
Dieser Beitrag thematisiert sexuelle Übergriffe, chemische Unterwerfung und Gewalt gegen Frauen. Bitte passt auf euch auf!
Chemische Unterwerfung ist eins der Stichworte der vergangenen Jahre. Man versteht darunter das heimliche Verabreichen von sogenannten K.-o.-Tropfen oder anderen Substanzen, um Opfer gefügig zu machen, ihre Willens- oder Wehrkraft zu schwächen oder deren Bewusstsein zu manipulieren. Der Fall von Gisèle Pelicot in Frankreich hat sicher dazu beigetragen, das Thema stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Aber ihr Name steht nur stellvertretend für die vielen, vielen anderen Opfer sexualisierter Gewalt im Privaten wie auch im öffentlichen Raum. Darunter ungezählte namenlose Fälle, Jane Does überall auf der Welt.
Und während Frauen überall davor gewarnt werden, bedenkenlos auszugehen, während es in jeder Drogerie Armbänder gibt, um Getränke gezielt auf K.-o.-Tropfen zu testen, läuft gleichzeitig gesellschaftlich ein ganz anderer Film: der Film der Täter-Opfer-Umkehr. Sie funktioniert immer nach dem gleichen Muster. Man spricht dem Opfer die Verantwortung für die Handlung des Täters zu. „Was hatte sie an?“ und „Warum hat sie sich nicht gewehrt?“ wird zu „Bestimmt hat sie einfach zu viel getrunken!“
Das ist so schändlich wie falsch, so verharmlosend wie täterschonend. Es erklärt die absurd hohe Dunkelziffer im Fall von „Drink Spiking“, die bereits nachgewiesen wurde. Warum vorwiegend männliche Täter so sehr in Schutz genommen werden, ist geradezu unerklärlich. Ist es dieselbe widerliche Bro Culture wie im Fall der Cornell University, der in den vergangenen Wochen medial diskutiert wurde? Denn während wir uns stärkeren Opferschutz für Frauen wünschen und verlangen, dass die Scham die Seite wechselt, brauchen es für ein Umdenken auch eins: Männer, die sich klar zum Thema sexualisierte Gewalt positionieren. So wie der User @stone1river. Vielen Dank an alle, die ihre Geschichte teilen!
Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten allen Opfern von sexualisierter Gewalt. Bitte schämt euch nicht, um Unterstützung zu bitten. Eine Möglichkeit ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, das ihr unter der Nummer 116 016 oder via Online-Beratung erreicht. Euch trifft keine Schuld!
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