„Dieses Leben ist der Grund, weshalb ich Rassismus hasse“

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Was mich an Rassismus immer wieder verwirrt, ist die Heuchelei. Oft, wenn man mit Leuten, die in diesen sehr einfachen gesellschaftlichen Schemata leben, diskutiert, sagen sie selbst: „Ja, ne, mein Kumpel/meine Frau/der Lehrer meiner Kinder/meine Ärztin mit diesen oder jenen familiären Wurzeln ist selbstverständlich nicht gemeint.“ Und trotzdem wählen sie Parteien mit rassistischen Grundgedanken oder teilen rassistische Ideologien in Gesprächen und sozialen Medien.

Es ist also schon so, dass uns tief drin klar ist, dass wir Menschen bei ihrem Charakter beurteilen müssen. Und eben nicht anhand ihrer Hautfarbe, ihrer Muttersprache oder ihrem Pass. Wie funktioniert diese gedankliche Brücke? Gibt es kein inneres Korrektiv, das sich bemüht, diese Ebenen in Einklang zu bringen? Ich wünsche diesen Leuten die Klarheit von Kindern und ihre unbezwingbare Fähigkeit, den Mensch hinter Religion und Hautfarbe zu sehen. So wie im Thread von Userin und Ruhrpottkind @_.mothprincess._. Vielen Dank für diese Erinnerung!

Fernab von Rassismus Ich bin in einem Ruhrpott-Rand-Multi-Kulti- Arbeiterviertel groß geworden. Zwischen Sozialhilfeempfängern und fleißigen Gastarbeitern aus Italien, Polen, Albanien, Türkei, Russland und was weiß ich noch alles, wuchsen Hunderte Kinder in dieser Hochhaussiedlung zusammen auf, bildeten Banden und machten einen Haufen Unsinn zusammen. Ich war eins dieser Kinder. Eines Tages saßen wir, eine Gruppe Kinder im Alter von 8-12 zusammen auf einer Wiese in einem der zahlreichen

Innenhöfe. Ein Kind fragte "Wen liebt ihr am meisten?" und es kam direkt aus vielen Mündern "Mama" oder "Papa" oder "meinen Bruder". Mädchen, Özlem, eine türkische Freundin, war still geblieben und zupfte Grashalme. Ich fragte sie, wen SIE denn am meisten liebe. Sie lächelte und sagte "Ich liebe Allah am meisten, denn ohne ihn gäbe es meine Mutter, meinen Vater und meine Schwestern nicht." Mich beeindruckte das so sehr, dass es mich mein ganzes Leben lang begleiten sollte. Und für uns Kinder

waren Allah und Gott tatsächlich einfach dasselbe, da gab es niemals ein Gespräch oder eine Diskussion drüber. Ja, wir Kids waren gläubig. Hielten zusammen wie Pech und Schwefel, teilten unser Essen und erzählten uns gegenseitig von den verschiedenen Festen, die in unseren Familien gefeiert wurden. Was? Kein Weihnachten? Ja, aber Zuckerfest! Es war großartig. Im Gymnasium lernte ich dann die andere Seite des Lebens kennen. Ich galt als "arm" und war unter Elitekindern gelandet. Mobbing wurde

mein Alltag, sozialer Ausschluss, weil ich so uncool mit meinen Klamotten von der Caritas war. Dann auch noch ein Spätzünder, wie peinlich. Dieses Leben ist der Grund, warum ich Rechten Dreck heute HASSE. Ich habe eine Freundin verloren, die abgeschoben wurde. Obwohl alle Familienmitglieder integriert waren. Sie waren einfach greifbar. Es wurden damals Unterschriften gesammelt, ihre Lehrer protestierten mit uns allen. Es nützte nichts. Sie weinte, weil sie die Sprache des Landes, in das sie

nun ziehen müsse, nicht verstand. Ich habe sie nie wieder gesehen. Das ist sehr lange her. Es ist aber immer da. Zum Teufel mit Menschen, die sowas befürworten. Einfach zum Teufel mit euch.

Wer das nicht versteht, hat keine Empathie

Danke für diesen mutigen, ehrlichen und traurigen Thread! Diese Menschen werden viel zu wenig gesehen, die hier angekommen sind, womöglich hier geboren wurden, sich integriert sind, Mitglieder unser Gesellschaft geworden sind, und in ein Land müssen, was nur ein Fleck auf der Landkarte ist! Das kann kein Mensch begreifen und ist einfach Unmenschlich

Wann lernen wir es endlich?

Danke für diese Geschichte, die mir gleichzeitig das Herz wärmt und schwer macht. Wieviel "reicher" war deine Kindheit als die Kindheit vieler dieser Elite Kinder! Ich kann dir nur beipflichten, zum Teufel mit Rassismus, Abschiebung und allem anderen menschenverachtendem Mist.

Gastfreundschaft ist keine Frage des Passes

Ja so ist das im Leben! Man sollte niemals vergessen wer einem die Türen geöffnet hat und wer einem essen auf den Tisch gestellt hat! Das bleue ich meinen Kindern auch ein! Es sind selten die deutschen Familien die ihr Zuhause für einen öffnen

Das!

Das hast Du sehr schön geschrieben. Ich glaube wir haben fast alle, in unserer Kindheit ähnliche Geschichten erlebt. Deine Geschichte hilft, sich daran zu erinnern. Lieben Dank dafür.
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