
Wenn es darum geht, den Schein zu wahren, sind Menschen zu echten Meisterleistungen fähig. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sie in diesen Fällen über sich hinauswachsen können – vor allem, wenn sonst so gar nichts geht und der Alltag von maximaler Überforderung geprägt ist. Vom „Messi-Syndrom“ dürften die allermeisten zumindest schon mal gehört haben – umgangssprachlich sprechen wir bei entsprechenden Personen meist schlicht von „Messis“, was jedoch eine Abwertung miteinschließt. Die Betroffenen haben dabei andauernde Probleme, sich von Dingen zu trennen, weshalb auch von „pathologischem Horten“ die Rede ist, doch das Syndrom geht noch viel weiter, denn wer nichts wegwerfen oder entsorgen kann, der vermüllt zwangsläufig seine eigene Wohnung. Alles ist voll- und zugestellt, die meisten Räume nicht mehr nutzbar und die Spirale dreht sich weiter und weiter. Ohne aufwendige Unterstützung schaffen es die Wenigsten heraus.
In der heutigen Beichte berichtet eine betroffene Reddit-Userin zum allerersten Mal von ihrer ganz eigenen Situation. Davon, welche Auswirkungen das Messi-Syndrom auf ihren gesamten Alltag hat – und welche zusätzlichen Schwierigkeiten dies zur Folge hat. Klar ist: Hier braucht jemand dringend Hilfe!
Vor der Küchentür stapeln sich Kisten mit Wäsche, Büchern und anderem Zeug, dass ich die Küche seit mehreren Monaten nicht mehr betreten habe. Überall stehen Kartons, Tüten und Stapel mit Kleidung, Büchern, Zeitungen und allem möglichen herum.
In der Badewanne steht seit meiner letzten Reise noch ein Rucksack. Ich habe ihn nie ausgeräumt und so kann ich die Badewanne deshalb seit 4 Wochen nicht nutzen. — 3/8
Kommentare und Reaktionen:
Könnt ihr euch in die Userin hineinversetzen oder das eben Gelesene zumindest ansatzweise nachvollziehen? Als Außenstehender kann man kaum glauben, wie schwer das fallen soll. Die Antworten der Community zeigen aber, dass die meisten Menschen großes Verständnis für die Situation aufbringen und es auch mit Ratschlägen versuchen.
Erinnert an Beppo Straßenkehrer aus „Momo“
Versuche ganz kleine Schritte: nicht „jetzt räume ich 1 Stunde auf“
Nimm dir lieber nur zB eine Tüte oder eine Kiste. Leer sie aus, wirf weg, was weg kann, den Rest zurück. Dann ist es vielleicht nur noch eine halbe Kiste.
Liegt Müll rum? Papier, Flaschen, leere Verpackungen?
Schnapp dir eine Mülltüte und geh einfach nur einmal grob durch. Nur das was ganz offensichtlich weg kann.
Und dann nimm den Sack und wirf ihn direkt in die Tonne.
So „einfach“ ist es dann doch nicht
Das kann ein Messie nicht. Es liegt nicht an Faulheit, sondern an einer kompletten psychischen Blockade. Für einen Messie ist das herausbringen von Müll wie das Besteigen des Mount Everest. Es geht nicht.
Wäre so wie zu einem Magersüchtigen zu sagen: Komm, die eine Scheibe Brot kannst du doch essen.
Das, was dieser User sagt!
Geht mehr Leuten so als du denkst.
Und du führst ein Doppelleben. Das ist extrem anstrengend und raubt dir die Energie die du für anderes brauchst. Genauso die Emotionen die dein „nicht handeln“ in dir auslösen.
Das hier zu schreiben ist schon ein erster Schritt.
Such dir Hilfe. Das scheinst du nicht mehr alleine bewerkstelligen zu können und vor allem auch nicht müssen. Nach Hilfe zu fragen ist keine schwäche, ganz im Gegenteil.
Alles Gute dir.
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