Überlebenstipps für Stadtmenschen, die aufs Dorf ziehen

Chris Schröder 20.06.2024, 6:45 Uhr

Der Umzug von einer Stadt aufs Dorf ist ein Abenteuer, das uns in eine ganz neue Welt katapultiert. Vergesst die Hektik, die endlosen Staus und das ständige Hintergrundrauschen – auf dem Land ticken die Uhren anders und zwar viel, viel langsamer. Hier gibt es keine U-Bahn, die im Minuten-Takt fährt und auch der nächste Supermarkt könnte durchaus eine kleine Expedition erfordern. In der Stadt sind wir an Anonymität und die riesige Auswahl an allem gewöhnt: Restaurants, Kinos, Fitnessstudios und Cafés an jeder Ecke. Auf dem Dorf hingegen gibt es vielleicht genau ein Restaurant, das auch gleichzeitig der Treffpunkt für alle ist – ja, auch für die, die man noch nicht kennt, aber bald kennenlernen wird.

Der größte Kulturschock? Die Nachbarn! Auf dem Dorf ist man nicht einfach nur der Typ aus dem dritten Stock, der nie den Müll runterbringt. Hier kennt jeder jeden und „Nachbarschaft“ bedeutet tatsächlich, dass man sich gegenseitig hilft und auch mal ein Schwätzchen hält – ob man will oder nicht. Doch keine Panik, das Landleben hat auch seine Reize. Man muss eben nur lernen, sich anzupassen und die Ruhe zu genießen. Ein langsamerer Lebensrhythmus bedeutet mehr Zeit, die Sterne zu beobachten, frische Luft zu atmen und den eigenen Gemüsegarten zu pflegen – wenn man den grünen Daumen dazu hat.

Wie man sich am Besten auf das neue Leben im Dorf vorbereitet, das hat die Reddit-Community kürzlich gesammelt. Ein paar der besten Überlebenstipps haben wir hier für euch verewigt.

Oder ein „Moin“

Ich komme vom Dorf und ich werde in der Stadt oft komisch angeguckt, wenn ich aus Reflex Leute grüße, die mir auf dem Bürgersteig entgegen kommen.

Auf'm Dorf ist's anders rum. Da fällst du negativ auf, wenn du nicht grüßt. Ein kurzes Zunicken reicht aus.

Kann auch in der Stadt nicht schaden

Klopf beim Einzug Mal bei den Nachbarn an und stell dich vor. Kann nur helfen, am Anfang direkt nett zu sein und du hast dann auch direkt Mal jemanden der dir im Urlaub die Blumen gießt.

Ja, doch!

Grüßen. Immer.

Versorgung ist alles

Leg Dir einen Lebensmittelvorrat an. Nichts ist nerviger als irgendein Grundnahrungsmittel nicht da zu haben und deswegen kilometerweit fahren zu müssen. Im Grundsatz gilt: besser haben als brauchen. Gilt auch für Bier (24-Stunden-Tanke gibts da nicht), Leuchtmittel, Zigaretten falls Raucher, Süßigkeiten und Klopapier.

Falls jemand im Dorf Kartoffeln/Eier/Suppenhühner/Honig/Äpfel verkauft: gerne dort kaufen. Erstens ist es qualitativ meist gut, zweitens ist es auch eine fantastische Gelegenheit ins Gespräch zu kommen oder sich mal vorzustellen. Kenne Deine Infrastruktur!

Gemeinschaftssinn ist alles

Als so halb-Dorf-Mensch:

Unterschätz nicht wie wichtig Integration in die Dorfgemeinschaft ist. Das wirkt sich auf fast alles aus. Auf der Gegenseite ist es so, dass Dörfler aber auch gern eine geschlossene Gemeinschaft bilden, die nicht sehr offen gegenüber zugezogenen aus der Stadt sind.

Ich persönlich empfehle in Vereine und co. zu gehen und zu zeigen, dass du Bock auf Dorfleben hast. Die Klassiker sind Feuerwehr, Fußball, (EDIT: und Landjugend) und Schützenverein. Da lernst du auch welche Dorffamilie "das Sagen hat"... Häufig gibt es da ein zwei Familien, wenn du bei denen unbeliebt bist ist es verkackt.

Auf der anderen Seite Schleim dich auch nicht zu sehr ein. Das kommt auch nicht gut.

TL;DR: Dorf ist ein großer Kindergarten. Hab ein dickes Fell.

