Der Vater, der dem Kind alles durchgehen lässt

Moderne Grafik, die einen authentischen Moment beim Bäcker darstellt. Das bunte Gebäck symbolisiert den bewussten Regelbruch im streng durchgeplanten Familienalltag. Ideal für Blogbeiträge über Helikoptereltern, Erziehungsdruck, das ständige Bewerten anderer und ehrliche Anekdoten aus dem Leben mit Kindern.
caftor, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration mit KI

Machen wir uns nichts vor: Das Anstrengendste bei der Erziehung sind nicht die Paw-Patrol-Melodie, nicht die endlosen Diskussionen über Medienzeiten oder die Sorge, ob Gummibärchen den Vitaminbedarf Heranwachsender decken. Es sind die anderen Eltern! Ständig fühlt man sich beobachtet, bewertet und im Zweifelsfall verurteilt.

Ein bisschen ist es, als würde man zum ersten Mal eine Bombe entschärfen, während einem die eigene Mutter, der unsympathische Mathelehrer, die Nachbarin, die immer den Hausmüll kontrolliert, eine Handvoll hungrige Restaurantgäste und ein Rudel Dingos über die Schulter schauen. Sie alle sehen zwei Sekunden, skalieren das Ganze hoch und schon fällt der Hammer. Was für ein läppischer Papa. So eine Helikoptermutter. Wie kann man nur? Kein Wunder, dass das Kind so ist …

Es ist so leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und ganz ehrlich: In kaum einem Lebensbereich ist es bereinigender, andere scheitern zu sehen. Denn als Eltern scheitert man per Definition. Täglich. Immer wieder. Achtung, hot take: Und das ist gut so. Kinder brauchen Vorbilder, die fallen, aufstehen und weitermachen. Sonst könnten sie auch von Robotern erzogen werden. Was sie aber auch brauchen, ist genug Empathie, um anderen Eltern eine helfende Hand zu reichen, anstatt sie vor das Gericht gesellschaftlicher Erwartungen zu stoßen. Genau dies zeigt auch die Diskussion rund um den Post von User @MrLarsX.

@MrLarsX

Eben ein Vater mit kleiner Tochter (so 5–6 Jahre) vor mir beim Bäcker.

Tochter zeigt mit großen Augen auf die Schokocroissants: „Bitte Papa, nur eins!“

Vater streng: „Nein, wir haben zu Hause Aufback-Croissants. Eins reicht.“1/2

@MrLarsX

Tochter zieht die Lippe runter, Augen werden groß und feucht, erstes Schluchzen.

Vater schaut genervt zur Seite, seufzt tief und bestellt dann doch: 3 normale Croissants + 2 Schokocroissants.

Und so lernt die Kleine in 30 Sekunden: Quengeln + Tränen = bekommt was sie will.

Wie siehst du das: Muss man Kindern beibringen, dass sie nicht alles bekommen, oder geht es vor allem um Liebe und Verständnis? 2/2

Lasst uns doch alle ein bisschen netter zueinander sein

Choose your battles. Und ein Hoch auf diejenigen, die noch nie inkonsequent waren. Ich mag Klarheit, Verlässlichkeit. Nichtsdestotrotz widerstrebt es mir zutiefst, diese Situation von außen zu bewerten, ohne die Familie, die Kapazitäten des Vaters zu kennen. Ich mag das nicht.

Konsequenz fängt immer bei einem selbst an

Ich würde mit einem Kind nie mit dem Vorsatz eines klaren Neins in eine Bäckerei gehen. Die Möglichkeit für die Kleine, sich immer ein Teil aussuchen zu dürfen, gibt beiden ein gutes Gefühl und schafft Erinnerungen, die im Kopf bleiben. Für Konsequenz gibt es wichtigere Themen.

Auch eine Möglichkeit

Wenn ich vorhabe den Kindern nichts zu kaufen bleiben sie Zuhause oder eben im Auto, nehme ich sie mit in den Laden brauchen sie nur zu sagen was sie wollen ohne Quenngeln ohne Falsche Tränen, Diskussionen draußen hat es nie gegeben.

Kann man so sehen – muss man aber nicht

Der Vater entwertet damit halt komplett sein Wort. Aber Croissants zuhause haben und dann zum Bäcker gehen um keine Croissants kaufen zu wollen und dann Croissants zu kaufen klingt auch generell nicht so durchdacht.

Transparenz is key

So lange ich mir was gönne, werde ich nicht harte Disziplin von meinem Nachwuchs verlangen. Meine Kinder bekommen nicht immer alles, weil ich nicht reich bin u das wissen sie auch. Aber Kleinigkeiten? Klar. gekauft wird.

Vermutlich auf französisch

In Deutschland erlebe ich das häufig, dass Kinder gerne noch was zusätzlich haben möchten. Keine Ahnung warum Si, erleben wir in Frankreich anders

Vielleicht haben ja auch alle etwas aus der Situation gelernt

Ich hätte das vorher geklärt und ich hätte nicht "nein" gesagt, wenn ein "ja" im Rahmen des möglichen ist. Dennoch ist Konsequenz nicht das Allheilmittel. Kinder brauchen auch das Gefühl sich "durchsetzen" zu können. Ob ich die Tränendrüse belohnt hätte... wahrscheinlich nicht.

Oder ihn kitzelten die verurteilenden Blicke der anderen

Vermutlich ist ihm eingefallen wie schäbig es ist, ihr irgendwas zweitklassiges zum Aufbacken anzudrehen, während er sich das gute, frische Zeug vom Bäcker gönnt.

Fast wie bei Erwachsenen also

Quengeln & Tränen sollten natürlich nicht automatisch zum Ziel führen. Dass ein Kind aber lernt, das seine Emotionen ernst genommen werden, beachtet werden und nicht egal bzw wirkungslos sind, ist gut. Welche Lektion genau das Hirn mitnimmt ist von außen immer schwer...

Zum Mitschreiben

Ehrlich? Ich weiß zu wenig über dieses Kind, diesen Vater, diesen Alltag, um aus 30 Sekunden eine Wahrheit zu machen. Manchmal ist das Wahrhaftigste, kein Urteil zu fällen.

Und das ist gut so

Offensichtlich war der Vater mit seinen eigenen Süß-Gelüsten nicht im Reinen, wenn er gleich 5 Stück gekauft hat. Was die Tochter lernt: das Leben ist kurz, man darf sich auch mal einen kleinen Genuß gönnen.

Ein netter Gedanke

Finde das Verhalten des Vaters menschlich. Nur, weil er bei den Schokohörnchen mal einknickt, bedeutet das ja nicht, dass er bei größeren Dingen nicht auch konsequent sein kann. Für mich ist das tatsächlich auch ein Ausdruck von Liebe. Und das ist es doch, was letztendlich zählt.
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