„Manchmal weiß sie nicht, wer ich bin …“

Moderne Grafik, die den emotionalen Schmerz bei schleichendem Gedächtnisverlust darstellt. Ein Mann tröstet seine Partnerin, was die große emotionale Belastung für Angehörige von Demenzkranken zeigt. Ideal für tiefgründige Blogbeiträge über Alzheimer, das Bewahren von Erinnerungen, Pflege und familiären Zusammenhalt in schweren Zeiten.
Lumos sp, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration mit KI

Erinnerungen wirken oft so selbstverständlich, dass man vergisst, sie im Laufe der Zeit immer mal wieder wertzuschätzen. Dabei begleiten sie uns durch den Alltag, tauchen manchmal auf, wenn wir einen bestimmten Geruch wahrnehmen, ein Lied hören oder einen uns vertrauten Ort betreten. Und ganz ohne groß darüber nachzudenken, wissen wir, wer wir sind, wen wir lieben und welche Geschichten wir mit anderen Menschen teilen. Doch wie fühlt es sich an, wenn genau diese Erinnerungen langsam verschwimmen? Wenn Namen plötzlich fremd klingen, Gesichter nicht mehr sofort erkannt werden können und sich vertraute Momente in Nebel auflösen?

Genau das kann bei Demenz nämlich passieren. Für viele Familien bringt die Krankheit genau diese Veränderungen, die nach und nach in den Alltag treten – anfangs oft unspektakulär, nach und nach aber mit einer Wucht, die man erst viel zu spät begreift. Und trotzdem gibt es die kleinen Augenblicke noch, in denen bei den Betroffenen etwas Vertrautes zurückkehrt. Ein Satz, eine Geste, ein Geruch oder eine scheinbar unbedeutende Gewohnheit, die plötzlich eine Tür öffnet, die eigentlich schon längst verschlossen geglaubt war. So wie in der berührenden Geschichte von Threads-Userin @live_love0810.

Ich saß heute im Wartezimmer beim Arzt. Helles Neonlicht. Neben mir ein Mann. Auf seinem Schoß eine Brotdose. Grün. Mit Kratzern am Rand. Er hielt sie fest, beide Hände darum, als würde sie weglaufen. „Auch wegen der Werte hier?“, sagte er irgendwann zu mir. Ich nickte. Smalltalk im Flüsterton. Er öffnete die Dose kurz. Zwei belegte Brote. Fein geschnitten. Ohne Rinde. Gurke, Käse.. „Sie mochte es nie, wenn die Ränder dran waren“, sagte er.

"Hat sie immer zuerst abgeschnitten.“ Er lächelte, „jetzt mache ich das.“Ich fragte nicht. Er erzählte trotzdem. „Meine Frau ist im Pflegeheim. Seit drei Jahren.“ „Demenz.“ Das Wort fiel leise, aber schwer. „Manchmal weiß sie nicht, wer ich bin.“Er sah auf die Brote. „Manchmal hält sie mich für ihren Bruder.." Er atmete durch. „Aber wissen Sie …“ Er klopfte leicht auf die Dose. „Wenn ich das hier auspacke, dann schaut sie ganz genau hin.“

„Dann sagt sie: "Du hast die Gurke wieder zu dick geschnitten. Ein kleines Lachen. „Und plötzlich weiß sie es wieder.“ Stille. „Nicht lange“, fügte er hinzu. „Manchmal nur ein paar Minuten.“ „Aber in diesen Minuten“, sagte er leise, „bin ich wieder ihr Mann.“ „Nach dem Termin fahre ich zu ihr“, sagte er..Und ich blieb zurück mit dem Gefühl, dass Liebe manchmal nur aus Gurkenscheiben besteht – und aus ein paar geliehenen Minuten Erinnerung♥ 3 / 3

Kommentare und Reaktionen:

Uff, diese Begegnung berührt uns zutiefst. Wer schon einmal Erfahrungen mit Demenz gemacht hat, weiß, wie schwer das für die Betroffenen und ihre Angehörigen sein kann. Auch die anderen Userinnen und User bringen ihre Anteilnahme zum Ausdruck.

Für einen kurzen Augenblick war er wieder ganz der Alte

moniweiblich 5 Tage Ich habe es erlebt , mein Mann mit Alzheimer Demenz erkannte mich auch nicht mehr . Nur in seinen hellen Momenten wusste er wer ich bin ,mein Herz schmolz dahin , wenn er sagte ich liebe dich. In diesen Momenten war ich wieder seine Frau 😢😢😢❤️❤️

Wirklich herzzerreißend

Nö, ist okay, ich wollte gerade eh weinen 🥲

Wir weinen alle nicht

Ich weine gar nicht du weinst

Eine wirklich schlimme Krankheit

Mein Vater hatte Demenz. Anfangs war ich plötzlich wieder die ganz Kleine. Erwas später die Fremde. Irgendwann hat er nicht mal mehr richtig hergeschaut. Das tat sehr sehr weh. Aber er hatte noch ganz viel Gefühl. Wenn er lachte dann war ich sehr glücklich. Dann wußte ich irgendwas in seiner neuen mir unbekannten Welt hat ihn erheitert. Das hat mich getröstet.

This!

Ich arbeite in der Demenzforschung und ich kann nur bestätigen, was Rosenstolz einmal so schön sagte: „Liebe ist Alles!“ ❤️

Manchmal braucht es eben nur das

anke dass du zugehört hast! 🫂

Die kleinen Momente wertschätzen

Meine Oma hat auch Demenz, es war sehr schwer am Anfang. Jetzt denkt sie manchmal ich bin Ihre Tocchter (meine Mutter), die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu uns hat. Es macht mich trotzdem glücklich, dass meine Oma sich wieder mit Ihrer Tochter versteht, auch wenn ich weiß, dass es nur eine Illusion ist.

Respekt an alle Pflegerinnen und Pfleger!

Ich arbeite in einem Altenheim und erlebe es jeden Tag 😊
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