Ich wurde im Krankenhaus vergessen

Im Krankenhaus vergessen
DC Studio Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Ein Krankenhaus ist wie ein kleines Dorf. Es gibt so viele Ärzt*innen, Pflegepersonal und Besucher*innen, die durch die Gänge wuseln, dass es manchmal ganz schön drunter und drüber geht. Eben so, wie im echten Dorfleben auch. Und da in so einem Krankenhaus eben nicht nur Maschinen und Roboter arbeiten, sondern vor allem Menschen, passieren auch hier hin und wieder Fehler. Zur ganzen Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Pflegekräfte und Ärzt*innen in Krankenhäusern nicht nur mittelmäßig bezahlt, sondern meistens auch komplett überarbeitet sind. Ein klassischer Fall von: Don’t hate the player, hate the game!

Und so zeigt auch die Geschichte von Threads-Userin @chronisch_ironisch, was in so einem Krankenhaus alles schiefgehen kann. Zum Glück gab es in ihrem Fall ein Happy End und niemand kam zu Schaden.

WTF-Story: Ich wurde im Krankenhaus vergessen. Im Aufzug. Nach einer größeren Bauch-OP sollte ich zurück auf Station. Eigentlich Routine. Passiert hundertmal am Tag. Ein Typ vom Patiententransport kam, nahm mein Bett und schob mich los. „Schieben" ist nett formuliert. Es war eher eine Mischung aus Möbelrücken und Aggressionstherapie. Dann kamen wir zum Aufzug.

Er schob mich rein, drehte sich kurz um und verließ wortlos die Kabine. Tür zu. Ich lag da. Allein. Und der Aufzug? Der fuhr los. Ohne Ziel. Ohne Plan. Ohne Personal. Wohin der Typ ging? Keine Ahnung. Warum ohne mich? Auch keine Ahnung. Vielleicht brauchte er eine Pause. Vielleicht einen neuen Job. Vielleicht dachte er, der Aufzug bringe mich von allein zur Station. Ich fuhr ein paar Mal hoch. Und wieder runter.

Niemand griff ein. Niemand fragte, warum eine frisch operierte Person im Bett durch die Klinik gondelt wie ein Geisterfahrer. Erst nach einer gefühlten Ewigkeit stieg jemand ein, sah mich an und fragte vorsichtig: „Ahm... sind Sie verloren gegangen?" Ich nickte schwach. Der Sensor meiner Infusion piepte zustimmend. Der Mann hatte entweder Mitleid oder einfach genug von der Geräuschkulisse und drückte den Notrufknopf.

Kurz darauf kam jemand, sah mich an, seufzte, dieses Seufzen von Menschen, die innerlich schon gekündigt haben, und schob mich kommentarlos raus. Kein Wort. Keine Erklärung. Keine Entschuldigung. Ich werde irgendwo abgestellt. Dann weitergeschoben. Dann nochmal irgendwo abgestellt. Und irgendwann ... bin ich tatsächlich auf meiner Station. Niemand fragt, wo ich war. Niemand fragt, warum ich eine Stunde zu spät bin. Niemand fragt, wer mich im Aufzug ausgesetzt hat.

Ob der Typ vom Transport je zurückkam? Weiß ich nicht. Vielleicht ist er selbst irgendwo im Aufzug verloren gegangen. Vielleicht arbeitet er jetzt in der Logistikabteilung von IKEA. Ich hab's überlebt. Also körperlich. Mein Vertrauen in den Patiententransport hat diese Fahrt leider nicht überstanden.

Reaktionen & Kommentare

Was eine Odysee! Aus der Community kommt viel Zuspruch, aber auch unglaubliche Geschichten, die User*innen selbst erlebt haben. Wart ihr auch schon mal Teil eines so verrückten Vorfalls? Denn schreibt uns doch hier auf Instagram oder direkt eine Mail an [email protected], wir freuen uns auf eure Geschichten!

Liegt der Fehler im System?

Ich hab damals Patiententransport im Zivildienst gemacht, das lief so, dass man mir ein Telefon in die Hand gab und eine 5 Minuten Einweisung. Ich war vorher niemals in einem Krankenhaus tätig, hatte nie mit Patienten gearbeitet und keine Ahnung von überhaupt irgendwas. War schon wild.

