
Es gibt diese Momente im Leben, in denen man sich hinsetzt und gnadenlos Bilanz zieht. Zugegeben, es sind vielleicht nicht die schönsten Momente, aber es hat etwas zutiefst Reinigendes, die Karten ungeschönt auf den Tisch zu legen. Man hört auf, vor sich selbst und allen anderen etwas darzustellen, was man in Wahrheit vielleicht gar nicht ist. Rock bottom.
Es ist das Ende eines Lebensabschnitts und damit automatisch der erste Schritt in einen neuen. Ein Zugeständnis an das eigene Selbst, mit all den Fehlern und Schwächen, die man so gerne verbirgt. Ein Narr, wer nicht versteht, wie beängstigend dieser Moment ist und wie viel Mut er erfordert.
Die Bilanz, die ein Reddit-User in der heutigen Beichte zieht, ist vielleicht nicht super relatable. Aber in seiner Menschlichkeit so berührend, dass wir sie gerne mit euch teilen möchten. Der Autor schickt vorweg, dass er nach Mitleid strebt oder sich „Gunstbezeugungen“ erhofft. Er „habe NICHT vor, [s]einem Dasein ein Ende zu setzen oder eine ähnliche Dummheit zu begehen“. Er möchte einfach nur seinen Frust teilen. Ein Gefühl, das wir alle kennen.
(Zugunsten der Lesbarkeit haben wir uns entschieden, den Originaltext gekürzt wiederzugeben. Die vollständige Geschichte könnt ihr auf Reddit nachlesen.)
Schließlich starb sie und meine Mutter machte mir das Angebot, bei ihr und ihrem Mann das Obergeschoss zu beziehen. Ich nahm an und das Haus, von dem ich dachte, es würde einmal mein Erbe sein wurde verkauft. Sie nahm das Geld um seines abzubezahlen und alles schien in bester Ordnung.
— 6/10
Das Problem ist folgendes: Der Mann meiner Mutter hat einen leiblichen Sohn, sprich er würde einmal alles erben. Das Geld meiner Mutter liegt auf einem gemeinsamen Konto, sprich rein rechtlich hätte er auch Ansprüche auf einen Teil davon, obwohl es sich praktisch ausschließlich um das Geld meiner Mutter handelt. […]
— 8/10
Um eines grundliegend klarzustellen: mir ist klar, dass alles deren Besitz ist und sie damit tun können, was sie wollen. Ich bin mir bewusst, dass ich selbst beizeiten hätte Vorsorge für mein Leben hätte treffen müssen und mich nicht in Abhängigkeit von anderen begeben. Was mich frustet ist Folgendes: der Mann meiner Mutter hat sich selbstständig gemacht und brauchte zwischenzeitlich Geld um Dinge zwischenzufinanzieren. […]
— 9/10
[…] Ich lieh ihm das Geld und sah es nie wieder. Plötzlich hieß es, dass ich dankbar sein solle hier wohnen zu dürfen und es von daher selbstverständlich sei, dass das Geld mit etwaigen Unkosten verrechnet würde.
Ich denke, ihr versteht langsam, warum ich es am Anfang als meinen größten Fehler bezeichnet hatte, mich immer rechtschaffen verhalten zu haben.
— 10/10
Puh, es ist eine bittere Abrechnung mit sich selbst, der Familie und den Widrigkeiten des Lebens, der wir hier beiwohnen. Seine eigenen Entscheidungen zugunsten anderer wurden ihm zum Verhängnis. Kein Wunder, dass Verzweiflung und Frust aus den Worten des Users sprechen. Und doch empfindet man zwangsläufig Anerkennung für seine reflektierte Beobachtung und die Stärke, von der sie zeugt.
Wir wünschen dem User nur das Beste – und die Kraft, sich aus dem Tal zu manövrieren, ohne seine eigenen Prinzipien aufzugeben!
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