„Ich war von Anfang an für Geflügel, weil wir muslimische Familien in der Kita haben“

vika33, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Wenn man heute im Internet einmal zu oft falsch abbiegt und aus Versehen im Kommentarbereich eines Facebook-Posts (oder auf dem Instagram-Profil von Markus Söder) landet, könnte man zu dem Schluss kommen, unsere Freiheit werde am Grill entschieden. Denn Fleisch im Allgemeinen und die Bratwurst im Speziellen scheinen in diesem Land von ganz besonderer Bedeutung zu sein. Und sagen wir es mal so: Hätte Berlin ebenfalls eine Freiheitsstatue wie New York, würde diese anstelle einer Fackel definitiv eine Bratwurst mit Senf in der Hand halten. Angefeuert von Medien und politischen Lagern, die im Bundestag traditionell eher rechts sitzen, wird da ein freiwilliger Veggieday mindestens zum Untergang des Abendlandes erklärt und im Handumdrehen sind die Mistgabeln (und Tastaturen) gezückt: Wir lassen uns doch unsere Wurst nicht verbieten! Die wollen uns unser Fleisch wegnehmen! Denn klar ist: Verbotspartei sind immer die anderen.

Dass selbst die Kleinsten in unseren Kitas nicht vor diesem Sturm künstlich aufgebauschter Entrüstung geschützt sind, zeigt der Beitrag von Threads-Userin @flopo83. Denn auf dem Sommerfest soll am Grillstand wirklich an alle gedacht werden und das passt in diesem Land natürlich beileibe nicht jedem. Warum auch anpassen und Rücksicht nehmen, wenn wir das hier schon immer so gemacht haben? Manchmal fragt man sich wirklich, ob anstelle der Kinder vielleicht lieber so manche Eltern noch mal in die Krippe sollten … doch lest einfach selbst.

Vorgeschichte: ich bin Vorstandsmitglied im Förderverein unserer Kita. Jetzt planen wir ein großes Sommerfest, auf dem u.a. auch Grillwürstchen geben soll. Da wir auch Eis an die Kinder verteilen wollen, haben wir uns für einfaches Wassereis entschieden, was alle essen können. Falls jemand wirklich gar kein Fleisch essen mag, wollen wir ein paar Vegane Würstchen in der Kühlung haben. Jetzt wird aber ernsthaft im Vorstand darüber diskutiert, ob die anderen Würstchen Schwein oder Geflügel sein

sollen?!?! Ich war von Anfang an für Geflügel, weil wir definitiv muslimische Familien in der Kita haben. In der Kita selbst gibt es wenn, dann auch nur Geflügelfleisch beim Mittagessen. Die anderen sind für Schwein, weil in der Bekanntschaft einige Geflügel angeblich nicht mögen. 🙄 Die Muslime könnten ja die Veggie-Wurst essen (die von allen anderen btw als ekelig bezeichnet wird). Ich sehe es genau andersrum, keiner bricht sich nen Zacken aus der Krone, wenn er oder sie mal ne Geflügelwurst

isst - aber wir benachteiligen bewusst die muslimischen Familien, wenn wir auf Schwein bestehen. Oder sehe ich das zu eng? Der Preisunterschied im Einkauf läge nur bei ca 0,15€, das wäre also nicht das Problem. Beides anzubieten will ich vermeiden, weil man dann theoretisch auch nen zweiten Grill bräuchte.

Neue Idee: die, die kein Schwein essen, kriegen nur noch Geflügel Wiener. Dann braucht's keinen zweiten Grill. 🙄 Ich fühl mich wie im falschen Film.

So, die hoffentlich endgültig Lösung sieht vor, dass es ca 1/4 Geflügel Würstchen geben wird, die auf einem Elektrogrill auf Wunsch gegrillt werden. Nach Rücksprache mit dem Vater, der am Grill stehen wird, will angeblich niemand Veggie-Wurst, deswegen wurde auf Grillkäse umgeschwenkt. Traue mich gar nicht zu erwähnen, dass Grillkäse ja nicht vegan ist. 🙈

#6: Kann es denn wirklich so einfach sein?

Vegane Würstchen können alle essen und wenn man die richtigen kauft sind die auch nicht ekelhaft. Lasst die Leichenteile sein: Problem gelöst.

#7: Oder man macht es eben so

Würde mich freiwillig melden die Würstchen zu besorgen und dann einfach Geflügel holen 😅 Was ist denn falsch mit den Leuten 🥲

#8: Einfach normal eben

Völlig skurril. Wir haben einen recht hohen Anteil muslimischer Kinder und es ist völlig üblich, dass es hier einfach Geflügelwürstchen gibt. Verstehe das Drama nicht 😵‍💫

#9: "Also früher hat es das aber nicht gegeben!"

Würden diese Dinge nicht zu Tode diskutiert, würden die größten Marktschreier gar nicht mitbekommen und merken, dass das Angebot schweinefleischfrei ist. Ein zeitgemäßes Angebot für solche Veranstaltungen wäre Geflügel und vegan, der Rest sind Befindlichkeiten.

#10: Klingt nach einer guten Idee

wenns den streit löst, könnte man immer noch alufolie/aluschalen verwenden, damit die geflügelwurst (und btw auch die vegane) einfach getrennt sind und nichts anderes berühren? allgemein finde ich aber auch, vegan ist immer inklusiver (fast jeder KANN es essen) und dann geflügel > schwein

#11: "Aber Geflügel ist doch gar kein Fleisch, oder?"

Das fühle ich sehr. JEDES Jahr beim Planen des Sommerfestes der KiTa kommt zuverlässig irgendwann der Satz: "Und die Veganer können dann ja den Rasen mähen für Ihren Salat. Hahahahaha!!!!"..... 🙄

#12: Da sollte doch nun wirklich jeder etwas finden

Wir hatten gestern Sommerfest ( Hort/ Schule/ Internat) und selbstverständlich gab es auf dem Grill ausschließlich Geflügelbratwurst und kein Schweinefleisch. Alternativ gab es ein Kaffee mit Kuchen und einen Crepewagen . Es ist schließlich ein gemeinsames Fest.

#13: Aus Erfahrung lernen, heißt manchmal auch Gelassenheit lernen

Ich mache seit 14 Jahren Elternarbeit. Ich habe viele feste organisiert. Wenn ich eines gelernt habe: Du musst es nicht jeden recht machen!! Kaufe Geflügel und Vegan und etwas Grillkäse. Wenn in der schule sowieso nie Schwein angeboten wird dann ist das so.
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