Vorsicht vor den Omas

Stell dich mit den Nachbarn gut, sprich freundlich sein, sich selbst direkt vorstellen. Immer Grüßen, egal wen du auf der Straße triffst (faustregel: man kennt sich gar nicht oder nur ganz flüchtig, wird nach unten genickt, man kennt sich, wird nach oben genickt und wenn man sich gut kennt, gibt's meist ein Gespräch dazu) Beobachte die Traditionen dort und wie was gehandhabt wird, einfach die Nachbarn fragen, wenn man einen brauch nicht kennt und nicht einzuordnen weiß (ist von Kaff zu Kaff unterschiedlich. Sehr unterschiedlich) Sich auf dorffesten zu zeigen ist immer eine gute Idee Lass dich nicht all zu sehr zum Alkoholkonsum nötigen, sofern du das nicht möchtest- die Dörfler sind da sehr hartnäckig gewöhn dich dran über Jahre hinweg "der zugezogene" zu sein. Am Anfang wird ganz viel getratscht und gelabert, Gerüchte werden sich verbreiten. Werden die gerüchte zu absurd: Finde raus welche Oma im Dorf die wandelnde Bildzeitung ist und lasse ihr in einem Gespräch beiläufig die gegenteiligen Infos über dich zukommen, aber nicht zu detailliert. Und: du wirst in jeder Sekunde die du draußen verbringst (auch drin, wenn du im EG wohnst und keine rollos/vorhänge hast) beobachtet. Hinter irgendeiner Gardine sitzt immer eine Oma die dich genau im Visier hat

Immer schön locker bleiben

Sei kein Korinthenkacker. Sprich, fünfe grade sein lassen. Hähne krähen früh, Leute mähen Rasen auch nach 21Uhr, Gülle stinkt und bei Nachbar Herbert läuft auch schonmal zehn Minuten der Traktor im Leerlauf. Ein bisschen gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis von allen Seiten hilft ungemein. Niemand mag Städter, die Anzeige gegen Misthaufen erstatten, Zäune auf den Zentimeter genau nachmessen, versuchen Hähne zu verbieten, das Ordnungsamt rufen wenn nach Ruhezeit noch eben der letzte Streifen fertig gemäht wird, am Feiertag Holz gehackt wird, man je nach Wetter den Stall riechen kann und und und, während die anzeigenden Personen gleichzeitig ungefragt in Ställe gehen, Tiere füttern (und dadurch krankmachen) und sich benehmen als würde sich plötzlich alles um sie drehen. Keine dieser Dinge ist erfunden, alles eigene Erfahrungen ;)

Im Gegenzug wird man auch mit dir auf Dauer nachsichtiger sein.

Eile mit Weile

Geduld Je nach Dorf dauert es 30 Jahre bis du nicht mehr der neue bist

Heißer Tipp:

Geh zur Feuerwehr 🚒 und zum Feuerwehr Stammtisch (wenn es das gibt). Passives Mitglied langt und man muss kein Bier trinken.

Jedem Dorffest helfen.

Sich mit der Dorftrasche befreunden.

Viel spazieren gehen und Social anxiety mit small talk besiegen. Du musst auch nicht alles verstehen. Einfach ja sagen.

Bin gerade erst aufs Dorf gezogen. Es ist dabei absolut egal ob man Alman ist oder braun/blau/rosa ist. Fremd ist fremd.

Am Arsch der Welt bekommt da eine neue Bedeutung

Gewöhn dich daran, längere Strecken mit dem Auto zu fahren. Alles ist weiter weg, und deine Definition von "zu weit" wird sich ändern. Wenn ich "mal eben" zum nächsten Saturn oder so fahren will ist das gut ne Stunde Autofahrt. Vorher war das für mich ne halbe Ewigkeit, mittlerweile geht's aber.

Clever

Machs wie ich heirate in eine Dorffamilie ein, die das sagen hat. Plörtzlich lächelt dich immer jeder an und fragt wie es dem Schwiegervater geht.

Nicht vergessen

Ladenöffnungszeiten beachten. Hier schließt alles um 18 Uhr und Samstags um 14 Uhr. Mittwochs nachmittags haben Apotheken zu. Nur der Supermarkt hat länger auf.

Ganz einfache Überlebenstipps

Gefälligkeiten werden mit Gefälligkeiten, Bier, schnaps oder Likör bezahlt.

Knüpfe Kontakte. Jeder kennt einen, der einen kennt, der .... . Bis es soweit ist immer die Privatnummer von Handwerkern geben lassen "falls was ist". ~20€ Trinkgeld und/oder Frühstruck macht die Jungs Glücklich und offener.

Offentsichlich Ältere bzw im zweifelsfall immer Grüßen.

Feuerwehrfest, Kirmes, Tag der offenen Tür etc mitnehmen und mit den Leuten reden wenn sie auf dich zukommen.

Die Nachbarn bei einer (Geburtstags)party nicht nur vorwarnen sondern einladen. Lohnt immer.

Der letzte Satz ist der wichtigste

Gewöhn dich an den grillduft, an das Geräusch des rasenmähers und ganz wichtig..Genieß die Ruhe. Es ist so toll im Dorf 😍
Apropros Dorfleben:

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