Warum es nicht wichtig ist, wie lange man einen anderen Menschen kennt

Emotionale Collage zum Thema Trauer, Verlust und Mitgefühl: Auf der linken Seite sitzt eine Frau in Schwarz-Weiß, die einem neben ihr sitzenden Mann tröstend und fürsorglich die Hand auf die Schulter legt. Sie trägt eine leuchtend blaue Bluse. Der Mann, ebenfalls in Schwarz-Weiß, trägt ein farblich passendes leuchtend blaues T-Shirt. Er blickt tief traurig nach unten und schlägt sich voller Trauer eine Hand vor das Gesicht. Weiße Icons – eine verwelkende Blume und ein Grabstein mit der Aufschrift "RIP" – sowie das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert die Themen Abschied, Trauerbewältigung und den Schmerz über den Verlust eines Menschen aus dem direkten Umfeld.
VK Studio, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Kennt ihr eigentlich eure Nachbarn? Die Antworten auf diese Frage dürften – je nach Wohnort – unterschiedlich ausfallen. Während man auf dem Dorf sowieso mit allen „per Du“ ist und sämtliche Stammbäume bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen kann, schaut das in unseren Städten schon ganz anders aus. Vor allem in Großstädten läuft das Leben unter Nachbarn meist deutlich anonymer ab. Mit Glück hat man „den oder die von oben“ schon irgendwann mal gesehen, wenn auch nur flüchtig. Oder man trifft sich zufällig mal an der Mülltonne im Hinterhof. Aber kennen ist meist zu viel gesagt. Häufig lebt dort jeder sein Leben, ohne groß Kenntnis von den anderen zu nehmen. Schade eigentlich. Denn Nachbarn sind meist wirklich etwas Wunderbares – ganz besonders für Menschen, die alleine sind und sonst niemanden haben.

In ihrer Geschichte berichtet Threads-Userin @nicolettapippolina von einem Nachbarn, den sie erst viel zu spät kennengelernt hat. Der nun verstorben ist, aber dennoch seine Spuren in ihrem Leben hinterlassen hat. Und nicht nur das. Ein Appell, Menschen nicht alleine zu lassen.

Im Dezember ist mein Nachbar verstorben. Er lebte sehr zurückgezogen. Anfang Oktober dann die Diagnose Krebs. Er schrieb uns anderen eine E-Mail mit dem Betreff „This is the end“ und so war es auch. Wir hier im Haus waren uns einig, dass er nicht alleine sterben muss und so besuchten wir ihn so oft es uns möglich war. Wir haben nichts verschwiegen, gelacht, geweint, waren dankbar für den Seelsorger, für ihn und für uns. Anfang Dezember sind wir für eine Woche in den Urlaub und ich habe ihm

versprochen, belgische Schokolade mitzubringen. Samstags kamen wir zurück, wenige Stunden später klingelte seine Nichte. Er war einen Tag vorher verstorben. Er fehlt noch immer hier im Haus. Jeden Tag, an dem ich an seiner Tür vorbei gehe, fehlt er. Dabei waren wir erst seit Anfang des Jahres enger miteinander. Nach 6 Jahren, die wir uns nur die Tageszeit sagten. Jedenfalls durften wir alle uns Dinge aus seiner Wohnung nehmen, damit sie nicht entsorgt werden mussten. Ich habe seinen Schreibtisch

Midcentury, Standard, kein Designermöbelstück und auch einige Kratzer. Aber ich könnte nicht stolzer sein. Und so bleibt noch viele Jahre ein Teil von ihm in diesem Haus.

Er durfte sich glücklich schätzen

Ich wollte sowieso gerade weinen 😭 es freut mich, dass ihr ihn in seinen letzten Wochen begleitet habt und er mit dem Wissen, wirklich wahre Freunde gehabt zu haben, gestorben ist. Alles Gute für euch und R.I.P. unbekannter Nachbar ♥️
Das war erst schon komisch. Man denkt immer, man begleitet die nächsten Angehörigen oder enge Freunde. Und dann macht das Leben sowas. Plötzlich begleitet man einen fast Fremden und wird in den letzten Tagen zu Freunden, wo man die intimsten Ängste und Gedanken vor dem Tod miteinander teilt.

Manche Menschen sind die Lichtblicke in den dunkelsten Stunden

Das ist wunderbar. Ich bin ehrenamtliche Sterbebegleiterin und weiß, dass er nicht umsorgter hätte sterben können. Vielen Dank! Gottes Segen!

Besser hätten wir es auch nicht ausdrücken können

Was seid ihr für tolle Nachbarn. Ihr habt ihm etwas geschenkt, was mit Geld oder Geschenken nicht aufzuwiegen ist. Nämlich Nähe, Empathie, Zeit, Menschlichkeit, und vieles mehr. Und durch die Gegenstände, die nun in Euren Wohnungen sind, bleibt er, wie Du schon sagtest, noch lange unvergessen. Einfach fantastisch 🫶✨️✨️✨️💕
Aber auch er hat uns was gegeben. Er hat uns teilhaben lassen an seinen schwersten Stunden, seinen Ängsten und Sorgen. Obwohl er nie engen Kontakt zu Anderen gesucht hat. Sicherlich auch für ihn eine große Herausforderung. Ich glaube, wir alle haben viel mitnehmen dürfen aus dieser Zeit.

Manchmal muss man sich gar nicht kennen

Ich bin ehrenamtler in einem Pflegeheim und gehe dort viel zum Vorlesen und einfach reden zu den Leuten die kein Besuch bekommen. Hab lange ein Ehepaar besucht. Als der Mann im Sterben lag ,habe ich die Wache übernommen. Genau in dieser Zeit ist er gegangen. Und alle sagten mir das er es nur bei mir konnte, einfach in Ruhe und Frieden gehen. Wir kannten uns noch garnicht so lange und trotzdem, für mich war das sehr bewegend und ich fühlte mich sehr geehrt dadurch.

Das fragen wir uns auch …

Wie schlimm muss das sein mit solchen Problemen alleine zu sein? Ich muss leider auch sagen dass ich mitten in Berlin nicht einen meiner Nachbarn kenne. Ich weiß nichtmal wer neben mir wohnt...und ich wohne schon 5 Jahre in der gleichen Wohnung.
Wir leben auch in einer Stadt, aber möglicherweise sind hier im Haus einfach ein paar Faktoren, die es dazu kommen ließen. Von den 7 Parteien sind 4 Wohnungen von den Eigentümern bewohnt gewesen. Daher haben wir schon immer gelegentlich miteinander gesprochen. Meistens halt in Bezug aufs Haus. Aber wenn ich Kuchen gebacken habe, habe ich auch immer welchen im Haus verteilt. Das hilft beim Kontakt knüpfen.
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