„Ich verstehe die Mütter nicht, Vollzeit arbeiten geht wunderbar“

Eine junge Frau mit Brille blickt nachdenklich nach oben, während sie von zahlreichen bunten Post-its umgeben ist. Die Pop-Art-Illustration symbolisiert den Mental Load, das Zeitmanagement und die Herausforderung, sich im Alltag perfekt zu organisieren.
nenetus, Adobe Stock / Twitterperlen mit KI

Kinder großziehen ist eine Lebensaufgabe. Und ich bin ehrlich, manchmal ist es alles einfach ein bisschen viel! Denn neben den Kindern gibt es ja noch den Haushalt, die Arbeit, das soziale Leben, die eigene Selbstverwirklichung … soll ich weitermachen? All diese Dinge unter einen Hut zu bekommen, braucht neben viel Kraft, unendlicher Geduld und großer Leidensfähigkeit vor allem eines: helfende Großeltern. Denn wer nicht in der Nähe seiner Eltern wohnt, um die Kinder nur mal für einen Nachmittag kurz vorbeizubringen oder mal spontan zum Mittagessen eingeladen zu werden, der weiß, wovon ich rede.

Doch wie wir alle wissen, gibt es niemanden, der mehr ver- und beurteilt als Eltern untereinander. So auch in der heutigen Geschichte von Threads-Userin @unzumutterbar. Die erzählt von einer „Beate“, die sich ihrer Privilegien überhaupt nicht bewusst ist und sich wundert, warum andere Mütter das nicht hinbekommen. Und die Community? Die hat eine eindeutige Meinung dazu, aber lest doch selbst!

Beate hat zwei Kinder. Sie geht Vollzeit erwerbsarbeiten. Ihr Mann auch. Beate sagt "ich verstehe die Mütter nicht, Vollzeit arbeiten geht wunderbar, man muss sich eben gut organisieren." Was Beate hat: - Jeweils zwei Großeltern, die die Kinder nachmittags von Montag bis Donnerstag abholen - an 3/5 Tagen Home Office - eine Reinigungskraft - Einkäufe werden bis zur Haustür geliefert - jede zweite Wochenende schlafen die Kinder ein, bis zwei Nächte bei den Großeltern - gesunde Kinder

Check your privilege

Was Beate nicht hat: - Ein Wörterbuch um das Wort „Privilegien" nachzuschlagen.

Der Preis ist hoch

Ich hab's mit einem Kind hinbekommen Vollzeit zu studieren und jeden Tag ca. 5 Stunden zur Uni unterwegs zu sein - Semesterferien gab's nicht, weil duales Studium, also 40h/Woche, mein Mann genauso. Zusätzlich pflegebedürftige Schwiegereltern. Meine Eltern haben geholfen, aber mein Vater arbeitet selbst Vollzeit und meine Mama ist schwer krank. Und was soll ich sagen? Es war kacke. Es war einfach kacke. Anstrengend. Energieraubend. Es hat funktioniert, aber zu welchem Preis? Gesundheit, Zeit,

Es ist einfach viel

Ich habe 95% homeoffice. Und dennoch ist es die Hölle. Meine Frau auf 60% damit alles irgendwie organisatorisch funktioniert und sie vllt auch mal ein paar minuten zum durchatmen hat. 2 zwerge im Abstand von 13 Monaten. Großmitter nur äußerst selten abrufbar, ab und zu noch mein Bruder. Andere Großeltern 470km entfernt. Ich fühle deinen post so hart.

Anders geht es auch nicht

Ich habe auch immer gestaunt, wie meine Kollegen das machen, bis ich mitbekommen habe, dass Oma und Opa hier, dort und da einspringen. Ich gönne denen das ja auch. Aber es ist halt was anderes, wenn du nach drei Jahren einfach mal als Pärchen weggehen willst und 40-60€ Babysitterkosten on top kommen und halt einer nicht vollzeit arbeiten kann. Wir hatten auch noch ungefähr 750€ Kita im Monat ( mit Geschwisterrabatt). • Von der Betreuung in der Grundschulzeit will ich nicht mal anfangen.

Wer ist schlimmer?

