Wie ein Angestellter womöglich 25 Millionen Euro in den Sand gesetzt hat

Iona, Roquillo, Adobe Stock / Twitterperlen Illustrations

Wann ist es eigentlich aus der Mode gekommen, für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen und die entsprechenden Konsequenzen zu tragen? Irgendwann sollte doch jeder von uns in seiner Erziehung mit auf den Weg bekommen haben, dass man für eigene Fehler einsteht – auch wenn dies manchmal schmerzhaft ist oder einem verständlicherweise schwerfällt. Die meisten von uns bekommen die Sache doch ansonsten eh nicht so richtig aus dem Kopf, und es beschäftigt einen viel länger, als es die Sache wert ist.

Und dennoch wird das eigene Fehlverhalten heute nicht selten relativiert oder gar versucht, es jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Eigentlich bin ja überhaupt nicht ich schuld, sondern der! Irgendwie plausibel klingende Gründe für unser eigenes Gewissen finden wir dafür doch immer. Die heutige Beichte aus dem Arbeitsleben eines Reddit-Users befindet sich passend dazu irgendwo zwischen „Ich kann nichts dafür“ und „Ich weiß, dass es meine eigene Schuld ist“, was die ganze Sache jedoch nicht unbedingt einfacher macht. Was sagt ihr dazu?

One-Spirit-744

Ich arbeite bei einem mittelständischen Unternehmen, das hauptsächlich öffentliche Aufträge macht. Seit Mittwoch bin ich krankgeschrieben.

Am Mittwoch war die Deadline für eine ziemlich große Ausschreibung ca. 25 Mio. Euro. — 1/4

One-Spirit-744

Mein Vorgesetzter hat mich am Dienstag gefragt, ob mit der Ausschreibung alles fertig ist und ob ich das Angebot schon abgegeben habe, hab ja gesagt.

Final Abgegeben hatte ich sie nicht, wollte es am Mittwoch morgen direkt machen. — 2/4

One-Spirit-744

Dienstagabend ging es mir dann schon ziemlich beschissen und Mittwochmorgen war komplett vorbei. Ich habe meinem Vorgesetzten morgens eine Mail geschrieben, dass ich krank bin.

Die Ausschreibung habe ich vergessen und die Frist ist abgelaufen. Nachträglich können keine Angebote mehr eingereicht werden. — 3/4

One-Spirit-744

Ich bekomme schon Herzrasen wenn ich nur daran denke am Montag wieder zur Arbeit zu müssen.

Sollte ich mir am Wochenende schon einen neuen Job suchen?
Am liebsten würde ich direkt kündigen und die gesamte Firma ghosten. — 4/4

Kommentare und Reaktionen:

Eine heftige Geschichte, oder? Klar, dass wirklich niemand (ich eingeschlossen) in der Haut des Reddit-Users stecken möchte. Neben aufbauenden Worten äußert die Community jedoch auch ihr Unverständnis und den klaren Unmut über das Geschehnis, das durchaus vermeidbar gewesen wäre.

Verantwortungsflucht statt Fahrerflucht?

hohenzollern87

Erst Lügen, dann ghosten wollen. Perfekte Kombi für viele schöne Erlebnisse im Berufsleben auf beiden Seiten. Ich glaube, so liest sich ein Text von einem, der dir beim Parken ins Auto donnert und einfach wegfährt.

Gute Frage!

labeldud3

Uff, plötzlich krank sein kann halt passieren. Aber die Lüge, das Angebot sei abgegeben macht es halt echt hart. Hättet ihr denn eine realistische Chance auf den Auftrag gehabt?

Nur verständlich

Larifariblabla

Deine Frage am Ende macht glaube ich keinen Unterschied in der Bewertung der Sachlage. Ist egal, wie hoch die Chancen auf Auftrag gewesen wären. Wie du richtig schreibst: Kernproblem ist das Lügen über die Abgabe. Bin kein Arbeitsrechtler, aber wenn ich der Chef wäre, würde ich alles dafür tun, OP nun loszuwerden.

Überhaupt nicht nachvollziehbar

PapaSchlumpf27

Tja, hättest du nicht über den Status gelogen, hätte dein Chef nach der Krankmeldung reagieren können.

Warum erzählt man denn, man sei fertig, wenn man es nicht ist?

Klingt bitter, aber JA

Any-Message-1337

Tja, was willst du hören. Du hast deinen Chef angelogen und deswegen konnte auch keine Vertretung das Angebot abgeben. Leb mit den Konsequenzen.

Am Ende kommt eh alles raus

Merion

Warum hast du denn am Dienstag nicht einfach gesagt, dass das Ding zu 99% fertig ist und du es Mittwoch abschickst? Das hätte zumindest noch die Möglichkeit gegeben, dass jemand rein fasst.

Ich glaube ich würde tatsächlich den Chef anrufen und beichten. Kind ist im Brunnen. Hilft jetzt nichts, Vogelstrauß zu spielen. Hole dir den Einlauf ab, den du verdient hast. Dann weiß der Chef Bescheid und du hockst nicht das ganze Wochenende da und machst dir Gedanken. Dem Gespräch ausweichen kannst du eh nicht.

Irgendwie geht es immer weiter

redbluemoons

Hoffentlich eine Lektion für’s Leben. Ehrlich währt am längsten. Ich würde mich auf die Möglichkeit einer fristlosen Entlassung einstellen, ABER: Nimm es mit Würde, übernimm Verantwortung für dein Handeln und lerne daraus, egal, was Montag kommt.

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