Wie das Handy in einer Beziehung zur Falle wurde

Drobot Dean, kues1, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Hach, muss Liebe schön sein. Gerade zu Beginn einer Beziehung schweben die Verliebten ja meist auf rosaroten Wolken durchs Leben. Dieses Kribbeln im Bauch, das sich wie tausend Schmetterlinge anfühlt. Dazu kommt Herzklopfen und die extra Dosis Dopamin. Die Gefühlswelt irgendwo zwischen wunderschön und irrational. Das Sprichwort, dass „Liebe blind macht“, kommt daher nicht ganz von ungefähr. Denn manche Verliebte ignorieren dabei sämtliche Alarmglocken: Schwächen und Fehler werden „übersehen“, positive Eigenschaften überhöht und der Partner oder die Partnerin so idealisiert, dass die Wahrnehmung der Person eher den Wunsch als die Wirklichkeit abbildet. Das muss nicht, aber kann sehr schnell gefährlich werden und auch in einem ungesunden Macht- oder Abhängigkeitsverhältnis enden.

Die folgende Erzählung der Threads-Userin @katharinaseckauthor zeigt, wie auch das Handy und die Kommunikation mit der Partnerin oder dem Partner rasch zu Manipulation und toxischer Kontrolle führen können – wenn einer der beiden Teile es gezielt darauf anlegt. Eine Situation, die dem oder der Betroffenen Energie raubt und ohne Ende Druck und Stress ausübt.

Das Handy - mit die erste Red Flag eines abusive Partners Ich möchte heute mal auf eines der ersten Warnzeichen einer potenziell gewalttätigen Beziehung zu sprechen kommen: das Handy und die Kommunikation In meiner kurzen Beziehung mit einem narzisstischen Partner wurde ich schon in der Kennenlernphase mit Nachrichten ÜBERFLUTET. Ich bin selbst eine große Verfechterin von konsistenter Kommunikation und halte auch wenig von "Ich melde mich erst in sechs Stunden, um interessanter zu sein"-Games.

Ich möchte mein Gegenüber ja kennenlernen und das funktioniert nun mal über Kommunikation. Deshalb dachte ich am Anfang: "Oh wow, der meldet sich ja oft und auch sofort, voll gut." Dass wir beide im Homeoffice arbeiteten, kam mir als Erklärung auch plausibel vor. Ich merkte aber schnell, dass das Kommunikationslevel extrem hoch war - und selbst mich stresste das zunehmend. Subtil wird man so nach und nach über den eigenen Alltag ausgefragt: Was machst du so? Wo bist du? Mit wem?

Hier wird schnell klar, dass etwas nicht stimmt

Es gab selten mal EINE STUNDE ohne Nachricht. Und nach zwei, drei Wochen kamen dann die ersten Vorwürfe: "Immer melde ich mich zuerst. Nie meldest du dich von allein. Mir ist das wichtiger als dir." Dass die Kontaktfrequenz SO hoch war, dass ich nicht mal einkaufen, meine Eltern/Freund*innen besuchen, ja atmen konnte, ohne dass schon wieder eine Nachricht kam? Dass ich, wenn man ein normales Leben führt, in so kurzer Zeit gar nicht die Gelegenheit hatte, mich zuerst zu melden? Geschenkt.

Step by step wurde es schlimmer. Aus den subtilen Vorwürfen und meinen Erklärungsversuchen, dass das nicht "normal" ist, wurden dann deutlichere Vorwürfe: "Tja, ich muss wohl meine Erwartungen an dich zurückschrauben." Nach dem ersten Date dasselbe mit Telefonaten: Jeden Abend wollte er telefonieren, obwohl die Kontaktfrequenz über Tag ja schon hoch war. Innerhalb weniger Wochen war ich völlig exhausted, weil mein ganzer Tag und all meine Zeit von ihm in Beschlag genommen wurden.

Das Ganze hat System

Dazu zunehmende Kontrolle: Pflicht, Bescheid zu sagen, wann ich wohin fahre, wann ich ankomme, außerdem: "Mir ist es wichtig, dass man sich guten Morgen und gute Nacht sagt." In einer gesunden Fernbeziehung ist sowas schön, aber in so einer dient es der Kontrolle. Gegen Ende der Beziehung habe ich morgens den nächtlichen Flugmodus erst später rausgemacht, um morgens noch ein bisschen Luft zum Atmen zu haben.

Das alles dient nicht der Fürsorge und auch nicht der Kommunikation. Es dient der dauerhaften Überwachung. Jeder Schritt wird kontrolliert, mein Alltag durch permanentes Ziehen meiner Aufmerksamkeit auf ihn bestimmt. Und auch Strafmechanismen wurden darüber abgewickelt. Silent Treatment etc. lassen sich perfekt damit verbinden. Und auch sonst ist das Handy eine große Zufuhrquelle für narzissistische Personen. Man kann prima mit anderen (heimlich) schreiben, sich auf Social profilieren etc.

Fazit: Don't get me wrong: Eine anfängliche hohe Kontaktfrequenz kann natürlich auch andere Gründe haben. Man ist verliebt, will 24/7 in Kontakt sein, sich kennenlernen, das Dopamin kickt. Aber achtet darauf, wohin die Reise geht ... wird man sehr bald überwacht, wird man konditioniert, seine Zeit und Aufmerksamkeit nur auf den Partner zu lenken, wird man von seinem eigenen Leben und seinem Umfeld so stückweise isoliert - rennt.

Das, was sie sagt!

Boah. Mit dem würde ich aber schnell fertig 😵‍💫🤮 ekelhaft

Zum Glück hat sie rechtzeitig den Absprung geschafft

Es ist mehr als eindeutig: Manche Partnerinnen oder Partner sprechen von Liebe, meinen aber vielmehr Macht oder Überwachung. So war es auch im vorliegenden Fall der Threads-Userin. Es sind Beziehungen, die meist recht harmlos beginnen, sich dann jedoch schnell zu einer toxischen Situation entwickeln, in der die Vorstellungen der beiden Partner*innen absolut gegenläufig zueinander sind. Dass dieser Bericht kein Einzelfall ist, zeigen die folgenden Reaktionen anderer User*innen.

Auch das klingt wirklich übel

Wumms, da ist wieder eine Erinnerung da, die noch in einer Schublade fein säuberlich versteckt war. Ja man, du hast so Recht! Bei mir gipfelte es in Kameraüberwachung, wenn er nicht da war (mir sagte er, sie wäre kaputt). Handykontrolle (er erkannte am anderen Vibrieren, wenn ich eine neue App hatte). Eifersucht auf schwule Freunde, mit denen ich die ganze Nacht durchgetanzt hatte (er wollte ja nie).

Ganz klar: Es geht einzig um Kontrolle

Das ist so wichtig, darüber zu schreiben. ❤️ Den letzten Typen habe ich nach 9 Tagen „kennenlernen“ tatsächlich kommentarlos blockiert, darauf wollte ich mich gar nicht erst einlassen. Ich will kein lovebombing, ich will nicht 24/7 zur Verfügung stehen und mit (damals) 31 muss man mich auch nicht mehr erziehen, wie ein kleines Kind. Lass mich atmen!

Seid aufmerksam!

Ich finde es so gut, dass du das teilst. Es fällt oft schwer zu erkennen, was da eigentlich passiert.
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