Ghosting in Freundschaften: Warum der plötzliche Kontaktabbruch so wehtut

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Ghosting in Freundschaften, Kontaktabbruch und schmerzhafte Funkstille: Auf der linken Seite sitzt eine junge Frau, deren Gesicht und Hände in Schwarz-Weiß gehalten sind, mit verschränkten Armen. Sie blickt fragend, traurig und sichtlich enttäuscht zur Seite. Ihre dicke, leuchtend orangefarbene Strickjacke tritt farblich extrem stark hervor. Rücken an Rücken mit ihr sitzt auf der rechten Seite eine weitere junge Frau, deren Gesicht und Hände ebenfalls in Schwarz-Weiß gehalten sind. Auch sie hat die Arme verschränkt, schaut jedoch stur und verärgert in die entgegengesetzte Richtung. Sie trägt einen weißen Kapuzenpullover. Weiße Fragezeichen-Icons über der linken und Blitz-Icons über der rechten Frau sowie das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert die emotionale Distanz, die quälende Ungewissheit und den bitteren Schmerz, wenn man von einer ehemals engen Freundin plötzlich und völlig ohne Erklärung geghostet wird
Prostock-studio, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Wissen eure Eltern, was Ghosting ist? Wahrscheinlich nicht, oder? Frage ist nur, ob das daran liegt, dass dieses Wort erst vor ein paar Jahren erfunden wurde. Oder daran, dass dieses Phänomen in den letzten Jahren derart zugenommen hat, dass es ein eigenes Wort dafür brauchte. Die meisten kennen Ghosting wahrscheinlich aus dem Dating-Leben. Man lernt sich kennen und findet den anderen total toll. Man kann das nächste Treffen gar nicht erwarten. Also schreibt man freudig eine Nachricht mit der Nachfrage, wann es denn so weit ist.

Und dann folgt: Stille. Na ja, vielleicht hat die andere Person gerade viel zu tun, ihr Handy nicht dabei (haha) oder will sich Zeit nehmen, in Ruhe zu antworten, und deswegen dauert es etwas länger. Doch wenn auch nach mehreren Tagen oder Wochen keine Antwort kommt, dann muss man wohl oder übel realisieren, dass man geghostet wurde.

Während sowas schon beim Daten schmerzhaft ist, tut es noch viel mehr weh, wenn Menschen so etwas tun, die man schon lange kennt und von denen man dachte, dass sie wie eine zweite Familie sind. Leider ist genau das Threads-Userin @atelier.neni mit einer Freundin passiert. Wir haben die ganze Geschichte für euch. Die Reaktionen ihrer Community zeigen, dass sie mit dieser Story leider nicht alleine ist. Wenn euch also ähnliches passiert ist, Kopf hoch!

Als ich 16 Jahre alt war, hat meine beste Freundin von heute auf morgen die jahrelange Freundschaft beendet. Wir waren zuvor jeden Tag zusammen, haben alles miteinander geteilt. Drückten gemeinsam die Schulbank, jedes Geheimnis kannte sie, sie kam sogar zu mir nachhause, obwohl die familiären Verhältnisse nicht gerade einfach waren.

Dann schrieb sie mir eines Tages eine Nachricht über den Messenger auf Facebook. Eine Nachricht, die alles verändern sollte: ich sei fett, könne nicht abnehmen, wäre verliebt in einen Jungen, bei dem ich niemals eine Chance hätte, ich sei ein Opfer und Feigling - und außerdem sei ich schlecht in Mathe! Die Aneinanderreihung war so wild und kam dermaßen aus dem nichts, dass ich es erst für einen Scherz hielt. Ich lachte sogar. Doch dann folgte nichts. Stille. Sie meinte es ernst.

Ich suchte sie am nächsten Tag in der Schule auf, aber sie schrie mich an, ich solle abhauen. Das war tatsächlich das Ende einer jahrelangen Freundschaft. Sie klärte es nie auf, mied mich seither und redete hinter meinem Rücken schlecht. Ich sprach nie darüber. Ehrlich gesagt, war das einer der schlimmsten Schmerzen, die ich je gefühlt habe. Ich weinte die Nachmittage durch. Fühlte mich einsam. Abgehängt. Vermisste sie. Unsere Zeit. Ich verstand es nicht. Warum? Warum tat sie das plötzlich?

War ich wirklich so verabscheuenswert? Hat sie all die Jahre nur so getan? Ich fand sehr schnell einen neuen Freundeskreis. Den besten, den ich je hatte. Sie versuchte dort ebenfalls Fuß zu fassen. Man erzählte mir, dass sie Stimmung gegen mich machte. Aber meine Freunde hielten zu mir. Sie fragten mich, was es mit ihr auf sich habe. Doch ich erzählte nichts über sie. Wollte einfach nur hinter mich lassen. Sie prallte an meinem Freundeskreis ab, verbrachte ihre Pausen allein.

