
Während die Gehirne kleiner Kinder so eine Art Hochleistungscomputer sind, lernen Erwachsene ja im Grunde nur noch selten dazu. In der Zeit, in der ich mich mit dem Italienisch-Grundwortschatz auf Duolingo abquäle und an der Aussprache verzweifle, hat mein Grundschulkind bereits die ersten 50 Lektionen Englisch durchgesuchtet, außerdem Schach gelernt und das öffentliche Verkehrssystem dieser Stadt durchgedribbelt.
Deswegen freue ich mich umso mehr, wenn ich feststelle, dass meine zerebrale Versteinerung auch noch nicht gänzlich abgeschlossen ist. Ich habe nämlich in den vergangenen Wochen auch ein neues Wort gelernt. Es heißt: Nein.
Ich will nicht behaupten, ich hätte in den letzten 12 Jahren nie Nein gesagt, aber ich halte schon extrem viel von Ja. Ja, ich bin dafür, Dinge zu tun, Risiken einzugehen und Ideen nachzuspüren. Mich langweilt der Pessimismus, der einen schon zum Aufgeben zwingt, bevor man angefangen hat. Und vor allem glaube ich fest daran, dass man Kindern das vorleben muss, was man von ihnen erwartet. Ob ich auch einfach Angst davor habe, mich mit einem Nein unbeliebt zu machen? Vielleicht …
Bei einem Kind ist ein Ja hier und da zu viel nervig. Bei zwei Kindern ist es anstrengend. Bei meinen Dreien ist es quasi die vollständige Aufgabe meiner eigenen Bedürfnisse. Wer weiß, vielleicht bin auch nur ich nicht besonders leistungsfähig, aber da ich die einzige Mutter bei uns zuhause bin, müssen wir wohl alle mit mir vorliebnehmen. Also habe ich begonnen, Nein zu sagen.
Nein zu: „Können wir heute etwas backen, ein Buch lesen, in den Wald fahren, schwimmen gehen und mich zu einem Freund bringen?“ Wenn ich ihnen nicht beibringe, wie man Grenzen setzt und gegen eine Umwelt verteidigt, die einem permanent die Energie aus Körper und Geist zentrifugiert, wer dann?
Und deswegen gewöhnen wir uns jetzt alle an ein neues Wort bei uns daheim und sagen öfter mal Nein. Außer natürlich zu den Anekdoten aus dem Familienleben.
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