Eine Liebeserklärung an unsere Omas

Krakenimages.com, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Im folgenden Beitrag findet ihr viele schöne, aber auch einige durchaus heftige Geschichten. Wenn euch das gerade zu viel ist, schaut euch stattdessen gern einen unserer anderen Beiträge an.

Familie bedeutet oft nicht nur Mama, Papa und Geschwister. Für viele gehören Oma und Opa genauso dazu. Bei den Großeltern durfte man schließlich manchmal Dinge, die zu Hause undenkbar gewesen wären. Das dritte Eis am Tag? Klar. Noch zehn Minuten länger aufbleiben? Ach, was soll’s.

Doch irgendwie steht dabei oft Opa im Mittelpunkt. Er war derjenige, der mit einem Quatsch gemacht hat, heimlich Süßigkeiten zugesteckt oder einem das Fahrradfahren beigebracht hat. Dabei gerät Oma manchmal viel zu sehr in den Hintergrund.

Deshalb wird es heute mal Zeit, Oma den Ruhm zu geben, den sie verdient. Danke, Oma, dass du mich jeden Mittag mit Latein gequält hast und ich genau deshalb mein Abi geschafft habe. Danke, dass du immer für einen Spaß zu haben bist, selbst wenn er auf Opas Kosten geht. Und danke, dass du mit deiner Lebenserfahrung und deinen Geschichten in der obersten Liga spielst und man dir einfach stundenlang zuhören könnte. Jetzt seid aber ihr dran. Dank Threads-Userin @unleashedmall kommen hier die schönsten und berührendsten Geschichten über eure Omas. Viel Spaß!

Ich seh hier gerade einen englischen Beitrag, dass man etwas faszinierendes über seinen Opa erzählen soll, und ich denke nur: hey, und was ist mit den Omas? Werden die wieder unsichtbar gemacht? Also erzählt mir doch mal faszinierende Geschichten über eure Omas.

Meine Oma z.B. ist während der Zeit des Massakers an den Deutschen in Mährisch-Schönberg nach Deutschland geflohen. Sie kam hochschwanger in Deutschland an und wurde in einer Familie untergebracht, wo sie wie ein Sklave gearbeitet hat. sie durfte sich während der Arbeit nicht um ihr Kind kümmern, welches sich schwerste Verbrennungen durch eine alte Wärmflasche zugezogen hat und deswegen durchgehend geweint hat. Sie war insgesamt 3 Mal verheiratet, hatte 12 Kinder, von denen nur 8 überlebt haben. 2 / 3

Der erste Mann im Krieg gefallen, der zweite Mann nach einem Sportunfall in ihren Armen gestorben und der dritte Mann starb, als sie selbst mit Krebs im Krankenhaus lag. Sie hat immer gearbeitet bis sie über 70 Jahre alt war, hat leider Darmkrebs bekommen und ist mit nur 76 Jahren bereits verstorben. Ich habe wirklich tolle Sommer bei ihr verbracht, wir haben viel zusammen gebastelt und sind oft im Wald spazieren gewesen und haben diverse Beeren gesammelt und eingekocht. 3 / 3

Oh, wow …

Meine Uroma hat mir immer die Geschichte erzählt, wie sie einem Jungen, der sie „geärgert“ hatte, die Mistgabel durch den Fuß gerammt hat, so dass er im Stall stehen bleiben musste, bis ihn jemand gerettet hat. Ich hab leider erst Jahre später verstanden, dass es nicht um ärgern ging, sondern sich meine Oma gegen sexuellen Missbrauch gewehrt hat und es mir deshalb immer wieder erzählte, damit ich mich ebenfalls mit allem wehre, was verfügbar ist.

Wie mutig!

Meine Oma wurde mit 17 unverheiratet schwanger, ihre Eltern wollten sie zur Abtreibung zwingen. Sie ist zum Termin und hat es sich im Wartezimmer anders überlegt, Blumen und Pralinen gekauft und ist zu meinem Opa (auch erst 17) nach Hause gelaufen, hat geklingelt, ihm die Sachen überreicht und gesagt: „so Dieter, wir heiraten jetzt!“. Das Baby war meine Mama, meine Großeltern haben danach noch ein Kind bekommen und vor ein paar Jahren goldene Hochzeit gefeiert 🥰

Was eine Macherin!

Meine Oma hat vor 80 Jahren die Prüfung zur Schneidermeisterin bestanden. Zwei Wochen vor der Geburt meines Vaters.

Das ist Familie

Meine Oma hatte 3 Brüder. 1945, Kriegsende war einer dieser Brüder in Süddeutschland und niemand konnte ihn holen. Sie ist alleine als 20 Jährige hübsche Frau aus dem Norden mit dem Zug dorthin gefahren um ihn zu holen. Die Alliierten waren bereits überall und mit Glück wurde ihnen auf dem Rückweg geholfen. Als meine Oma starb, stand ihr Bruder vor ihrem Grab unter Tränen und hat sich 75 Jahre später noch dafür bedankt. Für sie war das eine Selbstverständlichkeit, es war schließlich ihr Bruder.

Manchmal kann es so einfach sein

Ich habe mich bei meiner Oma als non-binary und lesbisch geoutet und gesagt, dass ich davor Angst hatte, weil ich u.a. aufgrund mangelnder Akzeptanz den Kontakt zu meiner Mutter abbrechen musste. Sie hat mir das erzählt, dass das doch überhaupt nicht schlimm oder unnormal ist, sie selbst nach der Trennung von meinem Opa mit einer Frau zusammen und das viel besser war als mit jedem anderen Mann (auch danach). Sie hat so viel schon erlebt und geschafft und ist einfach eine Queen 🫶🏻

Wie schön!

Meine Oma war Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie. Das finde ich ziemlich cool, wenn man bedenkt in welcher Zeit die Medizin studiert hat. Sie hat mir gezeigt, wie bedingungslose Liebe aussieht und das es gute Menschen gibt. Vermisse sie bis heute sehr und würde so gerne nochmal mit ihr über ihr Leben sprechen, weil ich glaube sie hat viel mehr erlebt, als wir dachten
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