Durften Kinder früher wirklich den ganzen Tag durch die Nachbarschaft streunen?

Durften Kinder früher wirklich den ganzen Tag durch die Nachbarschaft streunen?
tirlik, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Na, heute schon an früher gedacht? An die vermeintlich gute alte Zeit? Immer wieder stellen Menschen fest, dass früher alles besser war. Die Kindheit war frei und unbeschwert – irgendwie war alles einfach gut und heile Welt. Doch ist dem wirklich immer so gewesen? Oder neigen wir tatsächlich viel mehr dazu, das Vergangene durch eine rosarote Brille zu betrachten und entsprechend zu bewerten? Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so häufig irgendwo in der Mitte.

Gerne blenden wir – gerade in Krisenzeiten – Negatives aus und überhöhen dabei die positiven Erinnerungen an früher. An unsere Jugend und Kindheit, in der die meisten von uns unbestreitbar viele tolle Dinge erlebt haben durften. Doch eben nicht nur. Threads-User @der_migrand hat passend dazu seine Community nach deren Kindheitserinnerungen gefragt: Durftet ihr wirklich den ganzen Tag lang ohne Handy und dergleichen durch die Nachbarschaft streunen? Was heute unglaublich (naiv) klingen mag, war für viele Realität, wie der folgende Beitrag zeigt. Doch nicht alle Userinnen und User können nur von positiven Erlebnissen berichten.

SEI EHRLICH. HABEN ELTERN IHRE KINDER WIRKLICH DEN GANZEN TAG DURCH DIE NACHBARSCHAFT STREUNEN LASSEN, OHNE HANDY UND NUR MIT DEM SATZ:,,KOMM VOR DUNKELHEIT NACH HAUSE"?

Dürfte einigen sehr bekannt vorkommen

Ja. Bei mir und meinen Freunden. Im Sommer, in den Ferien. Tür auf, Klaps auf den Arsch, Tür zu und „18:00 Uhr ist Abendessen. Sei pünktlich.“ was gab es wirklich. Keine Legende. Ich erinnere mich daran, dass wir unglaublich viel Spaß hatten. Da draußen war so vieles, was man entdecken konnte. Man musste sich auch nicht verabreden. Wir haben uns einfach getroffen. Auf der Straße, einfach so. Oder geklingelt. „Hallo, ist XY da?“

Eigentlich brauchte man keine Uhr …

"wenn die straßenlaternen angehen bist du gefälligst daheim"

Logisch, im Wald gab es schließlich keine Laternen

Jepp. Und wir durften nicht weiter von zu Hause weg, als wir die Kirchenglocken hören konnten, damit wir wussten, wie spät es war.

Immerhin ohne Verwechslungsgefahr wie bei "Viertel vor" oder "Dreiviertel"

Wenn die Laternen angehen war eine gängige Zeitangabe 😉

War es tatsächlich so unbeschwert oder kommt es uns in der Rückschau nur so vor?

Genau so war’s. Die Rumtreiberklamotten an, ne Packung Kekse und ne limo eingepackt und ab gings. „Wenn’s dunkel wird kommst du nach Hause!“ Keine Frage mit wem oder wohin oder was macht ihr. Das Dorf hat aufgepasst, irgendwo war immer ne Oma die alles im Blick hatte. Wir waren stundenlang im Wald und am Wasser. Es ist nie was wirklich schlimmes passiert. Es war die beste Kindheit die man haben konnte. Die ersten Jahre meiner Jugend waren auch noch so unbeschwert. ☺️schön war’s 😁

Einer von mehreren Beweisen, dass eben nicht alles besser und unbeschwerter war

Meine nicht . Ich musste sagen wohin ich gehe und mir wurde gesagt, ob das der richtige Umgang ist .( Nur Kinder mit mindestens Professor , Architekt oder Arzt als Vater waren genehmigt) Die Mutter meiner Freundin bestätigte das ich da bin und im schlimmsten Fall kam meine Mutter um mich abzuholen 🙄 Schon vor über 40 Jahren gab es kontollsüchtige , narzisstische Helikoptermütter .

Ja, auch das gab es – und zwar leider häufiger, als man heute denken mag

Zum Teil und war oft stumpfe Vernachlässigung. Bei machen gab es als Kompendion Schläge, wenn man abends nicht pünktlich da war. Tolle Zeiten. Redet sie euch schön.

Der Junge muss an die frische Luft

Nach den Hausaufgaben gab's den Spruch meiner Mutter: "Geh mit Gott, aber geh." 😂😂

Noch heute direkt Gänsehaut bei diesem Satz

Ja, das haben unsere Eltern so gemacht. Erstmal alle Freunde abklappern, dann die Bolzplätze und Geheimbuden absuchen. Sobald die Strassenlampen angingen ist jeder ab nach hause geflitzt. Es sei denn, ein Kumpel kam an und es fiel der Satz "deine Mama sucht dich überall" 🤣 dann hattest du definitiv Ärger am Hals

Heute undenkbar (und das ist wohl auch ganz gut so …)

Ja. Meine Eltern wussten z. B. in den Sommerferien nicht, wo ich zwischen ca 10 Uhr und 18 Uhr war. Wir wohnten in einer Siedlung am Stadtrand, mit Wald und einer Bundesstraße. Natürlich gab es Regeln (nicht zu Fremden, nichts auf der Straße oder auf Bahngleisen, keine wilden Tiere anfassen etc). Wir hatten Uhren und den Kirchturm (das Schlagwerk) und das funktionierte.

Das mit dem seltenen Urlaub können viele bestätigen

Ja, erst Schule, dann etwas essen und Hausaufgaben. Das war die Grundvoraussetzung. Ich müsste um 18.00 Uhr zu Hause sein. Wir waren immer zu mehreren unterwegs. Meine Sommer habe ich im Freibad verbracht. Urlaub war selten, aber Freibad war sowieso viel besser 😄

Telefon … WAS?

Ich hatte immer noch 20 Pfennig dabei, falls ich mal anrufen musste von ner Telefonzelle.

Aber war das seinerzeit wirklich (für alle) besser?

Ja. Sommerferien bei uns nochmal anders wild - wir waren aufm Dorf und haben unsere Eltern 3 Wochen lang nur zum Frühstück und Abendessen gesehen.
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