
Die Erwartungen, mit denen man in die Elternschaft startet, sind riesig! Man hat all diese Bilder aus seiner eigenen Kindheit, die man mit sich herumschleppt, gemischt mit Erwartungen, die einem das soziale Umfeld auflädt. Und dann kommt plötzlich dieses Kind und will sich so gar nicht an diese Vorgaben halten und macht einfach sein eigenes Ding. Frech! Natürlich ging es auch mir so, und so kam es, dass ich in der Vorbereitung auf die Elternschaft einfach nur das gehört habe, was ich hören wollte. Denn alle haben gesagt, wie kräfteraubend und manchmal auch frustrierend es sein kann. Doch irgendwie habe ich nur die glücklichen Momente und die schönen Dinge sehen wollen. Ob das ein Art Schutzmechanismus der Natur ist, damit die Menschheit nicht irgendwann ausstirbt? Vermutlich schon! Man klammert sich einfach an den Glauben, dass es leichter wird, sobald die Kleinen größer werden.
Die heutige Geschichte von Reddit fragt sich allerdings, was denn eigentlich passiert, wenn genau das nicht eintritt? Wenn die Kinder älter werden, sich entwickeln, gesund und glücklich sind und man trotzdem merkt, dass der Alltag mit ihnen einen nicht ruhiger, sondern erschöpfter macht als erwartet. Die ganze Geschichte und ob wir eine Lösung dafür gefunden haben lest ihr wie immer am besten selbst.
Ich muss das einfach mal irgendwo hinschreiben, weil ich es im echten Leben wahrscheinlich kaum jemandem so sagen könnte.Mir ist diese Woche irgendwie plötzlich klar geworden, dass ich mich als Elternteil massiv überschätzt habe. Ich habe zwei Kinder, 5,5 und 2,5 Jahre. Beide sind gesund, glücklich und tolle, normale Kinder. Ich liebe sie. Ich bereue nicht, dass es sie gibt. Aber ich bereue gerade ehrlich gesagt, dass ich dachte, ich könnte dieses Leben gut ab. Denn ich kann es nicht.Ich dachte immer, es wird irgendwann leichter. Dass die Babyzeit schlimm ist, dann wird es besser, wenn sie laufen und reden können, dann nochmal besser, wenn sie in den Kindergarten kommen, und mit fünf oder sechs hat man langsam wieder sowas wie ein eigenes Leben. — 1/6
Aber ich empfinde es überhaupt nicht so, es wird einfach nicht besser. Ich zähle an den meisten Tagen die Stunden, bis endlich beide im Bett liegen. Ich bin teilweise morgens eine Stunde nach dem Aufstehen schon komplett fertig und habe gleichzeitig noch den ganzen Tag vor mir. Und dann geht es los: „Zieh dich an.“ „Zähne putzen.“ „Komm jetzt.“ „Nein, nicht anfassen.“ „Hör auf zu schreien.“ „Wir müssen los.“ „Nein, du kannst jetzt nicht noch fünf Minuten spielen.“ Und jede einzelne Kleinigkeit kann sich zu einem Kampf entwickeln. Ich hasse es und ich kann das alles nicht mehr, ich habe keine Kraft mehr. — 2/6
Ich merke, wie meine Geduld immer dünner wird. Wenn mir jemand am Rockzipfel hängt, während gleichzeitig das andere Kind schreit und ich einfach nur fünf Minuten meine Ruhe haben möchte, bin ich innerlich teilweise komplett am Limit. Und dann denke ich: Das kann doch nicht ernsthaft mein Leben für die nächsten Jahre sein. — 4/6
Natürlich weiß ich, dass 2,5 noch klein ist. Aber mein großes Kind ist 5,5. Und ich hatte wirklich gedacht, dass es sich bis jetzt anders anfühlen würde. Vielleicht bin ich einfach nicht für Elternschaft gemacht. Und das ist eine ziemlich beschissene Erkenntnis, nachdem man bereits zwei Kinder hat. — 5/6
Ich suche gerade auch gar nicht unbedingt nach Beruhigung. Ich möchte tatsächlich wissen, ob es Menschen gibt, denen es genauso ging. Menschen, die ihre Kinder lieben, aber das Elternsein selbst einfach nicht mögen.
