Springen, sprinten, schikanieren: Sind Bundesjugendspiele organisierte Demütigung?

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Dass die Schulzeit nicht immer ein Quell der Freude ist, dürfte zur Lebensrealität von uns allen gehören. Das Konzept an sich ist ja schon fraglich, denn vermutlich macht nichts weniger Lust darauf, sich Wissen anzueignen, als von außen dazu gezwungen zu werden. Andererseits wollen wir, dass alle unsere Kinder ihren Horizont erweitern. Dass sie die Möglichkeit haben, gemeinsam mit Gleichaltrigen in verschiedene Disziplinen reinzuschnuppern und sich adäquat auf ihr Leben vorbereiten zu können.

Die fortwährende Diskussion, was genau zu dieser Lebensvorbereitung gehören soll, ist richtig und wichtig. Muss es wirklich Gedichtsinterpretation sein? Sollen die Kinder von heute literarische Klassiker kennen? Ist Kurvendiskussion heutzutage tatsächlich relevanter als Präsentationsskills? Und dann das Thema Sport …

Seit 1979 sind die Bundesjugendspiele in Deutschland für die Jahrgangsstufen 1–10 verpflichtend, und damit stellt sich die Frage: Ist das überhaupt noch zeitgemäß? Denn während für die einen Wettkampfsport ein faszinierendes Hobby ist, ist Leichtathletik vor Publikum für die anderen nichts anderes als organisiertes Mobbing. Auf Threads wurde daher folgerichtig sehr kontrovers die Frage diskutiert, was die Bundesjugendspiele von anderen schulischen Prüfungen unterscheidet. Die zugegeben recht triggernd formulierte Frage stammt von User @bad_influence94. Danke für diesen Thread!

Warum sollen Bundesjugendspiele plötzlich schlimm sein? Der Mathe-Streber darf das ganze Jahr glänzen, aber wenn das Kind, das in Mathe kaum hinterherkommt, beim Sprint alle abhängt, ist Leistungsdruck plötzlich böse? Manche Kinder sind akademisch stark, andere sportlich. Beides verdient Anerkennung. Schule sollte nicht nur eine Art von Leistung feiern.

Komischerweise weiß man immer trotzdem, wer schlecht in Englisch und Mathe ist

Im Sportunterricht darf das sportliche Kind das ganze Jahr glänzen - das ist vergleichbar mit dem Mathe-Strebet. Es gibt aber keine Pflicht-Matheolympiade, bei der alle Schület vor den Augen der gesamten Schule vorrechnen müssen. Die ist freiwillig. Also sollten die Bundesjugendspiele genauso freiwillig sein. Q.E.D. - es gibt KEINEN Grund, warum es ausschließlich für Sport einen Pflichtwettbewerb vor der ganzen Schule geben sollte und sonst für kein Fach.

Aber aufrufen, mündliche Abfrage und an der Tafel rechnen geht klar?

Man schickt aber auch kein Kind, das nicht gut in Mathe ist, zwangsweise zur Matheolympiade. Sich im Sport vor Augen führen zu lassen, wie schlecht man ist, soll aber völlig normal sein.

Wisst ihr noch, ob ihr eine Ehrenurkunde hattet?

Ich finde der Vergleich hinkt. Noten im Sportunterricht sind vergleichsweise irrelevant. Mit Noten in Mathematik, Deutsch, Englisch etc. kann man glänzen und diese werden anerkannt. Eine 1 in Sport ist zwar schön aber die meisten Eltern werden die 1 in bspw. Mathe bevorzugen. Daher finde ich, dass die Bundesjugendspiele ihre Daseinsberechtigung haben. Endlich können auch die Sportskanonen, die seien wir mal ehrlich, in den restlichen Fächern meist eher schlechter sind, mal glänzen.

Auch eine Idee

Vielleicht schickt man aber lieber die sportlichen zu den Bundesjugendspielen, die Mathecracks zur Matheoöympiade, die künstlerisch begabten zu Malwettbewerben, die Musischen Kinder zu einem Auftritt und die Kinder, die in Deutsch gut sind zum Buchstabierwettbewerb damit sich jeder mit „seinesgleichen" messen kann. Hab ich mich schon früher immer gefragt. Ansonsten die Teilnahme freistellen

Oder brauchen wir generell einen anderen Sportunterricht?

Ich war nie sportlich. Fand die Bundesjugendspiele blöd. Aber ich habe es jedem sportbegabten Mitschüler gegönnt, er die Ehrenurkunde, ich glänzte in anderen Fächern... Aber jetzt so als Mutter finde ich es schwierig. Mein Sohn (9. Klasse) 800 m Lauf. Beim ersten Mal brauchte er irgendwas über 5 Minuten. Er trainierte jeden 2. Tag, 4 Wochen lang. Beim Lauf für die Note, 3:25 min. Das ist eine 4. ich finde das schon irgendwie übel. Jetzt kommt Hochsprung dran - ich weiß nicht, wie er das üben soll.

Aber wenigstens fällt der Unterricht aus

Ich war fucking unsportlich. Es wird nicht gewertet ob man sich bemüht - und man macht sich lächerlich und fühlt sich schlecht. Öffentlich!!! Meine schlechte Mathe - deutsch - Englisch - whatever Note sieht keiner. DAS sieht jeder. Außerdem ists in absoluter überhitze- meist auf nem Platz in der prallen Sonne. Ist halt auch ungesund

Sportlicher wird durch Bundesjugendspiele sicher niemand

Die waren schon immer scheiße und demütigend. Sport hat man auch das ganze Jahr, da kann der sportliche auch glänzen...das habe ich auch da nicht getan. Und wenn der Vergleich hinkt, wegen der Benotung, wieso ist dann dieses Ereignis einmal im Jahr so relevant? Das macht für mich irgendwie keinen Sinn. Liebste Grüße von der ewigen Teilnehmer Urkunde

Kann man Kinder wirklich vor jedem unangenehmen Gefühl bewahren?

Es geht hier um Freiwilligkeit. Wer möchte, soll an den Spielen teilnehmen. Aber Kinder die wissen, dass sie es nicht können, möchten sich nicht schämen.

Passiert das nicht mehr?

Sportunterricht ist doch auch das ganze Jahr, also kann der Sportliche dort glänzen und der Unsportliche sich blamieren. Wo ist die Analogie zu den Bundesjugendspielen? Bundesjugendspiele in Mathe wären so, als wenn man an der Tafel Aufgaben rechnen müsste, während alle zuschauen.

Kann man verstehen

Versteh ich auch nicht. Glaube, für die allermeisten Kinder ist es gar kein Problem, dass sie halt nunmal keine Ehrenurkunde, sondern nur eine Teilnehmerurkunde bekommen. Meinen geht es jedenfalls sonstwo vorbei. Die sind an dem Tag froh, dass kein Unterricht stattfindet.😅

Mobbing ist und bleibt schrecklich

Wieso nennst du Kinder, die in Mathe gut sind, direkt Streber? Und keine Ahnung man, Sportunterricht als Motivation ohne Noten wäre super. In Mathe scheiße zu sein juckt die Mitschüler auch null. Aber Bundesjugenspiele bei denen gesundheitlich eingeschränkte oder körperliche weniger fitte Kinder bloßgestellt werden waren schon zu meiner Zeit vor 20 Jahren scheiße, und ich bezweifle, dass sich was gebessert hat.
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