Wenn der Onkel einfach nicht sterben will

Nichts zerstört den Familienfrieden so zuverlässig wie ein anstehendes Erbe – vor allem dann, wenn der Onkel, um dessen Nachlass bereits erbittert gekämpft wird, eigentlich noch am Leben ist.

Ich wurde mal gefragt, wie das Verhältnis zu meiner Familie sei. Als ich „gut“ antwortete, erwiderte mein Gegenüber: „Ach, dann habt ihr wohl noch nicht geerbt, oder?“ Ich fand das damals eine ziemlich aus der Luft gegriffene Vermutung. Heute, nachdem die Generation meiner Großeltern gestorben ist, verstehe ich, was er damals meinte. Es wurde erbittert um jeden Wertgegenstand gekämpft, wobei vollkommen nebensächlich war, ob dieser von tatsächlichem Wert oder rein ideellem Wert war. Wieso ist das eigentlich so? Niemand musste vor dem Erbe am Hungertuch nagen, allen ging es gut. Und nur weil es plötzlich eine Kiste Gold ohne Besitzer gibt, weckt das die urzeitlichen Instinkte in uns? Eigentlich erschreckend, was das über uns als Menschen aussagt, oder?

Auch in der heutigen Geschichte geht es um ein (potentielles) Erbe. Einziges Problemchen: der Onkel, von dem geerbt wird, ist einfach immer noch am Leben. Ihr seht, es tun sich moralische Abgründe auf, die ich euch erstmal ganz ohne Bewertung erzählen will:

KevitoMG

Mein einziger Onkel mütterlicherseits hat keinerlei Familie (mehr) außer meiner Mutter. Er wohnt auf einem großen Grundstück mit Einfamilienhaus, dass irgendwo zwischen 400.000 und 500.000€ wert sein dürfte, hat 80.000€ auf seinem Girokonto und zwei Lebensversicherungen.1/4

Das klingt erstmal nach einer Menge Geld, mit der sich der eine oder andere Wunsch erfüllen lassen würde. Doch wer käme eigentlich als Erbe in Frage? Schauen wir mal nach:

KevitoMG

Wenn er mal stirbt geht dies all an meine Mutter, die aber selbst Eigentum hat und daher schon angekündigt hat, dass im Endeffekt alles an mich geht. Ich würde die Immobilie veräußern und könnte mir vermutlich auf einen Schlag leisten bspw. nur noch Teilzeit zu arbeiten.2/4

Wie großzügig von der Mutter! Hoffentlich verdirbt es nicht ihren Charakter, wenn sie diese Summe eines Tages auf ihrem Konto findet. Aber wie ist eigentlich das Verhältnis zum Onkel, und geht es ihm gut?

KevitoMG

Ich mag meinen Onkel grundsätzlich, habe aber bis auf die Weihnachtstage quasi keinen Kontakt zu ihm, wünsche ihm natürlich trotzdem noch ein langes und erfülltes Leben, allein weil ich auch nicht will, dass meine Mutter ihre letzte Familie verliert. Trotzdem gibt es einen Teil von mir, der auf den Tag seines Ablebens wartet, weil dies für mich/uns einfach eine Lebensverändernde Summe wäre.3/4

Was passiert eigentlich, wenn man so was denkt? Tut sich da die Hölle auf, trifft einen der Blitz oder passiert einfach nichts und man gesellt sich einfach zu den anderen reichen, empathielosen Erben?

KevitoMG

Da meine Eltern mir schon mein Elternhaus überschrieben habe, brauch ich kein Geld für Immobilien oder Eigentum beiseite legen und könnte einfach davon „leben“. Bin selbst oft schockiert über diese „Gier“ im Hinterkopf, da ich schon sagen würde, solche Gedanken machen einen zum schlechten Menschen, aber ich habe eben tatsächlich keinerlei wirkliches Verhältnis zu ihm.4/4

Fazit & Kommentare

„Geld verdirbt den Charakter …“ heißt das Sprichwort, und in diesem Fall finde ich, trifft das erstaunlich gut zu. Es bleibt zu hoffen, dass der Onkel noch ein langes erfülltes Leben hat. Was den jungen Mann angeht, bin ich nicht sicher, ob ihm nicht zu wünschen wäre, dass ein anderer das Erbe bekommt … Auch die Kommentare aus der Community sind mehrheitlich dieser Meinung und haben die ein oder andere wirklich verrückte Geschichte zu erzählen!

Den Tag nicht vor dem Abend loben

Wie oft habe ich das schon gehört. "Es erbt zwar ein enger Verwandter, aber im Endeffekt gehört es mir" Wenn es auf deinem Konto oder in deinem Besitz ist, dann gehört es di

Alles ist möglich

Stell Dir vor er stellt eine Pflegerin ein und heiratet sie.. Gerade im entfernten Bekanntenkreis geschehen.. alles Erbe war futsch

Das Leben schreibt die verrücktesten Geschichten

Ein guter Rat: Rechne nie mit einem Erbe. Es kann einfach zuviel passieren. Ein paar Beispiele aus meiner Familie: Erbonkel verliebt sich mit 85 in seine bulgarische Pflegerin und heiratet sie. Patentante wird von Betrügern ausgenommen und verliert nahezu das ganze Vermögen. Kinderloser Onkel beschließt, statt die gemeinsame Immobilie auf Sylt wie lang mit deinen Geschwistern besprochen an Nichten und Neffen zu vererben, dass er seinen Anteil sofort haben und verprassen will. Vermögende Mutter wird pflegebedürftig und lebt noch 23 Jahre im (teuren) Pflegeheim. All das ist möglich und auch moralisch einwandfrei. Denn es ist deren Geld und niemand hat automatisch Anspruch drauf es zu erben. Also trag das Fell des Baren erst zum Markt wenn du ihn erlegt hast! Und mach dir nen Kopf wenn du wirklich was erbst.

Fühlen wir ein bisschen

Ich würde es ja feiern, wenn er alles verlebt hätte und das Haus doch nicht abbezahlt ist, wenn ich sowas lese. Jeder kann mit seinem Erbe machen, was er möchte, aber dieses "Erbschleichen" von dir ist eklig

Ein treffender Gedanke

Stell dir vor dir geht es schlecht. Stell dir vor du könntest all dein Eigentum am Ende deines Lebens hergeben um noch eine einzige Woche länger gesund zu leben. Die meisten würden das Angebot annehmen, dass Leben ist soviel mehr wert als Geld, jemanden in der Familie zu haben der auf dein Ableben hofft ist bodenlos. Natürlich kann man Gedanken nicht abschalten aber manche Gedanken sollte man einfach nicht weiter denken, nicht (anonym) schreiben oder aussprechen. Manche Gedanken nimmt man einfach mit ins Grab.

Späte Gerechtigkeit

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