Warum werden Frauen in der Medizin immer noch nicht ernst genommen?

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Medical Gaslighting und strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Medizin: Auf der linken Seite blickt eine Ärztin in Schwarz-Weiß mit Brille völlig schockiert und ratlos in die Kamera, während sie sich eine Hand an die Wange schlägt. Sie trägt einen leuchtend blauen Kasack und ein Stethoskop um den Hals. Auf der rechten Seite steht eine junge Patientin in Schwarz-Weiß, die mit geschlossenen Augen und schmerzverzerrtem Gesicht erschöpft die Hand an den Kopf legt. Sie trägt eine knallgelbe Halskrause und ein leuchtend pinkes T-Shirt. Weiße Fragezeichen-Icons und das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert das frustrierende und oft gefährliche Phänomen, wenn Frauen mit starken Schmerzen im medizinischen System nicht ernst genommen oder ihre Symptome verharmlost werden.
luismolinero, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Dieser Beitrag thematisiert medizinische Fehlentscheidungen und den Tod. Falls solche Inhalte belastend für euch sind, dann lest lieber einen anderen Beitrag auf unserer Webseite.

Medizin gilt gern als objektiv, faktenbasiert und für alle gleichermaßen gültig. Doch ein genauerer Blick zeigt, dass viele Grundlagen, Studien und Leitlinien sich historisch stärker am männlichen Körper orientieren. Symptome, Verläufe und sogar Dosierungen von Medikamenten wurden lange primär daran ausgerichtet. Leider mit der Folge, dass Abweichungen davon schneller als unklar, unspezifisch oder eben weniger dringlich eingeordnet werden.

Für Frauen kann genau das zum Problem werden. Denn Beschwerden äußern sich bei ihnen oft anders, werden aber durch die gleiche medizinische Brille betrachtet. Was nicht ins gewohnte Muster passt, wird weniger hinterfragt und vielmehr relativiert. Und als wäre das nicht genug, kommen dazu stereotype Zuschreibungen – Frauen seien empfindlicher, emotionaler, weniger belastbar – die sich, bewusst oder unbewusst, in medizinische Einschätzungen einschleichen können. Das ist selten eine böse Absicht, dafür aber ein strukturelles Thema. Und zwar eines, das Folgen hat: verzögerte Diagnosen, unnötiges Leid und im schlimmsten Fall ernsthafte gesundheitliche Risiken. Gerade deshalb braucht es mehr Sensibilität, mehr Forschung und ein Umdenken in der Praxis, was auch die Geschichte von @kolleginschnurschuh zeigt.

Meine Patientin kam nach einem Sturz ins Krankenhaus. Sie hat sich literally das Genick gebrochen, also den zweiten Halswirbel. Ihre Symptome waren Kopfschmerzen und sie wurde bis ein CT gemacht wurde 3 mal bon verschiedenen Ärzten gefragt ob sie villeicht nur Migräne hat. So Kopfschmerzen sollte man ja auch nicht überbewerten. Sie ging zu Fuß mit gebrochenem Genick in die Notaufnahme und bekam da gesagt, man müsse auch mal was aushalten können. Aber ja wir Frauen sind immer so empfindlich.

WTF

Ich bin mit 20% Pumpleistung selbstständig in die Notaufnahme gelaufen, weil mein Mann (jetzt Ex-Mann) meinte, er müsse arbeiten und ich könne ja nicht wegen jedem Scheiß ins Krankenhaus gehen. Der Hausarzt, bei dem ich zu der Zeit war, hatte vorher trotz auffälligem EKG gesagt, ich sei viel zu jung für einen Herzinfarkt und solle mich mal 3 Tage ins Bett legen. Hätte ich das getan, wäre ich mit 36 gestorben - 12 Jahre her. 🖕

Himmel, das tut uns sehr leid

Muss ich aber mal in Breche springen: In der Medizin wird besonders nach Geschlecht, aber auch nach Alter diskriminiert. Als mein damals 20-jähriger Partner mit einem Aneurysma ins KH kam, hat der Arzt in der NA erstmal die Welt abtelefoniert, um in Erfahrung zu bringen, ob er Drogen genommen hat. Als ich das verneinte ließ er nicht locker. In der zwischenzeit ist das Aneurysam geplatzt. Er hat es nicht überlebt.

Wäre also vermeidbar gewesen …

Frag uns Männer mal: So eine Männergrippe ist lebensgefährlich! Aber mal ernsthaft: Ich habe es selber erlebt. Meine Mutter ist damals wegen ihrem Parkinson mit dem Gesicht auf die Ecke vom Türrahmen gestürzt. Platzwunden, Prellungen usw. Der Arzt hielt es nicht für notwendig ein MRT zu machen! Genau eine Woche später ter war sie Tod. Die Autopsie ergab das sich ein Blutpropfen gelöst hat, der beim MRT festgestellt worden wäre!

Wann werden Frauen endlich ernst genommen?