Puh, schwierig

Meine fast taube Mutter wurde nach Oberschenkelhalsbruch über 5 Stunden in der Radiologie liegengelassen. Erklärung: sie wäre mehrfach aufgerufen worden und hätte sich nicht gemeldet. Auf die Idee, mal den Hintern vom Stuhl zu liften und ums Eck zu schauen, kamen sie nicht obwohl bekannt war, dass sie bettlägerig war (und wegen Hörschwäche eh nix gehört hat). Ich hab sie da weinend und dehydriert gefunden und noch schlimmer als das Ereignis empfand ich die Gleichgültigkeit des Personals.

Wie im falschen Film …

Ich sollte nach den Röntgen ins ct, wurde in den Gang geschoben und es hies kommt wer gleich... ich konnte nicht laufen und saß in einem Rollstuhl den man nicht selbst bewegen konnte.. Stunden vergingen, auf mein Rufen hat keiner reagiert... Stunden später kam wer und meinte man hätte mich gesucht...

So tief runter will niemand

Die Patentante meines Mannes hat gestern aus den Memoiren ihres Jugendschwarms vorgelesen: Der wurde nach seiner OP, noch benommen von der Narkose, auch mit dem Bett in den Aufzug gestellt und fand sich dann in der Leichenhalle wieder.

Ab wie vielen Stunden darf man fragen?

Ach du Sch... das geht mal garnicht. Das solltest du unbedingt ansprechen!!! Dagegen ist meine heutige Krankenhaus Geschichte harmlos: hab 4 Stunden aufs Röntgen gewartet. Hab mich erdreistet und nach drei Stunden nachgefragt, obwohl man das nicht durfte (da gab es ein Schild, dass man von Rückfragen zur Wartezeit absehen soll). Nachdem es ein Augenrollen von der Mitarbeiterin gab, stellte sich heraus: ich wurde vergessen.

Ist so der Alltag dort?

Ich bin Krankenschwester. Ich hab viele Jahre auf Intensiv gearbeitet, und im Rettungsdienst. Ich weiss, wie es überall zugeht. Und dann schicke ich aus dem Pflegeheim eine dementiell veränderte Frau ist KH, weil Mundwinkeln hängt, Sprache verwaschen, kann kaum laufen. Nach 2 Stunden kommt sie zurück, Arztbrief "Patient ist dement, kann nicht sagen, was sie hat". Das werde ich nie vergessen.

Wow, einfach nur wow!

1. Ich wurde hoch schwanger mangels Betten in die Krebsstation verlegt - im Zimmer lag eine Frau, die wegen Krebs ein paar Tage vorher eine Total-OP hatte und ständig weinen musste, weil sie nie Kinder haben wird. 2. Ich war notfallmäßig schwanger beim Ultraschall. Der Arzt wurde immer einsilbiger, bis aus ihm rausplatzte: sie haben da einen riesigen Tumor im Bauchraum. Ich hol schnell eine andere Arztin. Die kam 45min später und sagt trocken: das ist eine Plazenta praevia, Herr Kollege.

Und das alles mit knurrendem Magen

Teilweise passieren wilde Sachen in Krankenhäusern. Op Termin morgens um 7 Man soll bitte um 5 im Krankenhaus sein, ab dem Vortag 17 Uhr nichts mehr Essen, Rauchen etc. nur noch max ein Glas Wasser abends. Um 5 da, 20x durchs Krankenhaus gejagt bis nach etlichen Telefonaten geklärt war wo man sich den zuständig fühlt. Die 7 Uhr Op war dann um 16 Uhr.Da hast eh schon Angst und wartest dann Stunden auf Entzug, Hungrig und halb vertrocknet das es endlich los geht

Und so wartet sie heute noch …

Oberschenkelhalsbruch, eindeutig zum röntgen gefahren, und vergessen mich wieder abzuholen

Not macht erfinderisch

Bin mal bei einer ambulanten Infusion an einem Feiertag in einem Aufnahmezimmer vergessen worden. Gottseidank hatte ich mein Handy und die Nummer von der Pforte gespeichert.
NEWSLETTER

Relevantes und Unterhaltsames rund um das Thema Gesundheit – direkt per Mail!

SCHLIESSEN
Artikel Teilen