
Ausgabe #5 – Neue Folge der Kolumne „Papa, bist du wach?“ über das, was Kinder uns über eigene Grenzen beibringen
Manche Dinge, die Kinder einfach so können, hätte ich jahrzehntelang lernen müssen. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich es bis heute wirklich kann. Meine Große sagt „Nein“. Sie sagt es einfach, klar und ohne große Erklärung und bleibt dann beispielsweise zuhause, während ihre Freundinnen unterwegs sind. Auch wenn eine dabei wäre, die ihr wichtig ist. Auch wenn es ihr vermutlich gefallen würde, wenn sie erst mal dort wäre. Sie spürt offenbar etwas in sich, das ich nicht mal richtig benennen kann, und hält sich einfach daran.
Ich bewundere das. Und gleichzeitig möchte ich eingreifen. Natürlich sanft, natürlich gut gemeint, aber eben doch eingreifen. Weil ich weiß, wie wichtig Freundschaften sind. Wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Also rede ich, erinnere, versuche zu überzeugen. Und merke irgendwann, dass ich gar nicht für sie spreche, sondern für mich.
Meine Kleine ist da das komplette Gegenteil. Sie braucht Menschen wie Luft zum Atmen. Sie telefoniert, verabredet sich, übernachtet früher als alle anderen und hält Freundschaften über jede Distanz hinweg. Wo die Große Abstand hält, sucht sie die Nähe, auch außerhalb der Familie. Das macht sie stark und manchmal aber auch ein bisschen zu anpassungsfähig. Weil sie mitgeht, obwohl sie vielleicht lieber woanders wäre. Einfach, weil sie niemanden enttäuschen möchte.
Zwei Töchter, zwei völlig unterschiedliche Wege, mit Nähe und Zugehörigkeit umzugehen. Und beide führen mir vor Augen, wie wenig ich das selbst manchmal im Griff habe.
Ich sitze in Terminen, von denen ich schon beim Lesen der Einladung wusste, dass sie mich nichts angehen. Ich sage Ja, weil es höflicher ist, weil es einfacher ist, weil ich mich frage, was die anderen denken. Und dann sehe ich meine Tochter, die sich das alles spart und einfach Nein sagt.
Grenzen setzen klingt nach Workshop, nach einem dieser Bücher, die man kauft und dann doch nicht liest. Aber vielleicht ist es viel einfacher als das. Vielleicht ist es ein Samstagnachmittag, an dem ein Kind sagt: Ich hab heute keine Lust. Und dann einfach daheim bleibt.
Und vielleicht ist das die Richtung, in die Erziehung manchmal auch funktionieren kann. Nicht nur von oben nach unten, sondern gelegentlich auch andersherum.
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