
In der Familientherapie gibt es eine Bezeichnung für eine destruktive Rollenumkehr, die zwischen Eltern und ihren Kindern stattfindet. Häufig nach einem (medizinischen) Notfall oder einem anderen einschneidenden Erlebnis. Demnach übernehmen Kinder bei der „Parentifizierung“ dauerhaft Funktionen, die eigentlich die Eltern ausfüllen sollten. Oft geht es dabei auch um emotionale Aufgaben, die das Kind oder die Kinder spätestens nach einer gewissen Dauer komplett überfordern und vor ernsthafte Probleme stellen.
Reddit-User @Unusual_Leather_9379 berichtet in seiner „Beichte“ von einem solchen Fall, der besonders unter die Haut geht. Sie handelt von einem jungen Menschen, dem viel zu viel aufgebürdet wurde. Der nie gefragt wurde, wie es ihm damit geht, geschweige denn, ob er sich wohl fühlt. Der immer funktionieren musste. Doch macht euch nun am besten selbst ein Bild von der Situation.
Keine Ahnung, ob das der richtige Sub ist aber wie bereits gesagt, als ich 16 Jahre war, fiel mein Vater in ein künstliches Koma, nachdem er eine Hirnblutung erlitten hatte.
Ich musste ihn besuchen während und nach des Komas. Nachdem er daraus erwachte, musste ich monatelang mit ihm sprechen und ihm Geschichten vorlesen, was wirklich bizarr ist, wenn dieser jemand sich nicht einmal daran erinnert, dass ich jemals existiert habe, und ich bin sein Sohn. Dieses Gefühl ist irgendwie ziemlich blöd in die Augen seines Vaters zu sehen und zu erkennen, dass er keinen Schimmer hat, wer du bist. — 1/4
Meine Mutter hatte beinahe regelmäßig Seelsorger, Psychiater, Freunde, Familie und Co. um sich, die sie permanent fragten, ob es ihr gut ginge und so. Keiner von ihnen, keiner aus meiner Familie, kein Freund und auch kein Lehrer, die davon wussten, hat mich auch nur irgendwas gefragt oder unterstützt.
Nach 2 Jahren sagte einer von ihnen, dass ich es gut wegstecken würde, und das wars mit dem ach so großartigen Beistand. Mittlerweile sind fast 4 Jahre seit dem Anfang des Komas vergangen. Meinem Vater geht es soweit gut, außer ein paar kognitive Einschränkungen und einer Halbseitenlähmung. — 2/3
Es läuft nun besser, aber mein Vater verhält sich täglich wie ein trotziger Teenager und zwischen meiner Mutter und mir ist so ein komisches Verhältnis, als hätten sich die Rollen von Vater und Sohn umgedreht. Ich muss für ihn kochen, schauen, dass er sein Gemüse isst gegen das er sich vehement weigert, nichts dummes tut und finanzielle Verantwortung beweist. Außerdem muss ich emotionale Konflikte zwischen den beiden schlichten indem ich die moralische Instanz darstelle, aber das nervt mich alles so dermaßen, besonders weil es niemanden gibt, der das wertschätzt. — 3/4
Ich bin jetzt 19 Jahre alt und weiß wie es ist auf ein Riesenbaby aufzupassen, welches zwar weiß, dass er einst der Mann im Haus war mit einem Ego, das sich jeden Tag vervielfältigt, aber nicht genügend Kapazitäten hat sich zu merken was ich gestern für ihn kochen musste oder wofür er sein Geld nicht verschwenden sollte, was regelmäßig für Streit sorgt.
Entschuldigung, fürs Auskotzen, das soll auch schon alles gewesen sein und ich hoffe ich bin nicht zu sehr vom Thema abgewichen oder klang zu unsensibel, aber ich wollte einfach ein wenig schreiben wie mir der Schnabel gewachsen ist. — 4/4
Kommentare und Reaktionen
So bedrückend diese Beichte auch sein mag, ist es doch schön zu sehen, dass andere Userinnen und User große Empathie zeigen. Es gibt zahlreiche Menschen, die den Betroffenen verstehen und ihn ermuntern, sich Hilfe zu holen. Die ihm unmissverständlich klarmachen, dass ER ein Recht darauf hat, NEIN zu sagen. Dass es nicht okay und schon gar nicht normal ist, ihm die geschilderte Last und Verantwortung aufzuerlegen.
