Max ist arm

Erwachsene Person hält ein nachdenkliches Kind tröstend im Arm vor einem bunten, grafischen Hintergrund mit Schul- und Geldsymbolen.
Mediaphotos, Adobe Stock / Twitterperlen mit KI

Wir müssen mal wieder über Geld sprechen. Oder besser darüber, wie es ist, wenn Geld fehlt. Denn jedes siebte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet. (Statistisches Bundesamt 2025) In jeder Klasse oder Kindergartengruppe macht das drei bis vier Mädchen oder Jungen. Plus, Minus.

Wenn das Thema für euch abstrakt ist, habt ihr vermutlich einfach Glück, schon immer in geregelten Einkommensverhältnissen zu leben. Also lasst es uns ein bisschen konkreter machen: Armut heißt Eltern, die sich Sorgen machen und Kinder, die Angst haben, mit Wünschen und Bedürfnissen auf sie zuzugehen. Es bedeutet, nicht mit den Freundinnen und Freunden ins Kino zu gehen oder Vereinshobbys zu haben. Armut ist die Sorge vor der nächsten Klassenfahrt oder das Wissen, dass die Jacke noch ein Jahr halten muss, egal ob man wächst oder sie nicht mag.

Wahrscheinlich denken viele, dass unser reiches Land Prozesse und Lösungen für diese Probleme hat. Das mag zum Teil auch stimmen, aber wir alle wissen, dass nicht jeder in der Lage ist, sich darum zu kümmern. Am wenigsten die Kinder selbst – und vor allem die sind die Leidtragenden. Was also tun, wenn wir Armut sehen? Threads-Userin@svenja.b.punkt hat es vorgemacht und ich finde es großartig!

Ein Max in jeder Klasse

TB in die damals 2. Klasse meines Sohnes. Er kam aus der Schule und erzählte:"Max hat immer noch keine Hefte und Mappen. Manche Kinder ärgern ihn deswegen. Aber er kann doch nichts dafür!" Er erzählte das bereits zum 3. Mal. Ich sprach die Lehrkraft darauf an. "Max Mutter weiß, dass noch einiges fehlt. Sie sagt seit Wochen, dass sie es nachreicht aber...der Familie geht es nicht so gut!" Ich sagte zur LK:"Bitte schicken Sie mir eine Liste mit den fehlenden Sachen."
Am nächsten Tag habe ich mehrere Hefte, Mappen und Stifte in die Schule gebracht! Ich lies die Dinge von der Lehrkraft übergeben,mit dem ausdrücklichen Wunsch, NICHT zu sagen, von wem das kommt! Das war nicht wichtig. An diesem Mittag erzählte mein Sohn, dass Max nun endlich alle Hefte hat und ganz glücklich war! Und diese Situation erinnert mich immer wieder daran, dass Benachteiligung nicht verschwindet, indem wir sie ignorieren!
Wer jetzt erklären möchte, dass es für sowas Gelder gibt, die beantragt werden können: Die gibt es, ja! Aber oft werden einem genau da Steine in den Weg gelegt!

Richtig gute Sache

An unserer GS gibt's dafür einen Spendentopf. Wenn die LK bemerkt, dass Material fehlt, wird es besorgt und daraus bezahlt.

Sollte Schule machen

Das ist oft der schnellste und beste Weg. Die Rektorin unserer Grundschule hat für sowas einen Fundus, den man mit Spenden bestücken kann. Etwa mit Heften, deren Lineatur beim eigenen Kind fürs nächste Schuljahr nicht mehr passt. Das ist eine gute Sache, finde ich.

Danke fürs Hinsehen

Als meine große noch in der Kita war hatte ich eine geheime Pamperspartnerschaft e hab auf meine Tochter gewartet und hab mit bekommen das eine junge Mama Probleme hatte neue pampers mit zu bringen(Trennung usw) also habe ich meine bestellung erhöht und jeden Monat eine Monatspackung mit Namen des Kindes versehen auf den Platz gestellt.Die Erzieherin hat mitbekommen das es von mir ist aber Stillschweigen bewahrt. Nach ca 7 Monaten habe ich einen sehr herzlichen Brief erhalten,das war es wert

Können wir das normalisieren?

Hatten einen Jungen im Fußballverein, der zuhause auch in prekären Verhältnissen lebt. Bei einem Spiel im November, wo es orkanartig geregnet hat und a***kalt war, ist er kurzärmelig dagestanden, weil er keine Unterzieher hatte. Bin den nächsten Tag los und habe alles für ihn besorgt. Schei* auf die paar Euro, ich kann kein Kind frieren sehen.

Ein kleiner Schritt für uns, ein großer Schritt für die Menschheit

Ich glaube oft sind es diese "kleinen" Gesten und Hilfen, die dazu helfen können, das Leben und die ganze Zukunft mit ins Positive zu bringen.

Langfristig keine Lösung, aber kurzfristig einfach nur stabil

Ich war auf einer Sonderschule...wenn jemandem für einen (kleinen ) Ausflug, also so 10/15 Mark ... haben alle anderen eben Zuhause ne Mark geklaut • •• Keiner musste deswegen auf den Ausflug verzichten...

Kinder an die Macht

Mein Sohn kam letztens von der Schule und hat gesagt, heute wäre noch extra Geld vom Chip runtergebucht worden, weil er für einen Freund etwas zu essen am Kiosk gekauft habe, er würde mir das vom Taschengeld wieder zurück geben. Musste er natürlich nicht. Ich fand es gut, dass es ihm aufgefallen war und er sich darum gekümmert hat, dass sein Kumpel was isst und habe ihn noch bestärkt, da auf jeden Fall aufmerksam zu bleiben

Woher auch noch die Kraft dafür nehmen?

Dieses ganze Antragsprozedere ist vor allem für die meisten mit Scham behaftet. Sei es der Antrag fürs Schulmittagessen, Zuzahlung für Arbeitsmaterial oder ein Ausflug, immer muss minutiös die eigene Zahlungsunfähigkeit nachgewiesen werden.

Mehr Moral als so manche*r Erwachsene

In der Klasse meines Enkel gibt es auch einen Jungen der kein Frühstück mit hat. Irgendwann fing mein Enkel an und wollte seine Brotdose selber machen. Meine Tochter hat ihn dann mal beobachtet und bemerkte das er viel zu viel machte und einige Dinge in eine Tüte packte. Auf Nachfrage gestand er das er diesem Kind immer Essen mitgebracht hat. Meine Tochter kaufte dann eine eigene Brotdosen und Trinkflasche und jetzt macht er es nicht mehr versteckt. Ich bin so stolz auf diesen Jungen.

Es braucht Leute, die hinsehen

als lehrerin sage ich mal stellvertretend ein großes danke. in jeder klasse gibt es einen max (oder mehrere). würde mir natürlich angenehmere lösungen wünschen und habe selbst auch zusätzliche ausgaben für bestimmte workbooks usw reduziert, aber ja, wirklich lieb und aufmerksam!

Wir alle könnten Max sein

Ich war Max. Er weiß es zwar nicht, aber das bedeutet Menschen wie uns die Welt. Ich konnte mir immer nur jedes zweite Buch leisten und musste daher in Deutsch immer improvisieren. Hab den Taschenrechner (~100€) nicht schnell genug zusammengespart und alles auf dem Zettel gemacht und ne 6 geschrieben und sitzen geblieben. Mit Taschenrechner hats dann für Leistungskurs Mathe gereicht. War aber auch drei Mal die Woche arbeiten dafür.
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