Klassismus auf dem Spielplatz

Pixel-Shot, Adobe Stock / Twitterperlen Illustrations

Ein Spielplatzbesuch klingt so einfach. Kind eingepackt, vielleicht noch eine kleine Sandschaufel eingesteckt, hingegangen und los geht der große Spielspaß. Ganz so simpel ist es aber dann oft doch nicht. Was zum Beispiel, wenn die anderen Kinder tolleres Spielzeug mitgebracht haben, aber nicht teilen möchten? Schon ist die erste Krise vorprogrammiert. Einige Eltern betreten den Spielplatz auch nur noch mit einer ausgewachsenen Picknickdose. Ihr ahnt es schon, dass auch hier Konfliktpotenzial lauern kann.

In Zeiten, wo Lebensmittel ständig teurer werden, können besagte Snacks schnell einen ganz schönen Wert erreichen. Zumindest, wenn selbst im Winter Beeren mitgebracht werden. Wer könnte es den Eltern verübeln, schmecken ja schließlich leider nicht nur im Sommer, diese kleinen Schätze. Doch Threads-Userin @sapiojo empfindet das als problematisch, da sich nicht alle Familien derartige Leckereien leisten können. Deswegen erntet es nach dem zweiten oder dritten Mal, nachdem das Kind beherzt in die Dose der anderen greift, aber selbst nie eine dabei hat, nicht nur strafende Blicke, sondern auch unangenehme Nachfragen. Wir haben die vielfältigen Reaktionen ihrer Community für euch gesammelt.

Wir müssen über Klassismus auf dem Spielplatz sprechen. Es wird unangenehm - für mich, für euch, mal sehen. Es geht um Snacks. Es gibt Eltern, die karren täglich Obst und Gemüse im Wert von über 30€ auf den Spielplatz. Blaubeeren, Himberen, Kiloweise. Paprika, Snackgurken, snacktomaten, snackkarotten (weil die in mini sind, kosten die das dreifache), Nüsse, Trockenobst. Kinder teilen gern, besonders in der Gruppe. Kinder, bei denen das zuhause nicht so häufig gibt, fragen auch, ob sie was

Abhaben dürfen. Die meisten Eltern teilen gern manche fragen auch aktiv "willst du auch?" Und dann kommt irgendwann der Tag, da kommt das schiefe "Nehmt ihr eigentlich nichts mit?" Manchmal ist der Angriff offener, manchmal ist es der fragenden Person peinlich zu fragen. Aber die Frage ist legitim: deine Kinder essen bei mir immer mit geben und nehmen? Willst du dich nicht mal revanchieren? Manchmal braucht es gar keine Frage. Manchmal braucht es nur die Vorahnung, dass andere Kinder

Mitessen werden wollen, um aus diesem Grund den Spielplatz zu meiden. Denn: Obst ist teuer. Auch das Obst vom Discounter. Finanziell schwache Familien können sich Frisches so schon kaum leisten. Und dann noch in ausreichender Menge für mehrere Kinder? Weil, das wissen wir alle, mit Schokohörnchen, Keksen, Salzstangen macht man sich bei anderen Eltern keine Freunde. Ich versteh voll, dass man seinem Kind Gesundes zu essen geben möchte, auch auf dem Spielplatz. Ich versteh auch voll, dass das

Für einen auch Geld ist, was man ausgibt. Dass man nicht Alleinversorger*in sein will. Auf der anderen Seite führt es zu Scham bei den betreffenden Familien. Und dazu, dass man eimmal weniger zum Spielplatz geht. Dass man ihn vielleicht ganz meidet. Dass man "nein" ruft, wenn die Mutter, der man hier öfter begegnet, dem Kind Blaubeeren anbietet, weil man weiß, dass man sich nicht revanchieren kann. Es ist nicht nur Essen. Über Essen sozialisieren Menschen seit schon immer. Armut macht einsam.

Prioritäten klar gesetzt

Mich haben die Brotdosen der anderen Kinder immer genervt. Ich wollte zum Turnen/Spielplatz gehen; da muss man doch nicht pausenlos futtern! Hatte dann aus Pflichtgefühl auch was dabei. Bei uns war nicht das Geld das Problem, sondern ich finde wirklich, dass Kinder nicht ständig etwas Essbares im Mund haben müssen.

Ist es ein Geben und Nehmen?