Das ist Parentifizierung, ist nicht okay und nicht gesund für dich. Deine Eltern haben es vielleicht nicht böse gemeint, sondern waren überfordert, trotzdem war das aber nicht rechtens und sie hätten jemand anderen dafür besorgen sollen, eine Pflegekraft z. B. Dein Leben gehört dir und deine Jugend hätte dir gehört. Das war nicht okay. Keines Falls. Du bist zurecht angepisst und hast das Recht, zu gehen. Die sollten eine Pflegekraft für diese ARBEIT bezahlen. Das ist Arbeit, die bezahlt gehört.
Ganz ehrlich, meine Mutter bezahlt mich monatlich, aber das habe ich mir nicht ausgesucht. Sie fing an mir beizubringen, Geschirr richtig zu waschen, zu kochen, Brot zu backen, einzukaufen, Wäsche zu waschen usw. bis ich alles konnte und dann wurde das regelmäßig von mir erwartet. Es ist nicht mehr ganz so schlimm wie am Anfang, aber ich stehe mindestens vier Stunden in der Küche, und das jeden Tag.
Gut gemeint ist leider (nicht immer) auch gut gemacht
Das ist nicht okay!
Dass sie dich bezahlt ist zwar in der Hinsicht „gut“, dass du etwas Geld bekommst.
ABER: Du bist nicht die Pflegekraft der Familie. Du bist keine Arbeitskraft (im rechtlichen, moralischen Sinne), sondern deren Sohn!
Dass sie dich bezahlt ist eigentlich, wenn man darüber nachdenkt, mehr ungut als gut…
Du bist eine billige Arbeitskraft.
Bekommst du ca. 2K monatlich? Ich schätze nicht. Ich schätze, du bekommst „etwas mehr Taschengeld“. Eine Pflegekraft würde sicher mehr bezahlt bekommen.
Das ist Ausbeutung.
Mein ehrlicher Rat:
Du bist 19, du bist volljährig, du brauchst die Erlaubnis deiner Eltern nicht.
Wenn du da nur bist aus Pflichtgefühl:
Geh!
Das ist dein Leben und du hast es verdient, es zu leben.
Sollte ausziehen nicht möglich sein, verweigere den Dienst.
Ein Glück, dass es Oma gibt
Ich habe mal nachgeschaut, ich bekomme 200€ im Monat. Vermutlich werde ich durch das Erbe meiner Oma nächstes Jahr mir ein Haus nebenan leisten können, wo ich auch im Grundbuch stehen werde. Das ist das Ziel auf das ich hinarbeite und steht das fest, werde ich mich aus meiner Familie entziehen. Der Kontakt zu meiner Oma ist der einzige, den ich pflegen möchte, weil sie die einzige ist, von der ich nicht das Gefühl bekomme nur das zu sein, was ich leisten kann.
Selbst heute, im Jahr 2026, wird diese Art von Problemen nicht von jedem ernst genommen
Entscheide selbst, ob du dir Hilfe suchst oder nicht
Du musst gar nix! Wenn du ausziehst und dein eigenes Leben aufbaust, ist das dein gutes Recht. Keiner darf dich daran hindern. Auch nicht daran, dir selber psychologische Hilfe zu suchen wenn du es für nötig hältst.. Wie deine Familie, deren Freunde, deine Lehrer (was ist mit deinen Freunden?) dich übergangen haben, ist sowas von typisch. Junge Männer werden dauernd übergangen, was deren seelische Wohlbefinden angeht. Zumindest hab ich diesen Eindruck. Deine Familie darf dir kein schlechtes Gewissen machen, wenn du gehst. Denk daran! Und sag ihnen auch gerne mal, was du uns hier erzählt hast. Wenigstens den Teil von deine Mutter kriegt Unterstützung, du nicht.
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