warum es diese Scheiben dort gibt

Wisst ihr noch vor ein paar Jahren, als alle EC-Geräte nicht gingen? Ich saß an dem Tag an der Kasse und hatte einen Kunden der seine Wut darüber an der Plexiglsscheibe ausgelassen hat die zwischen uns war. Männer ey.

Bei dem hackt es doch

Ich hab mit einer kollegin zusammen gearbeitet bei meinem früheren Arbeitgeber, Kunde wollte 1 kg Rinderhack und die kollegin war dem kunden nicht schnell genug, das er sie als lahme Ente betitelt hat und gemeint hat das sie zu blöd ist alles richtig zu machen, bin dann hin, hab das hack genommen in die Theke gestellt und dem kunden gesagt er kann jetzt gehen und wenn er seine Manieren wieder gefunden hat, nochmal kommen... der war so perplex 😂

Alter schützt vor Torheit nicht …

Hab eine ähnliche Story aus meiner Einzelhandelszeit. Sanitätshaus. Wir hatten Inventur und Laden war geschlossen. Wir hatten vor dem Laden so ein Rollgitter, der ebenfalls unten war. Irgendwann stand eine ältere Frau vor dem Laden, fing an zu brüllen und heftigst am Rollgitter zu rütteln. Sie wollte unbedingt rein um eine Bestellung abzuholen. Ging natürlich nicht weil Laden zu und Inventur. Die Frau eskalierte immer weiter... 1/2

...und ich dachte, sie zerstört gleich das Rollgitter. Was dann passierte? Sie wurde am Ende von der Leitung, zum Dank das sie fast das Rollgitter demoliert hat, in den Laden gelassen und bedient. Fand ich damals völlig daneben von der Leitung. 2/2

So sieht es aus!

Und weil Führung im Supermarkt bzw. generell solche Vorfälle immer verharmlost bzw. dem Mitarbeiter noch Schuld implizieren will, will im Handel auch keiner mehr arbeiten
NEWSLETTER

Unterhaltsames und Originelles aus der Arbeitswelt – direkt per Mail!

SCHLIESSEN
Artikel Teilen