Ach, die Zusammenfassung reicht eigentlich: 13 langwierige Geschichten über Schullektüren

Katharina Raskob 08.07.2024, 6:20 Uhr

„Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust.“ Na? Wer weiß noch, aus wessen Feder diese bedeutungsschwangere Aussage stammt? Richtig: Goethe! Aber nur mit Faust gab sich der Deutschunterricht längst nicht zufrieden. Die Verwandlung, Effi Briest, Woyzeck, Wilhelm Tell, Romeo und Julia und wie sie alle hießen, standen hier jahrelang fest auf dem Programm. Wir erinnern uns doch alle noch an die Zeit, als man schmerzlich feststellte, dass sich diese kleinen, gelben Heftchen gar nicht so schnell lesen lassen, wie ihre Größe eigentlich vermuten lässt. Ein Leid, das bestimmt auch aktuelle Schüler*innen noch am eigenen Leib erfahren. Ganz anders hingegen sieht es mit den besten Geschichten über Schullektüren aus, denn die haben garantiert keine Längen. Überzeugt euch selbst!

#1: Vielleicht mal über einen Lektürenwechsel nachdenken?

In der Schullektüre von 1994 sammelt jemand Telefonkarten.
Die 7.Klässler sind vollkommen irritiert, was das wohl sein könnte. Ein Schüler berichtet, seine Oma habe so etwas noch.
Wenn Sie sich mal wieder so richtig alt fühlen wollen:
Werden Sie Lehrer!

#2: Am besten jede Silbe!

Die neue Schullektüre für K1 kostet 24,- €. Ich hab ihm gesagt, er solle bitte jedes einzelne Wort sehr genießen!!

#3: Wenn Goethe das wüsste …

„Hast du die Lektüre für die Schule fertig?“
„Ich habe die neun Minuten Version von Faust auf Youtube gesehen. Mit Lego Figuren. War cool.“
Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an.

#4: Stabil

Mein Vorbild des Tages ist der Student der beim Einstig in den Zug direkt seine Deutschlektüre auf den Tisch legte um danach knapp drei Stunden zu schlafen.
Beim Ausstieg hat er es ungelesen wieder eingepackt.
Der Wille zählt...

#5: Gute Idee

Um wirklich schülernahen Unterricht zu machen, plane ich meinen Unterricht ab jetzt, ohne vorher die Lektüre gelesen zu haben.

#6: ABER WIESO?!
Der Achtjährige befindet sich seit zwei Tagen im Endstadium der Wut, weil er für die Schule eine Buchpräsentation halten muss.
Heute hat er erfahren, dass er das Buch dafür auch lesen muss…

#7: Mathe kann er

K1 hatte heute Schulfest und sollte für den Flohmarkt ein paar Spenden mitbringen. Heute Abend fragte ich nach, was er denn mitgenommen hätte.
Er: "Buch X und Buch Y. Die waren auch total schnell verkauft!"
Ich: :verlegen:
Er: "Was?"
Ich: "Buch Y war von der Schule geliehen!"
Er: :sich_vor_lachen_auf_dem_boden_wälzen::sich_vor_lachen_auf_dem_boden_wälzen::sich_vor_lachen_auf_dem_boden_wälzen:

#8: Gibt’s dafür eine Altersbegrenzung?

Jugendlicher: "Haben Sie ein Buch über halluzinogene Pilze?"
Bibliothekar: "Für die Schule?"
Jugendlicher (empört): "Nein, da mach ich sowas nicht!"

#9: Harte Lektüre

Meine Schüler*innen sollten Lesekisten gestalten. Na? Wer errät das gewählte Buch?

#10: Leider gar nicht so abwegig

Erinnerungen an Buchhändlerzeiten.
Schüler:"ich suche das kleine gelbe Buch "Nazis in Dortmund""
Ich 1. Buchhändlerausbildungsjahr überlege was er meint.
Meine Kollegin klärt mich auf und sagt:"Er meint Narziß und Goldmund in der Reclam Ausgabe"
/o\

#11: Wir sind dafür

12. Klasse, Schüler fragt, ob er seine Note mit einer Buchbesprechung verbessern kann. Was ihm für ein Buch vorschwebe, frage ich. Der kleine Drache Kokosnuss, die Bücher habe er alle gelesen.
Hmmm, ich muss überlegen.

#12: Das kann man ja gar nicht vergleichen

Schüler erzählt von einem Buch, das ihm gut gefällt. Leider kann er den Namen der Heldin nicht aussprechen.
Die Heldin heißt Hanna.
"Aber Pit, wir haben doch sogar eine Hannah in der Klasse!"
"Aber die schreibt man doch ganz anders."
Joa.
Hinten mit "h"....

#13: Wie hat man das damals überlebt?

Seite 1: „So, dann wollen wir mal schauen.“
Seite 20: „Puh... hat ja doch Längen!“
Seite 30: „Mein Gott, erschieß dich endlich!“
Mein Projekt „Schullektüre 25 Jahre später einfach noch mal lesen“ startet und endet abrupt mit Goethes „Werther“.

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