Das verpasste mir einen Stich im Herzen. Ich hätte sie nie so leiden sehen wollen. Sie hat es sich so ausgesucht, versuchte ich mir zu sagen. Jeden meiner Blicke ignorierte sie weiterhin mit sturer Eiskälte. Jahre vergingen, ich machte mein Abitur. Sogar eines der besten im Fach Mathematik, aber das ist Nebensache. Ich studierte gerade Ingenieurwesen, da meldete sie sich bei mir. Über den Facebook Messenger.

Ob wir uns mit einer sehr gute Freundin in der Heimat treffen wollten, wir waren damals ein Dreiergespann. Ich sagte zu. Irgendwo immer noch der Schmerz im Hinterkopf. Doch die Zeit war vergangen. Ich versuchte darüber hinwegzusehen, war ich mittlerweile doch wer ganz anderes: Nicht mehr fett. In einer Beziehung. Und gut in Mathe. Also saßen wir uns gegenüber und ganz beiläufig erwähnte sie, dass sie gar nicht wisse, warum sie damals so gehandelt habe.

Sie schüttelte lachend den Kopf: wie kindisch! So als sei es etwas ganz banales. Das Banale hat mich meine halbe Jugend geprägt. Zog sich durch spätere Freundschaften. Ich schluckte meinen Schmerz herunter, lachte mit ihr. Und versuchte es abzuhaken. Das war damals. Heute ist heute. Ich gab dem Ganzen wieder eine Chance, ließ sie in mein Leben. Wir hielten wieder über Jahre Kontakt. Schrieben. Schickten uns Reels. Lachten. Teilten Leid. Trafen uns ab und zu in der alten Heimat.

In mir herrschte manchmal das beklemmende Gefühl, mich selbst zu verraten. Das kleine Mädchen, was schluchzend ihre beste Freundin verlor und sich schwor, niemals wieder auf so etwas und jemanden wie sie hereinzufallen. Und vllt könnt ihr es schon ahnen, an dem Tonfall, wie ich schreibe. Denn das kleine schluchzende Mädchen von damals hatte recht. Sie hätte auf ihr Bauchgefühl hören und nicht den Schmerz herunterschlucken sollen. Manche Verbindungen bleiben besser getrennt.

Mein Vater verstarb in dem letzten Jahr sehr plötzlich und im selben Jahr befreite ich mich aus einer missbräuchlichen Beziehung voller jahrelanger häuslicher Gewalt. Ich hatte viele Sorgen und Umbrüche. Eine Zeit, in der ich Rückhalt oder zumindest Nachsicht hätte gebrauchen können. Etwas, das wahre Freundschaften geben können und die einen durch diese Zeiten tragen. Nicht so bei ihr. In ihren Augen verhielt ich mich falsch. Und was genau ich falsch machte, kann ich nicht mal nennen.

Denn sie blockierte mich am 1. Weihnachtstag. Als ich gerade bei meiner Familie saß und wir um unseren geliebten Vater trauerten, denn es war das erste Weihnachten ohne ihn. Sie verließ jede Gruppe mit mir. Blockierte mich auf jedem Kanal. Brannte alle Brücken ab. Nahm mir jede Möglichkeit, zu verstehen was war. Ich entdeckte es sofort - und anstelle einer 30 jährigen Person, saß dort nun wieder mein 16 Jahre altes Ich. Schmerz erfüllt. Innerlich brennend. Ratlos. Bis heute.

Eine Portion Mitgefühl

Was für ein ehrlicher und gut geschriebener Beitrag. Das macht dich super sympathisch. Du bist gut so wie du bist und mit der stimmt halt irgendwas nicht. Kann mir vorstellen, dass es mega schmerzt und das tut mir unfassbar Leid. Es sind oft die Menschen, die wir lieben, die uns ein Messer in den Rücken stechen. Die Erfahrung musste ich auch schon machen. Unglaublich stark, dass hier zu teilen.

So nämlich

Was für eine grauenhafte Person. Es tut mir sehr leid neni. Du bist nicht schuld, ok? Du hast nichts falsch gemacht.

Aufgewärmtes schmeckt nicht

Leider entspringt es auch meiner Erfahrung, dass einst beendete Freundschaften nicht wieder belebt werden sollten. Ging nie gut bei mir. Jedesmal nicht.

Treffendes Wort

Diese Freundin war und ist ein Energievampir.

Leider ja

Frauen brauchen mehrere Anläufe, einen missbräuchlichen Mann zu verlassen. Das selbe gilt bei Freundschaften. Lovebombing gefolgt von Phasen, in denen du 'zu anstrengend' bist. Das ist ein Muster.
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