„Nicht gleich hysterisch werden“, ist ja nur … lebensgefährlich! 😤

Unglaublich

Wie viele Frauen jedes Jahr sterben, weil sie einen Herzinfarkt hatten, aber die Symptome nicht männlich waren und als orthopädisches Problem oder überempfindlichleit abgetan werden... hab das selbst in der Pflege erlebt. Frauen werden heute medizinisch leider immer noch bei Symptomen an männlichen Standards gemessen, aber wenn es um Schmerzen geht sollen wir ibu nehmen, abnehmen und überhaupt- wann war die letzte periode? Während Männer bei mimimi die volle Dröhnung bekommen...

Aber Frauen sind ja einfach nur "zu empfindlich" …

Meine Mutter ging mit Übelkeit und Schmerzen im Oberkörper und in die Arme ziehend zum Arzt. Bekam ein Rezept mit MCP Tropfen gegen die Übelkeit und ein Antidepressivum. Das holte sie sich in der Apotheke ab und dann fuhren wir nach Hause. 5 Stunden später fand meine 9jährige Tochter sie tot im Badezimmer. Sie wurde gerade 54 Jahre alt!

Es gibt noch viel zu tun

Als ich mit 37 mal nachts aufwachte und dachte „öh, was ist das glitschig hier“, hatte ich einen Blutsturz. Hab erstmal saubergemacht. Bin dann selbst mit dem Auto ins KK. 😄 Notausschabung. Ich wollte dann endlich eine Hysterektomie, was erst klappte, als ich eine neue Gyn hatte. Bis dahin „Mit Ende 30 entfernt man keine Gebärmutter.“ Doch. Hat dann ein Mann gemacht. Glücklicherweise. Frauen werden nicht nur nicht erbst genommen. Sie dürfen im Zweifel auch nicht über ihren Körper entscheiden. 😞

Immerhin etwas

Vor zwanzig Jahren haben zwei (!) Frauenärzte es nicht geschafft, meine Eileiterschwangerschaft zu diagnostizieren. Ich war anämisch, völlig kaputt, hatte Schmerzen in der linken Leistengegend, wollte eine Ibu nehmen und nur noch ins Bett. Hätte mein Freund sich nicht durchgesetzt und mich in die Notaufnahme gebracht, wäre ich nicht mehr hier. Habe geklagt. Und gewonnen.

Das ist wirklich schrecklich

Bei einer 'Patientin' im Labor (ist auch die Bekannte einer Kollegin) wurde Freitags ein erhöhtes Troponin gemessen, wir haben den Hausarzt informiert. War ihm wohl nicht hoch genug, er hat sie für Montag noch mal einbestellt. Montagmorgen noch mal Blut abgenommen. Danach ging's ihr so schlecht, dass sie im die ZNA gegangen ist, die sie aber trotz des Befundes weggeschickt haben. Bevor unser Wert fertig war (er war 1000 Fach erhöht) würde sie vor dem KH tot im Auto gefunden.

Da würde ich mich aber Beschweren

Vor paar Wochen hat meine Frauenärztin bei einer Kontrolle unangekündigt (!) eine Gewebeentnahme aus der Gebärmutter vorgenommen. Die Schmerzen waren unbeschreiblich doch sie meinte „oh das geht doch gleich wieder ist nicht so schlimm“ bin danach mit höllischen Schmerzen zur arbeit und hab für den Rest des Tages gearbeitet… hab erst später gelesen, dass eine solche Gewebeentnahme aus der Gebärmutter unter kurzer VOLLNARKOSE gemacht wird, weil das so schmerzhaft ist.

Geht doch …

Oh ja. Ich war mal in der Klinik genau vor dem Schwesternzimmer zusammengebrochen weil ich selber und zu Fuß nach einer OP zum Röntgen laufen musste einen Stock höher. Dann gings nicht mehr, saß aufm Boden und wurde von so einem Drachen in weiß angefaucht ich solle gefälligst aufstehen. Was mir einfiele. Erst war ich echt platt, dann wütend, dann hab ich sie echt laut angebrüllt. Wortlaut sag ich lieber nicht. Wie aus dem nix war ein Rollstuhl da und 30 Min. später der Chefarzt zum beschweren.

Auch wahr

Braucht ja bei Frauen noch nicht mal so was krasses .guckt mal wie es nach einem Kaiserschnitt läuft .das würde man anderen nach einer Bauch -OP nicht zumuten

Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert …

like.a.baus 3 Tage Ich habe mir den Rücken 5-fach gebrochen. Wegen Corona durfte mich niemand begleiten. Meine Schmerzen wurden nicht ernst genommen War bei zig Untersuchungen und musste immer selbstständig dorthin laufen. „Vielleicht haben sie sich etwas gestaucht“. Als ich zur Besprechung der Röntgenbilder gerufen wurde, bin ich ins Zimmer gelaufen und wurde angeschrien, was das soll. Ich solle mich setzen und so wenig wie möglich laufen. Splitter im Rückenmark, wenn der verrutscht wäre ich querschnittsgelähmt.
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