2 kg Karotten kosten bei Aldi gerade 1,39 €. Es ist wirklich keine Frage des Geldes: Es geht nicht darum, was man teilt oder wie viel das wert ist, sondern ob man es überhaupt macht. Nur nehmen finde ich sehr unsozial.

Man weiß ja nie, wann der kleine Hunger kommt, oder?

Wann hat das eigentlich angefangen, dass man keine Stunde das Haus verlassen kann, ohne Proviant für zwei Wochen mitzuschleppen? Wie sind wir nur alle groß geworden mit 3 Mahlzeiten am Tag und ohne Daueressen immer und überall?

Wie schön

Ich teile immer, weil ich das Essen teilen möchte.. nicht weil ich erwarte dass andere etwas mitbringen um zu teilen. Ich habe keine Erwartungshaltungen gegenüber Anderen.

Sehr gute Idee

Ist das schon wieder eine neue Art des Mom Shaming? Die gemeinen Blaubeer-Anbieter? Die bösen Tupper-Mamis? Können wir uns nicht endlich mal abgewöhnen, über andere Mütter zu urteilen?

Fragen sollte man schon

Ich hab an sich überhaupt kein Problem damit Snacks zu teilen. Mir auch egal ob sich da revanchiert wird. Was ich allerdings nicht leiden kann, sind Kinder, die sich an den Snacks meines Kindes wie selbstverständlich bedienen, ihm selbst nichts übrig lassen und die Eltern da nichts sagen. Mein Kind teilt sehr gerne, aber er möchte natürlich auch was von seinen Sachen haben.

Lieber bis zur Saison warten

Ich persönlich nehme auf den Spielplatz nichts außer Wasser mit. Mag daran liegen, dass unser großer Spielplatz zwei Gehminuten von uns entfernt liegt, aber wir verbringen dort selten mehr als zwei Stunden am Stück. Für längere Ausflüge nehme ich Brot oder Breze, ein paar Gurkenscheiben, Rosinen oder einen Apfel mit. Oder die sprichwörtliche kalte Pizza vom Vortag. Oder auch mal Kekse, Smarties und nen Scheiß Quetschie, je nachdem was ich da habe. Aber noch nie habe ich minigurken, Minomöhren
oder frische Beeren im Winter gekauft. Echt noch nie. Nicht, weil ich keine Kohle dafür hätte, sondern weil es es nicht einsehe.

Gibt es überhaupt eine?

Und was ist jetzt die Lösung? Dürfen Menschen, denen die Ernährung ihrer Kinder am Herzen liegt, nun nichts mehr mitnehmen um ja niemanden in eine blöde Situation zu bringen?

Wie gemein

Ich habe nie diese Situation aus Kinderperspektive vergessen. Ich hatte mit einer Gruppe an Kindern gespielt und als die Eltern Gemüse angeboten haben, habe ich auch zugegriffen. Nur wurde ich dann angeschnautzt, dass Ich nicht gemeint war. Meine Eltern waren nämlich die Sorte, die sich nie revanchiert hat. Als Kind ist das echt übel, dann die Schuld/ Scham abzubekommen.

Gute Frage

Sorry, aber Trauben, Äpfel, Karotten, Gurken vom Discounter kosten definitiv weniger als Schokohörnchen und Kekse. Immer noch. Und was ist das überhaupt für n Ding, dass man jetzt ne riesen Futterparty aufm Spielplatz macht? Ist der nicht eigentlich zum..naja...spielen?

Wünschten wir auch

Ich hatte mal eine bekannte, der ich immer mal anbot ihr Sohn könnte zu uns kommen. Sie hat das abgelehnt. Mit den Worten sie kann sich nicht revanchieren. Krass. Ich meinte das garnicht so. Vielleicht hinkt mein Beispiel ein bisschen. Aber naja. Vielleicht müssen wir aufhören gegenseitig aufzuwiegen. JA. ich kann diese seite mit dem Scham verstehen. Und gleichzeitig denke ich. Können wir nicht unsere Ungleichheit akzeptieren? Ich wünschte es wäre so...

Das Kind kann am wenigstens dafür

Wäre mir ja egal, ob die Mutter des Kindes „sich revanchiert". Entweder sie ist halt ein bissl seltsam oder kann es sich nicht leisten. Das Kind kann dafür nichts. Ich würde nur was sagen, wenn ich den Eindruck hätte, das andere Elternteil „rechnet damit, dass andere was mit haben". Aber dann sag ich das auch dem Elternteil, das Kind kann weiterhin nix dafür und bekommt trotzdem was.
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