Die Nacht, in der er sein wahres Gesicht zeigte

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Fluchtreflex, Angst und im Stich gelassen werden: Auf der linken Seite steht eine junge Frau, deren Gesicht und Haare in Schwarz-Weiß gehalten sind. Sie fasst sich mit weit aufgerissenem Mund völlig fassungslos und panisch die Hände an den Kopf. Sie trägt ein leuchtend pinkfarbenes T-Shirt, das farblich extrem stark hervortritt. Im Hintergrund auf der rechten Seite sieht man einen Mann in Schwarz-Weiß, der hastig davonrennt. Er trägt ein dunkelgrünes Oberteil und eine knallorangefarbene Hose. Weiße Blitz- und Fragezeichen-Icons um den Kopf der Frau sowie das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert den absoluten Schockmoment und die absurde Situation, wenn der Partner in einer unangenehmen Lage einfach feige das Weite sucht und seine Freundin völlig perplex alleine zurücklässt.
deagreez, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Wann ist ein Mann ein Mann, fragt sich heute der Beitrag eines anonymen Reddit-Users und erzählt uns eine Geschichte, die uns die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Aber bevor wir euch das Erlebnis weitergeben, haben wir noch eine Frage: Muss ein Mann eigentlich immer mutig sein und seine Partnerin verteidigen? Oder darf er auch zugeben, wenn er Angst hat? Eigentlich sollte doch das Männerbild heutzutage so reflektiert sein, dass Männer sich nicht mehr per Geschlecht auf die Brust trommeln müssen und ihr „Weibchen“ beschützen sollen, oder? Aber wie geht man(n) damit um, wenn man sich unwohl fühlt oder gar Angst hat, ohne vor der Partnerin schwach zu wirken?

Die Antwort ist wahrscheinlich dieselbe wie auf fast alles: mit Kommunikation. Denn welche Frau würde ihren Partner nicht ernstnehmen oder auslachen, wenn dieser offen und ehrlich über seine Gefühle spricht! So wäre es vermutlich auch in der nun folgenden Geschichte geschehen, wenn sich der User nicht für etwas ganz anderes entschieden hätte.

anonym

Das folgende hat mich auch SEHR lange noch verfolgt. Extreme Scham und das Gefühl von fehlender Männlichkeit.
Die Situation ergab sich vor fast 3 Jahres mit meiner Ex-Freundin auf dem Nachhauseweg nach einer Feier bei Freunden von ihr – Großstadt um 01:30 Nachts.1/8

anonym

Wir wollten uns das Taxi sparen, da der Weg zu ihr nicht allzu weit weg war. Gesagt getan. Ich muss sagen, dass ich ein dermaßen schlechtes Gefühl bei der Sache hatte, aber nicht richtig mit der Sprache rausgerückt bin. Wollte nicht, inebesondere vor den Freunden – den „Feigling“ raushängen lasen und darum beten ein Taxi zu rufen. Sie allerdings, hat diese mögliche Gefahr zu keinem Zeitpunkt gesehen. Für meine Ex war es vom Gefühl eher wie ein entspannter Spaziergang.2/8

anonym

Jedenfalls sind wir dann los und es wären 15-20 Minuten an Weg gewesen. Ich war währenddessen angespannt, habe mir das aber nicht anmerken lassen und normal gequatscht, sogar noch gesagt, wie schön ruhig alles wäre und wir theoretisch auf offener Straße „rumpimpern“ könnten…
In einer Straße jedenfalls von weitem stehen sehen – eine Gruppe junger Typen, 4 Leute warens. Mir kam noch in den Sinn einfach zurückzugehen, hab dann aber die Pobacken zusammengekniffen und sind, weil wir da halt lang mussten, auf diese Gruppe zu. Wir sind auf dem gegenüberliegendem Gehweg gelaufen.3/8

