Wie ich lernte, dass ich Frauen Angst mache

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Sicherheit im Alltag: Eine besorgt blickende Frau in Schwarz-Weiß mit einer auffälligen violetten Jeansjacke blickt sich schützend über ihre Schulter um. Neben ihr steht ein ahnungsloser Mann in einem orangen T-Shirt, der verständnislos mit den Schultern zuckt. Das Motiv vor einem blau-violetten Hintergrund visualisiert die Diskrepanz zwischen weiblichem Sicherheitsempfinden und männlicher Unwissenheit.
Joerch, Krakenimages.com, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Irgendjemand besonders Kluges hat mal gesagt: Mit großer Kraft kommt große Verantwortung. Und ich finde, so lässt sich die Rolle ganz gut beschreiben, die wir Männer in der Gesellschaft einnehmen sollten, oder? Denn Dinge, die für uns ganz normal sind, wie nachts durch einsame Parks zu laufen oder eine Taxifahrt mit einem männlichen Fahrer, um nur zwei von Abertausenden Beispielen zu nennen, sind für die meisten Frauen eine potenzielle Gefahr. Jetzt bin ich kein Freund von schwarz-weißen Pauschalisierungen und halte deswegen nicht jeden Mann automatisch für einen Triebtäter. IIch kann aber auch nachvollziehen, dass man als Frau immer automatisch vom Schlimmsten ausgeht. Denn so gut wie jede Frau hat in ihrem Leben bereits in irgendeiner Form sexuelle Belästigung erfahren.

Was kann ich als Mann also tun, um Frauen die Angst zu nehmen? Und wie erziehe ich meinen Sohn zu einem Mann, der sich dieser Verantwortung bewusst ist? Threads-User @kupferholzbart schildert in seiner Geschichte, wie sein Vater es ihm erklärt hat. Man kann nur sagen: Hut ab und gerne nachmachen, aber lest doch einfach selbst.

Es ist 2002, mein Vater und ich sind grad auf dem Weg ins Kino. Uns kommt eine Frau entgegen und ich weiche aus damit sie zwischen uns durch kann. Ihre ganze Körperhaltung verkrampft und sie guckt nervös. Ich bin 17 und verstehe gar nicht was grad passiert ist, aber zum Glück hab ich meinen Vater dabei. Er sieht meine Verwirrung, bleibt stehen und fragt:

"Das war unangenehm für dich, ihre Reaktion zu sehen, oder?", ich bejahte. "Dann überleg dir Mal in was für eine unangenehme Situation wir beide diese Frau grad gebracht haben.' Ich dachte noch lange darüber nach als wir ins Kino gingen, unsere Karten kauften und uns Plätze suchten. Ich drehte mich zu meinem Vater: "Sie war alleine und plötzlich steht sie zwischen zwei fremden, bärtigen Männer die mehrere Köpfe größer sind. Sie hatte Angst. Das wollte ich nicht, Dad."

Mein Vater guckt mich an: "Ich wusste du würdest drauf kommen. Ich liebe dich, mein Sohn.' Und was soll ich sagen? ERZIEHT EURE SÖHNE!!! Und Danke Dad

So nämlich

Mein Sohn ist 25, fast zwei Meter groß, breitschultrig, Dreitagebart. Wenn er abends unterwegs ist und vor ihm läuft eine Frau, wechselt er die Straßenseite.

Unbedingt nicht nachmachen

Cool mein Alter hätte gefragt ob er sie mir klar machen soll. Auch schlechte Beispiele können einem was beibringen. Nämlich wie es nicht geht

Held sein ist eine Einstellungssache

So erziehen wir unsere Söhne auch. Noch nicht nötig, aber sie wissen, was auf Frauen potentiell bedrohlich wirken könnte. Der Große (15) bekam neulich in der Schule mit, wie zwei Schüler ein Mädchen bedrängten. Sie hat ihn nicht bemerkt, aber er hat sich hinter sie gestellt, die Jungs fixiert und stand einfach nur mit verschränkten Armen da. Hat gereicht, die Jungs sind abgezogen. Hätte es nicht gereicht, wäre er anders eingeschritten. Ich find's klasse

