Aus einem kleinen Betrug wurde ein großes moralisches Problem

Drobot Dean, Adobe Stock / Twitterperlen Illustrations

Irgendwann holt uns alles ein – das haben uns schon die Großeltern gelehrt. Jede Lüge, jedes Schummeln beschert uns irgendwann entweder einen Gewissensbiss oder verwandelt sich in Karma und fällt uns auf die Füße. Aber genau das macht es ja auch ein bisschen spannend, dieser kleine Adrenalinkick im Leben. Natürlich nur in Maßen.

Wird Mutti herausfinden, dass ich sie anflunkere und meine Freunde gar nicht alle schon ein iPhone 18 haben, nur damit ich auch eins bekomme? Wird der Lehrer merken, dass ich heimlich meinen Spicker aufs Geodreieck geklebt habe?

Aber all das gibt es natürlich noch in einer ganz anderen Dimension. Was, wenn wir uns unseren Beruf erschummeln oder die theoretische Führerscheinprüfung vielleicht doch nicht ganz alleine geschafft haben? Und was ist, wenn wir damit sogar durchkommen, aber dann plötzlich das kleine Rumpelstilzchen namens Gewissen um die Ecke kommt? Sollten wir dann moralisch handeln und die Wahrheit sagen oder einfach weitermachen, als wäre nie etwas gewesen? Genau darum geht es auch in dieser Beichte.

CucumberPilot846

Vor drei Jahren habe ich bei einer beruflichen Zertifikatsprüfung betrogen. Nicht genial, nicht raffiniert. Ich war schlecht vorbereitet, bekam Panik und benutzte während der Prüfung unerlaubte Notizen. Am Ende bestand ich mit zwei Punkten über der Grenze.

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Damals brauchte ich das Zertifikat nicht zwingend für meine Stelle. Ein Jahr später änderten sich meine Aufgaben, und plötzlich war dieses Stück Papier relevant. Aus Angst aufzufliegen, lernte ich alles nach, was ich vorher hätte lernen sollen. Dann noch mehr.

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Inzwischen erklären mir andere ihre schwierigsten Fälle, und ausgerechnet ich gebe intern Schulungen zu dem Thema. Das macht den ursprünglichen Betrug nicht besser. Es macht ihn nur absurder.

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Nächsten Monat steht die Verlängerung an. Auf dem Formular muss ich erneut bestätigen, dass ich bei keiner früheren Prüfung gegen die Regeln verstoßen habe. Beim ersten Mal habe ich das Kästchen ohne nachzudenken angekreuzt. Jetzt liegt es seit vier Tagen auf meinem Küchentisch.

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Wenn ich die Wahrheit angebe, wird vermutlich geprüft, ob das alte Ergebnis aberkannt wird. Wenn ich wieder Nein ankreuze, ist es kein panischer Fehler von damals mehr, sondern eine neue bewusste Lüge.

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Ich könnte die Prüfung heute wahrscheinlich ohne Probleme bestehen. Trotzdem basiert der Weg bis hierhin auf zwei Punkten, die mir nicht zustanden. Ich weiß nicht ob nachträglich erworbene Kompetenz irgendetwas daran ändert. Wahrscheinlich nicht. Genau deshalb drücke ich mich gerade vor dem Formular.

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Gedanken, Gefühle, Kommentare:

Die Meinung der Community ist ziemlich eindeutig. Aber ist das wirklich der richtige Weg? Was denkt ihr?

Funktioniert es so herum?

EIFlauscho

Du hast eine Regel erst gebrochen und sie danach erfüllt. Das nennt man „Fake it Till You Make It.” Ich sehe kein moralisches Problem. Du hattest einfach Erfolg und andere profitieren davon.

Wurde wirklich niemandem geschadet?

Fao420

Da du dir das Wissen, welches du für diese Prüfung gebraucht hast, jetzt angeeignet hast, ist doch alles in Ordnung? Du schadest ja niemandem, da du alles was du wissen müsstest weißt und den Leuten helfen kannst! Du hast halt länger gebraucht dir das Wissen anzueignen, ist doch egal, mach weiter!

Ist Selbstreflexion die Vergebung?

AstronomerNo4357

Deine Gewissenbisse zeugen von einer sehr gesunden Selbstreflexion. Ich würde daraus jetzt aber keine große Sache mehr machen. Du hast in der Zwischenzeit bewiesen, dass du mittlerweile das Zertifikat zurecht hast.

Ist das die Lösung?

Day_Drin_King

Kreuzchen setzen und weiterleben

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