Wurde es bei euch wirklich besser, als die Kinder älter wurden? Oder habt ihr irgendwann akzeptiert: Ich liebe meine Kinder, aber ich werde wahrscheinlich nie jemand sein, der das tägliche Familienleben besonders genießt? — 6/6
Reaktionen & Kommentare
Tja, das kommt uns Eltern doch irgendwie bekannt vor, oder? Wer sich noch nie vorgestellt hat, wie ein Leben ohne Kinder ausgesehen hätte, der werfe den ersten Legostein! Ähnlich sehen es auch die meisten Kommentare aus der Community.
Klassischer Burnout-Fall?
Scheint ein verbreitetes Problem zu sein
…hallo hier dasselbe: Zweckgemeinschaft. Ich bin am „Roboten“. Ich empfinde kaum mehr Freude weil ich nun mit 40 einfach warte bis „es“ vorbei geht. So wie ein Soldat an der Front. Jeden Tag nur arbeiten und überleben. Es kostet so viel Energie alles. Mir ist auch die Gesellschaftsfähigkeit teilweise abhanden gekommen. Gespräche führen, lustig sein, das ist alles schwierig wenn der Alltag nur grau ist. Man funktioniert nur. Habe auch schon Bücher gelesen über Psychologie um dahinter zu kommen wie man da rauskommen kann. Ich weiß es auch nicht. Vielleicht wird das Leben an der Front ja irgendwann wieder schön. Nur habe ich Schwierigkeiten zu akzeptieren dass ich dann vielleicht alt bin (an die 50). Tja.
Alles nur eine Phase?
Fühle mich genauso und zwar eigentlich schon seit kurz nach der Geburt. Dachte damals noch, dass man sich irgendwie einlebt, aber es ist einfsch sau anstrengned. Dazu kommt, dass die damals tolle Ehe mit meiner Frau quasi zur Zweckgemeinschaft geworden ist. Geht nur noch darum wer wann was mit dem Kind macht. Tja, so ist es jetzt. Mal sehen, wie das Leben in 15 Jahren+ wird, wenn das Kind aus dem Haus ist.
Eine ungleiche Verteilung
Gibt es vielleicht weitere Bezugspersonen, die mehr Betreuung übernehmen können? Klingt für mich auch einfach danach, dass zu viel Betreuungsverpflichtung an dir hängt. Wenn es einen weiteren Elternteil gibt, dann sollte dieser Mal eine Zeit lang mehr Betreuung übernehmen. Natürlich geht das finanziell nicht immer einfach, aber ich würde es eher versuchen als komplett auszubrennen.
Und es wird doch besser!
Ich kenne das Gefühl der Hilflosigkeit und keine Rückzugsmöglichkeit zu haben. Aber ich sag dir, es wird besser. Meine sind jetzt 5 und knapp 8 und sie machen so viel schon alleine. Sie werden immer selbständiger. Hättest du mich vor 6 Monaten gefragt, hätte ich alles von dir unterschrieben, aber plötzlich ist es leichter geworden und die Kinder selbständiger. Halte durch und fühl dich gedrückt!!!!
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Schaffe dir Entlastung (Betreuung oder zur Not Fernseher). Mache abends noch eine Kleinigkeit für dich, am besten was kreatives oder Sport. Und Schlaf wenn möglich mehr. Dadurch geht es mir von Tag zu Tag etwas besser.
Was ist mit deinem Partner? Redet offen darüber und teilt die Aufgaben und Verantwortlichkeiten (zeitweise) anders auf. Du musst gerade wirklich einen Gang runterschalten.