Wie diese Frau einen Einkauf rettete – mit einer kleinen Geste

Drobot Dean, Adobe Stock / Twitterperlen Illustrations

Wohlstand ist ein Begriff mit einem breiten Interpretationsspielraum. Für die einen bedeutet Wohlstand, sorglos den nächsten Urlaub zu buchen. Die nächsten verfügen über ein Millionenvermögen und zählen sich dennoch nicht zur gesellschaftlichen Wohlstandsgruppe. Und wieder andere sehen ihren eigenen Wohlstand in der friedvollen Sicherheit regelmäßiger, warmer Mahlzeiten mit der Familie.

Die Wahrheit ist: Wer Armut selbst erlebt hat, weiß, wie prägend sie ist und ordnet den eigenen Wohlstandsbegriff anders ein als jemand, der sich nie die Frage stellen musste, ob das Geld am Ende des Monats noch für den normalen Einkauf reicht. Dabei gibt es viele Menschen, die hochkonzentriert durch den Supermarkt laufen und hin- und herrechnen, welche Produkte noch ins Budget passen. Das Stigma gegenüber diesen Personen ist hoch. Doch es muss gar nicht viel passieren, um sich in genau dieser Situation wiederzufinden. Ein Jobverlust. Eine Trennung. Eine psychische Erkrankung, die es einem zumindest temporär unmöglich macht, die finanzielle Situation im Griff zu behalten.

Die meisten von uns sind nur ein paar unglückliche Zufälle davon entfernt, selbst mit schwitzenden Händen an der Supermarktkasse zu stehen und zu hoffen, dass das Geld reicht. Das weiß auch Einzelhandelsexpertin und Threads-Userin @lanisleckerecke. Ihr Umgang mit einer verzweifelten Kundin zeigt, wie einfach es manchmal sein kann, Menschen in finanzieller Extremsituation unter die Arme zu greifen.

Letztens hatten wir aufgrund von zwei Krankmeldungen absoluten Ausnahmezustand. Schlangen bis sonst wohin. Eine Mama mit zwei kleinen Kindern bei mir, kleiner Einkauf. Ich scanne, plötzlich sagt sie ganz aufgeregt, dass das Katzenfutter zum nächsten Einkauf gehört. Ich denk mir nichts dabei, nehme die beiden Päckchen wieder raus und sie erzählt mir nebenbei, dass sie zwei Karten hat - auf einer sind noch 10 €, auf der anderen 4 €.

Also nehme ich so viel raus, dass wir unter 10 € kommen. 9,80 € oder sowas. Sie will mit Karte zahlen. „Authentifikation abgelehnt." Nochmal. „Authentifikation abgelehnt." Dritter Versuch. „Authentifikation abgelehnt." Sie wird immer nervöser, guckt zur riesigen Schlange und ist kurz davor, alles stehen zu lassen und zu gehen. Sie zeigt mir sogar ihren Kontostand. Ich gucke sie an und sage: „Ganz ruhig, wir kriegen das hin. Ignorieren Sie die Schlange, jetzt sind Sie dran.

Und dann kam mir der Gedanke: Nimm noch eine Packung Katzenfutter raus. Gesagt, getan. Und tadaaa: Mit 25 Cent weniger funktioniert die Karte. Den zweiten Einkauf eingescannt - exakt 4 €. Und diesmal funktionierte die Kartenzahlung problemlos. Innerlich hab ich schon überlegt, wieviel Geld ich selbst noch dabei habe. Ende des Monats, zwei kleine Kinder - im Zweifel hätte ich den Rest eben selbst bezahlt. Ich hätte sie nicht ohne ihren Einkauf gehen lassen.

Ich kenne solche Situationen selbst viel zu gut. Und wer noch nie in so einer Situation war, kann wahrscheinlich nur schwer nachvollziehen, was für ein Druck das in dem Moment ist. Kassenkrimi erfolgreich beendet.

Reaktionen und Kommentare:

Wahrscheinlich war jede*r von uns schon mal genervt, weil es an der Kasse so langsam voranging. Es ist so einfach, in der mit Kleingeld und verschiedenen Kreditkarten jonglierenden Person nur eine nervige Verzögerung zu sehen – und nicht einen Menschen, der gerade einen Alptraum durchlebt. Für uns wird die Armut eines anderen nur punktuell sichtbar. Aber dieser Mensch nimmt sie mit nach Hause, geht abends mit ihr schlafen und wacht morgens mit ihr auf. Dabei zeigt dieser Thread, wie einfach es sein kann: kein Shaming, einfach nur ein klein wenig pragmatische Unterstützung. Wie gut in dieser Situation ein kleines bisschen Menschlichkeit tut, zeigen auch die folgenden Kommentare.

Das!

Unbekannterweise und Stellvertretend einfach danke Du Engel kühl sein und deine ärmel beim Händewaschen nie herunter rutschen

Armut ist kein Einzelfall

Ich kann mich noch so gut an die Zeiten erinnern, als ich mit Taschenrechner durch den Aldi geschlichen bin. Noch 30€ auf dem Konto und dann diese Angst beim Zahlen, dass ich mich vertan und was vergessen habe, einzutippen. Das prägt einen und vergisst man nie wieder

Diese Geste macht den Unterschied

Ich kenne das leider auch. Ich bin mit 18 ausgezogen, habe vom Kindergeld keinen Cent gesehen und mein ausbildungsgehalt war meist Mitte des Monats leer. habe noch genug Geld, stand ich mit meinem 10€ Einkauf an der Kasse und die Karte wurde abgelehnt.. die Frau hinter mir zahlte mir meinen Einkauf. Ich war ihr so endlos dankbar. Seit dem zahle ich auch mal so etwas wenn Menschen vor mir gerade nicht genug Geld dabei haben.

Jeder kann in eine Notsituation kommen

Ich wollte mal Milchpulver für mein Sohn kaufen und glaub Nudeln und Tomatensauce, war echt nicht viel und iwie war's doch zu wenig gelt obwohl ich mehrfach nachgerechnet hatte. Eine ältere Frau hinter mir meinte nehmen sie alles ich bezahle den Einkauf ich war nur am weinen und sie meinte, geben sie es einer Person zurück die mal die selben Probleme hat. Ich soll mir kein Kopf machen. Hab ich Jahre später auch getan
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