
Offiziell ist Trinkgeld in Deutschland eine freiwillige Leistung. Doch insbesondere in der Gastro wird Trinkgeld oftmals erwartet. Wer nur den Rechnungsbetrag zahlt, begeht zwar keinen Gesetzesbruch, aber begeht man einen sozialen Tabubruch?
Bekommen die nicht Mindestlohn?
Ja, Deutschland hat inzwischen einen Mindestlohn eingeführt. Das ist eine gute Sache, die Bezahlung in vielen Branchen ist dadurch fairer geworden und gewährleistet einen gewissen Einkommensstandard.
Aber deswegen verdienen die Servicekräfte nicht automatisch gut. Der Mindestlohn sichert eine wichtige Untergrenze, er verhindert extreme Niedriglöhne, gleicht jedoch weder strukturelle Unterschiede zwischen Branchen aus noch sorgt er automatisch für echte finanzielle Sicherheit oder Aufstiegsmöglichkeiten.
Und vielleicht geht es bei Trinkgeld gar nicht darum, was der Brutto-Lohn der Servicekräfte ist, sondern vielmehr darum, was uns die Leistung wert ist.
Und warum zahlen wir dann in anderen Branchen kein Trinkgeld?
Guter Punkt, Trinkgeld gibt’s vor allem in Branchen mit direktem, persönlichem Service: Gastro, Taxi, Friseur. Warum nicht beim Supermarkt oder Arzt? Ich denke, es liegt daran, dass dort der Kontakt anonymer und standardisierter ist, es sind meist keine langen Gespräche, keine „Extra“-Leistung, die man erfragen kann. Es geht also weniger um den Job als um die persönliche Wertschätzung. Und wenn man in einer anderen Branche mal einen guten persönlichen Service bekommt, kann man selbstverständlich auch seinem Autohändler*in, Postbot*in oder wem auch immer ein Trinkgeld dalassen.
Doch was genau ist Service?
Diese Frage muss wohl jede Person für sich beantworten. Es ist okay, sich nach den gesellschaftlichen Standards zu richten: in der Gastro 10%, Handwerker*innen ein paar Münzen oder einen kleinen Schein, dem Paketboten pro Päckchen 1 € und so weiter. Aber man muss nicht. Man kann ganz einfach selbst entscheiden, welcher Service trinkgeldwürdig ist und welcher nicht. Die Grenzen sind unterschiedlich und man wird eventuell mal komisch angeschaut, wenn man vermeintlich zu viel oder zu wenig gibt. Am Ende zählt das eigene Bauchgefühl und dass du dich wohlfühlst mit deiner Entscheidung.
Gastro = Knochenjob
Eine weitere Sache sollte jedoch noch gesagt werden: Die Arbeit im Service ist anstrengend, mental wie körperlich. Man arbeitet lange Schichten und zu Zeiten, zu denen andere frei haben, schläft wenig, hat viel Stress und muss dennoch immer höflich und im besten Fall auch noch schnell sein. Ein angemessenes Trinkgeld kann den Kellner*innen also auch zeigen, dass man sie sieht und wertschätzt, dass es Menschen gibt, die trotz dieser Bedingungen im Service arbeiten. Und dabei auch die unterschiedlichsten Erfahrungen machen, positiv wie negativ.
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