
Wenn ich mir Fotos aus meiner Kindheit anschauen möchte, muss ich zu meinen Eltern fahren, in den hinterletzten Kabuff klettern, eine staubige Kiste mit Dias rauskramen und mit einem Monokel überprüfen, welche darauf befindlichen Bilder von mir sind und welche von den Sommerurlauben 1986 bis 1991. Ja, ich bin das dritte Kind und deswegen gibt es aus meinen ersten Jahren vielleicht zweieinhalb Aufnahmen von mir. Von meinen Kindern habe ich heute zwischen 06:55 Uhr und 07:35 Uhr allein 17 Fotos gemacht.
Was ich damit tue? Sortieren, sammeln, ein paar ausgewählte Aufnahmen an Freunde und Familie schicken. Nicht immer habe ich ein gutes Gefühl dabei, obwohl ich diesen Menschen vertraue und meine Kinder rigoros aus öffentlichen Medien fernhalte. Damit scheine ich relativ alleine dazustehen, zumindest wirkt es so. Die Social-Media-Profile um mich herum sind voller Kinderfotos und Videos. Im Urlaub, beim Kindergeburtstag, beim Schwimmen, beim Sport. Ist das das neue Normal? Ich finde es bedenklich. Was ist mit den Persönlichkeitsrechten dieser Kinder? Wurden sie vorher gefragt, ob sie mitten in einem Meltdown über Instagram flackern wollen? Und: Was passiert mit diesen Bildern, wenn sie einmal den digitalen Äther betreten haben? Wer nutzt sie und für welche Zwecke?
Wir reden so viel über Selbstbestimmung, aber sehr wenig über digitale Selbstbestimmung. Dabei gehört auch das zu unserer Verantwortung als Eltern. Das thematisiert auch der folgende Thread von Userin @salseranrw. Respekt vor allen Eltern, die sich für die Rechte ihrer Kinder unbeliebt machen!
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