Oh ja, die Beates dieser Welt. Ich wusste oft nicht, wer schlimmer war, die Kinderlosen, die glauben, Kinder funktionieren wie ein Uhrwerk und der Rest der Welt auch und man muss nur wollen... Oder andere Eltern, die im Gegensatz zu uns eine große Familie in der unmittelbaren Nähe haben, sodass immer jemand einspringen kann. Und deren größtes Problem ist, dass Omas und Großtanten vielleicht eifersüchtig reagieren, wenn die Kinder häufiger bei anderen Verwandten als bei ihnen sind?

Hier geht es nicht ums Gewinnen

Vor allem ist völlig wurscht, warum das bei Beate so klappt und sie das super findet. Ich hätte auch einen Haufen Punkte auf die Liste und arbeite trotzdem nur 50%. Weil es für MICH und meine Familie passt. Ich hasse diesen Wettbewerb, egal bei was.

Klingt nach einem strammen Plan

Ja so ist es bei den meisten . Aber nicht bei allen. Meine Nachbarn zb beide arbeiten 35 Std haben 2 Kinder. Sie fängt um 6 Uhr morgens an er kümmert sich um die Kids u bringt die weg. Sie ist um 14.30 wieder zuhause die Kids kommen um 15.30 von kiga u Schule. Nach der Arbeit kauft sie ein und kocht er kümmert sich um die Wäsche den Garten die autos .Zum putzen kommt alle 14 Tage nee putzfrau .Freitag nachmittags wird geputzt. Jeder kümmert sich um 1kind dh einkaufen schule arzttermine

Es kann einen echt kaputt machen

Jo. Ich war Vollzeit erwerbsarbeit mit zwei kleinen Kinder und nur minimaler Unterstützung. Geht alles! Nein! Zusammenbruch, BurnOut, Erwerbsunfähigkeit, Berentung. Ich habe den Job als „Supermom" und „Karrierefrau" mit meiner Gesundheit bezahlt. Jetzt alleinerziehend mit Teenagern kommt langsam Besserung. Auf echte Heilung kann ich nicht mehr hoffen.

Wenn es nur so einfach wäre …

Ich arbeite Teilzeit im Homeoffice und ich komme nicht mehr klar. Null Freizeit, wenn mein Partner zuhause ist, arbeite ich, den Rest des Tages versuche ich, Arbeit, Haushalt und Kleinkind unter einen Hut zu bringen. Ich weiß nicht mehr weiter und dann sagenb mir Leute, wie leicht das doch sei. Arbeite halt, wenn das Kind schläft oder allein spielt. NUR DASS ER HALT NICHT ALLEIN SPIELT ODER ALLEIN SCHLÄFT

Kümmert euch doch um eure eigenen Probleme …

Das kenne ich. Ich alleinerziehend, VZ Job, ständig am Limit. Andere mit Großeltern, Geschwistern, jedes Wochenende frei, haben sich über mich das Maul zerrissen... das was ich da gestemmt habe, hätten die nicht hinbekommen.

Teamwork makes the Dream work

- Mann 40 h/Woche - ich 30 h/Woche (plus Überstunden, die ich in den Ferien abbaue, plus Arbeitszeit teils bis 20 Uhr) - 2 Kinder (beide plus wir Erwachsenen sehr wahrscheinlich neurodivergent, noch nicht alle diagnostiziert aber ziemlich sicher) - Keine weitere Kinderbetreuung außer Hort/KiTa vorhanden Warum es "so klappt"? Mein Mann ist meist im Homeoffice. Super Chef, der viel Verständnis hat und einen Job, wo er sehr flexibel arbeiten kann. Mein Chef ebenfalls super familienfreundlich

Ist das nicht von Fall zu Fall unterschiedlich?

Ich stimme dir sonst in vielen Punkte zu, aber bis auf das gesunde Kind, hatte ich keine der genannten Annehmlichkeiten und unser Sohn war seit er 1 war von 6:45 - 15:30 in der Krippe/Kindergarten. Da mein Mann früh anfängt zu arbeiten, musste unser Sohn nicht bis 17 Uhr in der Kita bleiben. Ja, das lässt sich organisieren.
NEWSLETTER

Relevantes und Unterhaltsames rund um das Thema Gesundheit – direkt per Mail!

SCHLIESSEN
Artikel Teilen