Ein Abschied, der ans Herz geht: „Man weiß ja nie“

sebra, Adobe Stock

Es gibt Dinge im Leben, über die weiß man theoretisch Bescheid. Aber wenn sie dann vor der Türe stehen, ist man trotzdem überrascht, überfordert und weiß nicht so richtig, wie man damit umgehen soll. Wahrscheinlich ist einer davon, wenn die eigenen Kinder die Koffer packen und ausziehen. Kann man sich darauf vorbereiten? Nicht wirklich vermutlich.

Eine ähnliche Situation ist der Moment, in dem man bemerkt, dass die eigenen Eltern langsam, aber sicher älter werden. Sie bewegen sich weniger als sonst, machen mehr Nickerchen und das Schuheanziehen dauert länger, als das beim Kleinkind der Fall ist. Bei Threads-Userin @elsterndame hingegen sind die Eltern noch einen viel konkreteren Schritt gegangen: Sie sind umgezogen, in eine kleinere Wohnung, und haben sich im Zuge dessen von vielen Dingen, die ihnen bislang immer wichtig waren, verabschiedet. Verständlich, dass das einen Kloß im Hals verursacht, oder? Hier kommt die ganze Geschichte inklusive der schönsten Reaktionen der Community, die durchaus auch etwas Positives darin sehen.

Meine Eltern ziehen um. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich, aber es hat dieses mal so einen komischen Beigeschmack. Es fühlt sich an als wollten sie den Aufwand für mich möglichst gering halten für den Fall dass sie irgendwann... naja. Mein Vater hat zB nach 50 Jahren sein Hobby Aquaristik aufgegeben. Er sagt es wäre okay für ihn (er arbeitet als Rentner nebenbei in einem Aquaristikgeschäft und kann da weiterhin seinen Arm in Salzwasser tauchen) aber ich weiss dass meine Mutter immer mal

wieder gesagt hat dass sie Angst davor hätte mit dem Zimmer voller Aquarien (nein, ich übertreibe nicht) alleine da zu stehen und dann nicht wüsste wie sie das alles los werden soll (die Fische müssen ja von jemandem übernommen werden und wir reden hier nicht von kleinen Goldfischgläsern sondern richtig richtig großen Becken. Zudem kein Süßwasser sondern Riffaquarien, was es nochmal etwas spezieller macht). Auch bei der Größe der Wohnung und wie sie sie einrichten wollen klingt alles ein

bisschen nach "wir machen uns nicht viel Aufwand, man weiss ja nie...." Hab ihnen auch schon gesagt sie sollen da WOHNEN und nicht so tun als wäre das die Endstation bei der man nur kurz mal verweilt. Ich weiss dass sie es sich wieder schön machen werden, meine Eltern renovieren noch selbst, sie richten sich auch immer sehr hübsch ein... aber es hat trotzdem alles so einen komischen Beigeschmack der mir klar macht dass sie halt doch auch schon alte Leute sind, die sich mit sowas anders

beschäftigen als ich, die bei der Wahl einer neuen Wohnung eher auf gute Anbindung an den ÖPNV oder sowas schauen würde als darauf wie leicht man sie im Falle meines Ablebens wieder ausräumen könnte

Das klingt nach sehr viel Arbeit

Nach dem Ausräumen von 200 qm Wohnfläche plus Keller, Dachgeschoss, Garagen und Gartenhaus sag ich nur, du kannst ihnen von ganzem Herzen für die Weitsicht danken

Sie meinen es gut

Ich verstehe Deine Gefühle und Bedenken, aber nimm es als Geschenk Deiner Eltern für Dich an, das ist sehr viel Wertschätzung für Dich. Ich habe gesehen, was mit den Dingen passiert, wenn Eltern schnell schnell ins Pflegeheim müssen und wie überfordert die Kinder damit waren. Oder vollgestopfte Häuser, die die Kinder monatelang Zeit gekostet haben.

