Eine faire Klassenarbeit kann den Unterschied machen

Ein Kind sitzt frustriert am Tisch, hält sich den Kopf und wirkt überfordert, vor einem farbigen Hintergrund mit Symbolen für Schule, Lernen und Stress.
Алена Скоринко, Adobe Stock / Twitterperlen mit KI

Mit zunehmendem Alter ertappe ich mich bisweilen dabei, dass ich mich in meine Schulzeit zurücksehne. Klare Aufgaben, feste Strukturen, wenig Verantwortung und nachmittags frei. Dann schaue ich meine Schulkinder an, die morgens lustlos das Haus verlassen, und ihre Pläne am Kühlschrank – und schüttle den Kopf. Nein, auf gar keinen Fall! Es mag Menschen geben, die während der Schulzeit keinerlei Schwierigkeiten mit dem Druck und dem Machtgefälle zwischen Schüler*innen und Lehrkräfte haben – aber allzu viele dürften es nicht sein. Kennt nicht jede*r das Gefühl der Panik vor einer Klassenarbeit? Und erinnern wir uns nicht alle an Lehrkräfte zurück, bei denen schlichtweg das Gesetz der Willkür galt?

Die Threads-Userin @queensdisaster75 ist Lehrerin. Neulich hatte sie ein sehr aussagekräftiges Erlebnis mit einer ihrer Schülerinnen. Der Grund: eine faire Klassenarbeit. Klingt erst mal unglaublich, macht bei genauerem Hinsehen aber absolut Sinn. Ein leiser Thread über die Traumata, die nur die Schule hinterlassen kann.

Wir haben heute eine Erdkundearbeit geschrieben. Schülerin bricht in Tränen aus. Ich (taschentuchbewaffnet, im Tröstemodus): „Was hast du denn? So schwer ist das doch nicht?" „Ich hab bis heute Nacht um drei gelernt. Und dann machen Sie einfach eine faire Arbeit. Keine, wo ich nach Hause gehe und einfach gar nichts mehr will. Und ich hab umsonst so viel Angst gehabt." Es tun sich immer wieder Abgründe auf. Den Kids beizubringen, dass ich nicht ihr Gegner bin, ist oft schwer. Und dauert.
Nur als Ergänzung: Ich glaube übrigens, die meisten von uns machen das echt ordentlich. Ich kenne NIEMANDEN in meinem näheren Umfeld, der das nicht versucht. Trotzdem reicht oft eine schlechte Erfahrung, um den Kindern Angst zu machen. Die Kids, die ich habe, haben Angststörungen, PTBS etc, oft eine gruselige Schulkarriere. Da ist das nochmal ne andere Hausnummer. Sowas zu erleben ist anders schrecklich.

Da hat jemand Freude am Unterrichten

Und dann gibt's Lehrer wie der meiner Tochter in Physik: Schuljahr beginnt, Lehrer kommt zum ersten Mal in die Klasse, fährt direkt ne Schülerin an "was lachst du!?!" Schülerin antwortet "Ich hab nur gelächelt, weil ich mich freue auf Physik, mir macht Physik Spaß!" Lehrer: "Bei MIR nicht!"

Manchmal kommt es einem so vor

Ist eine Klausur ohne 2 Panikattacken und 6 traumatisierten Kindern überhaupt zulässig? So wie manche Lehrer arbeiten muss es da doch eine Vorgabe geben

Eigentlich ganz einfach

Du bist die Person, die (unsichere) Schüler brauchen. Auch wenn du schreibst, dass du auch schwer bist. Wenn Schüler merken, dass du fair bist und nicht ihr Feind, nehmen sie das in Kauf.

Kann das wirklich sinnvoll sein?

Bis nachts um 3-da wird mir ganz übel. Welchen Druck die Kids heute haben, ist kaum auszuhalten.

Niemand lernt gut mit Angst

NICHT MEIN KANZLER Du schaffst das. Du hast Emphatie und willst den Kindern helfen. Ich habe einen Meisterbrief. Bei der Abschlussprüfung Mathe hatte die ganze Klasse Muffensausen. Wir haben gepaukt wie die Irren und es kamen leichte Aufgaben. Wir waren aber so durch, dass unser Bester mit ner 4- und alle anderen mit 5 oder 6 bedacht wurden. Der Lehrer war entsetzt und dachte, wir wollten ihn hochgehen lassen. Wir konnten dann eine 2. Arbeit machen und die war dann OK. Ich glaube ja, es ist einfach zu stressig.

Die wollen doch schlechte Noten!

Damit bist du dann Gegenteil meiner Geschichtslehrerin in der 10.: Aufgabe 1 - 3: Datenabfrage. Datum der Ereignisse eintragen, nächste Aufgabe dann andersrum, Nummer 3 dann nen Schnuff ausführlicher oder so. Aufgabe 4, a - d: eine Karikatur. A: beschreiben B: einordnen C: interpretieren D: weiterführend. Gesamtzeit: 45 Minuten. Knapp 50% der Klasse sind nicht bis Nr 4 gekommen, der Rest nicht bis 4d ... Ach ja, Schuld waren natürlich die Sus selbst, wegen zu wenig lernen.

Danke für nichts

Ich hatte mal einen Prof der eigentlich immer humane Klausuren schrieb. Bis zu der einen wichtigen die mein Semester traf. Weil es um die Festanstellung für ihn ging und er vorm Gremium glänzen wollte, hat er eine riesige Schippe drauf gelegt und die Klausur war die Hölle.

Wir hatten alle denselben Lehrer

Ich hatte in der 10. oder 11. Klasse mal einen Lehrer, halbes Jahr krank, kam wieder und meinte in der nächsten Stunde (nächster Tag) schreiben wir die Arbeit, wir hätten uns ja das Thema selbst erarbeitet...

Soll das vielleicht alles keinen Spaß machen?

Mich schockt es immer wieder welche Einstellung Kinder und junge Erwachsene da haben. Prüfungen werden von vielen Lehrern auch so hochstilisiert oder absichtlich unfair gemacht, und ich denk mir jedes Mal „warm?" Das Ziel müsste doch sein, jungen Leuten beizubringen wie man richtig lernt, sich richtig vorbereitet, und mit dem Ergebnis richtig umgeht.

Lehrkraft sein heißt Vorbild sein

Einfach schön, wenn Du zu dieser Sorte Lehrerinnen gehörst und Dein näheres Umfeld ebenso. Das tut den Kindern immer unwahrscheinlich gut und macht gleich einfach mehr Spaß zu lernen. Und ich bin mir auch sehr sicher, dass das Gros auch so ist. Leider gibt es hin und wieder tatsächlich aber Lehrerinnen bei denen ich mich frage, warum sie ausgerechnet diesen Beruf gewählt haben. Besonders schlimm ist es dann noch, wenn sie noch relativ jung sind und noch ziemlich viele Jahre vor sich haben.
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