Das klingt so schön …

ls Mutter einer Tochter und zweier Söhne hoffe ich inständig, meinen Kindern Empathie und Verständnis als wichtige Grundwerte beizubringen. Bei uns wird schon jetzt ganz offen über viele Themen gesprochen, ob über Diskriminierung, Frauen-/ Menschen-/ Kinderrechte, Periode und Co. Der Mittlere weiß mit seinen 7 Jahren schon mehr darüber, als manch erwachsener Mann...

Harte Schale, weicher Kern

Ich wohne in ner Reihenhaussiedlung. Vor 15-17J lud mein exmann seine Kollegen zum Essen nach Hause ein. Als die fünf aus dem Auto stiegen, guckten die Nachbarn verstört und sahen aus als wollen sie die Kinder ins Haus rufen. Ich rief nur: „alles cool. Die werden Erzieher!". Die waren wie mein exmann und ich Soldaten und am Ende ihrer Dienstzeit. Und die sahen auch aus wie Soldaten. Groß, breit, tw mit Bart, tätowiert

Der zufällige Beschützer

Muss sagen: Ich als Frau als ich damals von der Spätschicht heim bin, war mir auch meist nicht wohl Lustigerweise war aber im Zug immer der gleiche Typ, der in meiner Stadt wohnt Ich kannte ihn nicht, aber wenn er ausstieg, fühlte ich mich wohler, wenn er vor oder hinter mir lief Er lief auch unwissend an meiner Haustür vorbei und so kam ich sicher zuhause an Hatten uns iwann mal zufällig kennen gelernt und hab es ihn gesagt Er fand es gut, dass er mich unwissend sicher Heim gebracht hatte

Wahre Worte

Richtig gut Und wenn wir nun bedenken, dass das Ganze schon knapp 24 Jahre her ist, dann kannst du noch stolzer sein auf deinen Vater. Der hatte schon damals verstanden, was viele Männer bis heute nicht verstehen wollen

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung

Ich habe mal als Jugendlicher nen ziemlich dummen Fehler gemacht. War auf dem Weg zum Bus von meiner Freundin nach Hause. Da fiel mir auf das ich bei meiner Freundin meinen Schlüssel hab liegen lassen. Wollte dann noch schnell zurück laufen um den Schlüssel zu holen, wollte aber auch den Bus nicht verpassen da es der letzte war, bin also losgerant. Leider hab ich die junge Frau vor mir zu spät gesehen, erst als ich schon rannte. Sie hat dann auch angefangen zu rennen. Tut mir heute noch leid

Einmal nachmachen, bitte

Ich wechsel die Straßenseite, nimm eine andere Route oder halte Abstand, damit Frauen nicht von mir eingeschüchtert sind. Ich wirke auf andere bedrohlich und man kann mir nur vor dem Kopf gucken. Aus Anstand und Respekt, damit Frauen ruhiger durch die Gegend laufen können.

Eine kreative Möglichkeit

Ich lief mal Nachts einen schmalen Weg lang. Vor mir eine Frau, ca 5 Meter entfernt. Eine andere Straßenseite gabs nicht. Es war kalt und regnerisch. Ich überlegte, wie ich ihr irgendwie signalisieren konnte, dass ich auch nur nach Hause will, ohne extra langsam laufen zu müssen. Es war wirklich kalt. Also simulierte ich ein Telefonat, in welchem ich meinem Kumpel sagte: "mach schon mal die Playse an, bin gleich on". obs was gebracht hat.

Wie sagt man es ihnen?

Ich wechsele in solchen Situationen auch die Straßenseite und bedauere, dass es viel zuviele "Männer" gibt, die Grund für Ängste sind. Wie so oft ist Mann das Problem. Nur bei denen es eigentlich ankommen sollte, wird diese Erkenntnis nie ankommen.
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