Keiner aus meiner Familie weiß Bescheid

Moderne Grafik eines Mannes, der sichtlich unter psychischem Druck und Stress leidet. Die Illustration fängt die Isolation durch fehlendes familiäres Verständnis ein. Ideal für Blogbeiträge über Mental Health, ADHS im Erwachsenenalter, toxische Eltern und den Umgang mit Jobverlust.
Nicholas Felix/peopleimages.com, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration mit KI


Ein junger Mann verliert durch eine psychische Erkrankung seinen Job und traut sich nicht, mit seiner Familie ehrlich darüber zu sprechen.
Eigentlich will man als Eltern ja immer nur das Beste für die Kinder. Man rackert sich einen ab und fährt sie von A nach B, sodass man irgendwann nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Sportvereine, Musikinstrumente, vielleicht noch die ein oder andere Nachhilfe und bloß nicht die sozialen Kontakte vernachlässigen! Der Druck ist groß und die Zeit ist knapp. Und wofür das alles? Damit das Kind glücklich wird? Ist das wirklich der Grund? Oder damit wir unseren Plan für die Kinder verwirklichen? Und was passiert, wenn sie diesem nicht entsprechen, wenn sie erwachsen sind?

Die heutige Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der durch einen Burnout seinen Job verliert. Was genau passiert ist? Lassen wir ihn doch mal erzählen:

Ok-Faithlessness8700

Ich bin seit September wegen Burnout im Krankenstand und seit Januar offziell arbeitslos. Aus meiner Familie weiß das niemand. Alles, was ich in meinem Leben angefangen habe, habe ich hingeschmissen. Studiengänge und Jobs, von denen der längste 3 Jahre ging. 1/4


Das klingt zum einen nach einem bewegten Leben und zum anderen, als würde er dringend jemanden brauchen, mit dem er seine Ängste und Sorgen teilen kann. Denn manchmal reicht es ja schon aus, wenn man sich einfach mal aussprechen kann. Aber wieso sagt er es niemandem aus seiner Familie? Hier erzählt er, warum:

Ok-Faithlessness8700

Beim letzten Mal musste ich vorübergehend bei meinen Eltern einziehen und wurde von meinem Vater (Akademiker) behandelt wie der letzte Dreck. Asozialer Parasit war noch das Netteste, was ich zu hören bekam. Für ihn zählt man als Mensch nur, wenn man arbeitet und das je mehr und je länger, desto besser. Er selbst arbeitet in der Rente noch weiter und bindet es jedem auf die Nase, wieviele Dienste er doch macht. 2/4

Für uns hört sich das nach einer sehr toxischen Umgebung an, einer, in der man keinesfalls seine Verletzlichkeit zeigen will, weil man auf keinerlei Verständnis hoffen kann. Aber wieso ist das so? Ist es eine Frage der Generation? Vielleicht wurden sie alle ebenso kalt von ihren eigenen Eltern behandelt. Man könnte meinen, dass man es gerade dann besser machen wollen würde, aber weit gefehlt, wie die Geschichte zeigt:

Ok-Faithlessness8700

Bei jeder Gelegenheit wird über die Parasiten geschimpft, die das System ausnutzen. Meine Schwester zieht ihm mittlerweile gleich und vertritt zusätzlich noch die Meinung, dass die Jugend einfach nicht mehr arbeiten will und wenn, dann nur zu utopischen Bedingungen (Teilzeit, Homeoffice, faire Entlohnung). Meine Mutter ist da noch die harmloseste, wenn auch nicht erfreut. Psychische Krankheiten existieren für meine Familie nicht und schon garnicht hat irgendjemand mal was falsch gemacht. 3/4

Dass jede schlechte Geschichte aber auch irgendetwas Gutes haben muss, lässt uns die Hoffnung nicht ganz verlieren. Und auch in diesem Fall bringt die Diagnose Dinge ans Licht, die dem jungen Mann einen Funken Hoffnung für sein weiteres Leben geben.

Ok-Faithlessness8700

Wie auch immer, durch mein Burnout wurde bei mir bis dato undiagnostiziertes ADHS entdeckt und das gibt mir tatsächlich einen Hoffnungsschimmer, dass es besser wird. 4/4

Kommentare & Reaktionen

Die Kommentare sind überwältigend und bestärken den jungen Mann in allen Belangen. Man sollte sie fast ausdrucken und der Familie unter die Nase halten.

Das bringt es auf den Punkt

ifonlyIunreddit

Oh man, das tut mir unendlich leid für dich. Ich weiß genau, wie es ist, manche Dinge innerhalb der Familie nicht offen aussprechen zu können weil das Verständnis, fehlende Bildung, veraltete Stigmen oder irgendwelche religiösen Parameter das nicht zulassen.

Bei spät diagnostiziertem ADHS, Autismus etc . ist eine „problematischere Berufs- oder Schullaufbahn“ eigentlich einer der größten, für die Außenwelt sichtbaren, Indikatoren. Das gehört quasi zum Krankheitsbild und sollte dir Verständnis eröffnen von der Außenwelt weil es deinen „holprigen Lebensweg“ erklärt.

Stattdessen wirst du nur noch mehr geshamed und geblamed. Ich kenne das selbst und spreche aus Erfahrung. Meine späte Diagnose hat mir diesbezüglich wenigstens den Selbsthass genommen weil ich mich lange für den „Fehler“ hielt. 1/2

ifonlyIunreddit

Es ist unglaublich schade, dass deine Familie dich verurteilt statt dich zu unterstützen. Eine „psychisches Leiden“ ist eine neurologische Erkrankung und damit mMn genau so eine organische Erkrankung wie ein krankes Herz oder eine kranke Leber, nur dass es eben das Gehirn betrifft.
Man wirft doch Menschen, die im Rollstihl sitzen auch nicht vor, dass sie sich nur zu blöd für den Hindernislauf anstellen! Wichtig ist, dass du deine offiziell anerkannte Diagnose hast und dir Hilfe holst. Du musst dich in diesem Fall überhaupt nicht schlecht fühlen, dass du ihnen nicht die Wahrheit sagst. Du fühlst dich nicht verstanden, daher ist dein Schweigen verständlich.

Fühl dich einfach gedrückt und wenn falls du Jemanden zum Reden brauchst, gerne eine pm an mich. Alles Gute dir 🙏 2/2

Was ein epischer Vergleich

Strummerjoe

Dein Vater klingt ja wie unser Bundeskanzler! Kenne das auch. Hast ja Anrecht auf Unterstützung. Kümmere dich um deine psychische Gesundheit (Sport, wenig Alkohol, Drogen, etc.). Das Jobcenter bezahlt ja auch Fortbildungen, vielleicht ist das eine Option?


Da kennt sich jemand aus!

MartiMcHigh

„alles hin geschmissen, längster Job 3 Jahre“ – dachte sofort ab ADHS. Letzter Absatz hat es dann bestätigt. Ich kann’s kaum abwarten, bis diese dicke Beule der 60-70 Jährigen in der deutschen Alters“pyramide“ verschwindet. Das sind doch zu 95% riesen Vollidioten aus Zeiten des Wirtschaftswunders. Denken alle sie hätten Wunder vollbracht, indem sie ein Haus für zwei Hühner und ein Brot kaufen konnten.

Ihr habt eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden will und die ihr unbedingt loswerden wollt? Dann schickt uns doch eine Mail oder slidet in unsere Insta-DMs.

NEWSLETTER

Alles über Liebe, Sex und Partnerschaft – jede Woche direkt per Mail!

SCHLIESSEN
Artikel Teilen