Als hätte er es geahnt

Erinnert mich an damals, als meine Eltern nach über 20 Jahren aus der großen Wohnung, samt großem Keller, in eine sehr viel kleinere Wohnung umgezogen sind. Mein Vater hat alles, was ihm je etwas bedeutet hat, weggegeben. Seine Eisenbahn, seine Werkbank etc. Kurz nach dem Umzug stellte sich heraus, dass er Krebs hatte. Meine Mutter wohnt jetzt allein in der Wohnung, für sie allein ist sie perfekt.

Was für eine Voraussicht

Aus Elternsicht: Meine Frau und ich sind erst um 50 (48/52) und haben uns auch schon verkleinert. Zuerst für uns, weil keine Kinder mehr im Haus. Dann aufgrund ihrer Krebsdiagnose, eben weil es im Ernstfall sehr schnell gehen kann. Es geht nicht nur darum, den Kindern Arbeit zu ersparen, sondern auch um eigenen Ballast, erledigte Planungen und Vorbereitungen und damit um die ganz eigene "Ruhe". Nimms dankbar an und mach dir keine Vorwürfe.

Eigentlich ziemlich smarter Move

Ich finde es eigentlich gut das deine Eltern sich Gedanken machen zu dem Thema. Und auch den Umzug inklusive neuer Wohnung so planen das es leichter wird. Je älter sie werden desto schwerer wird ein Umzug, es jetzt einfacher zu halten sorgt in 10 Jahren für viel Entlastung. Oder schon früher wenn bei einem von beiden das Knie oder der Rücken Ärger macht.

Man weiß ja nie, ob man die Prospekte nochmal braucht

Meine Mutter konnte nie was wegwerfen, das ganze Haus war vollgestopft, teilweise auch mit Krempel wie Prospekten aus 1998. Nach ihrem Versterben ist mein Vater alleine, er wirft viel weg, sortiert Fotos gibt Dinge an uns, etc. Abgesehen davon dass das nicht irgendwann unter Zeitdruck durch uns Kinder getan werden muss ist das für ihn auch eine Art Abchied nehmen, gewöhnen an eine neue Lebensphase - und ja, das Ende. Ich denk das ist echt normal, was deine Eltern tun.

Das ist ganz schön viel

Meine Mutter stand tatsächlich, nach dem plötzlichen Tod meines Vaters, vor Aquarien ohne Ende. Im Wohnzimmer 2 ca. 300 I und im Keller einen ganzen Raum über 3 Regale mit großen und kleinen Zuchtanlagen. Zum Glück kannten wir jemanden, der die Fische alle genommen hat. Die Aquarien haben wir entsorgen lassen

Wo kommt das alles her?

Es ist absolut verständlich, dass es für dich seltsam ist. Aber umsichtig und vorausschauend von deinen Eltern. Mein Ma lebte allein (mein Pa vor 23 Jahren verstorben), ist unerwartet vor 3 Jahren verstorben. Ihre Wohnung 75qm und Keller. Sie hatte SO VIEL Kram. Das zu sortieren, auszumisten und wegzuschmeißen war ein extremer Aufwand. Bin das einzige Kind. Neben der Trauer, der Beerdigung, Papierkram, noch einen Haushalt auflösen - das war die größte Belastung für mich.

Klingt nach einem sehr durchdachten Plan

Ich bin sicher mit 54 noch weit entfernt von Pflege und Lebensabend. Aber ich weiß, dass ich das Haus (300 qm) mit seinen 800 qm Grundstück verkaufen werde, wenn auch K2 ausgezogen ist. Dann eine kleine Eigentumswohnung mit Gästezimmer, bereits ohne Stufen, mit breiten Türen usw. Zum einen für mich im Alter einfacher, meine Jungs bekommen zur richtigen Zeit ein Startkapital für das eigene Leben, anstatt als Erbe irgendwann und ich kann meinen Ruhestand so lange es geht mit Reisen füllen usw.
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