anonym

Sie sagte noch, halb Spaß und halb ernst, sowas wie „hoffentlich machen die uns jetzt keinen Stress“.
Paar Meter vor der Gruppe entfernt dann ein Ruf „EY, Bruder, was ne hübsche“ und „ist das dein Freund?“, an meine Freundin gerichtet.
Wir gehen weiter und mir steht der Herzschlag im Hals und dachte ich kipp um. Mir ging alles mögliche durch den Kopf und dachte ich muss jetzt kämpfen, was ich noch nie gemacht habe.4/8

anonym

Meine Ex wollte dann einfach weiter gehen, sah aber wie die langsam über die Straßenseite zu uns gekommen sind. Und ich? Bin rückwärts los gerannt, einfach losgerannt. Fluchtinstinkt. Freundin stehen lassen und weg. Von Angst getrieben und nach den ersten 30sekunden setzte sich Scham ein, den habe ich noch nie erlebt. Ich hatte überlegt noch zurückzulaufen, aber mein Kopf spinnte sich Szenarien aus und war generell einfach Matsche. Bin dann zur nächsten Haltestelle gelaufen, an der auch Taxis standen und ab nach Hause.5/8

anonym

Ich habs nicht geschafft sie anzurufen vor extremsten Schamgefühl. Handy ausgemacht und mich vor dem PC berieseln lassen. Ihr könnte euch denken, wenn man seine Freundin stehen lässt weil die Angst den Körper übernimmt, dann fühlt man sich nicht mehr wie ein Mann. Man stellt vieles zur Frage, ob und wie jemand wie ich überhaupt eine Freundin haben sollte etc.6/8

anonym

Am nächsten Morgen dann Handy an – Nachricht von ihr in der Vorschau sowie entgangene Anrufe. Erst mal erleichtert, aber ich war mir ja schon zu 99% sicher, was mich erwarten würde.
Sie war extrem enttäuscht. Und das war ich von mir selbst auch. Sie könne verstehen, dass man Angst bekommt, aber ich habe nicht mal versucht sie „mitzunehmen“, sondern einfach ausgesetzt und danach kein Versuch unternommen, herauszufinden wie es ihr geht.7/8

anonym

Die Typen hätten ihr nichts getan, sie waren überrascht über meine Reaktion gewesen, hätten gelacht und gefragt wie sie mit so einem „Mann“ draußen sein könnte etc.
Das alles war jedenfalls der Grund für mich einen Führerschein zu machen, bin auch schon etwas älter. Sowas soll nie wieder passieren und ich besorge mir jetzt ein Auto.
Ganz ehrlich, es gibt bei Männern halt Unterschiede im Bezug aufs Gemüt und ja, auch auf Aggressives/Dominantes Verhalten. Aber ich bin hier wohl am unteren Ende der Nahrungskette – Fluchttier.
Hattet ihr schon mal was ähnlich und wie geht ihr damit um?8/8

Reaktionen und Kommentare:

Huiui, das müssen wir erst mal sacken lassen! Also um das so neutral wie möglich zu formulieren: Wir hoffen, sie hat dieses Ereignis zum Anlass genommen und intensiv über die Beziehung nachgedacht … Ähnlich entsetzt reagieren übrigens auch durch die Bank alle User*innen in den Kommentaren.

Da ist viel Wahres dran …

ObiWanShinobi777

Boah, Scheiße man… ich habe mich sogar beim Lesen geschämt

Das Problem scheint tiefer zu liegen

-MRVNVC-

Ein unwohles Gefühl oder sogar Angst in son einer Situation zu haben ist völlig in Ordnung.

Aber Freundin alleine lassen und sich nicht Mal drum bemühen zu schauen wie es ihr geht ist wirklich krass.

Das hat auch nichts mit Männlichkeit zu tun, sondern ist menschlich eher schwierig.

Das einzig Positive an der ganzen Geschichte …

Forsaken_Pattern7797

Sieh es mal so, eventuell hast du die Situation entschärft weil du dich so lächerlich gemacht hast. Am ende ist es gut ausgegangen. Dennoch schwach angefangen und stark nachgelassen.

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