
Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder … Ach, wem machen wir was vor? Deswegen schreiben Manuela und Isumi hier jede Woche abwechselnd über die heranwachsenden Herausforderungen – ihre Kinder. Begleitet uns durch ein Leben zwischen Schuhebinden, Zahnputzkampf und Doktorspielen.
Diese Woche kam eine E-Mail von der Schule meines großen Sohnes. Wir Eltern sollen uns keine Sorge in Bezug auf die Hitze machen. Es gäbe zwar kein Hitzefrei (warum auch immer), aber die Kinder seien selten länger als eine Doppelstunde in besonders hitzebelasteten Räumen.
Rumms. Vielleicht sind es die Temperaturen, vielleicht aber auch mein von Gebirgen an Mental Load überstrapaziertes Gemüt. Oder eben die Tatsache, dass ich tagein tagaus mittelmäßige Texte lese und Bullshit schneller wahrnehme als ein ausgehungerter Hai Blut von einem einbeinigen Tauchanfänger. Jedenfalls, ich gebe es so, hat mich die argumentative Platzpatrone „ja, okay, manchmal länger als anderthalb Stunden in einem zugegeben komplett überhitzten Raum“ übertrieben auf die Palme gebracht. Deutlich mehr als genannten Sohn, den sowohl die Hitze als auch lächerliche E-Mails ungefähr so interessieren wie ein Schwein der neue Roman von irgendeinem C-Promi. Warum auch? Mein Sohn hat ein Eis und ein lustiges Taschenbuch und chillt sein Leben freiwillig im wärmsten Raum des Hauses.
Diese Klarheit möchte ich auch haben. Stattdessen rege ich mich über E-Mails auf oder wische Krümel vom Boden in dem Wissen, dass sie zehn Minuten später wieder genau dort sein werden. Ich tue Dinge, die keinen Sinn ergeben, rege mich erst über den fehlenden Sinn auf, danach über mich selbst. Und letzten Endes bleibt alles beim Alten. Die E-Mail ist trotzdem da und die Krümel feiern Party. In der Zwischenzeit hat ein Sohn das Eis gegessen, das Buch gelesen, das Haus verwüstet und seine Geschwister auf die Palme gebracht. Sein Produktivitätslevel schlägt jeden Managementkurs.
Das will ich auch können. Chillen. Das Wesentliche sehen und das Unwesentliche ignorieren. Auf Meinungen pfeifen. Und mehr Eis! Und erst, wenn ich das gegessen habe, bleibt mir Zeit für die folgenden Anekdoten aus dem Familienleben.
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