Frauen leben in einer anderen Realität als Männer

Drobot Dean, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

In der heutigen Gesellschaft wird (zumindest in vielen Bereichen) immer mehr versucht, Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen voranzubringen. Im Familienleben wird geschaut, dass Kindererziehung und Haushalt nicht mehr automatisch an der Frau hängen bleiben. Frauen sollen Karriere machen können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen, und Führungspositionen sollten längst keine Ausnahme mehr sein. Es wird versucht und es sind erste Schritte, aber bis zur echten Gleichberechtigung ist es noch ein weiter Weg.

Wo ich allerdings große Zweifel habe, dass sich das so schnell ändern wird, ist das Sicherheitsgefühl vieler Frauen im Alltag. Viele von uns passen ihr Verhalten ganz selbstverständlich an, um möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Nicht, weil wir davon ausgehen, dass jeder Mann eine Bedrohung ist, sondern weil die Wahrscheinlichkeit eben nicht bei null liegt. Und genau diese Unsicherheit führt dazu, dass sich über die Jahre Verhaltensweisen einschleichen, über die viele Männer vermutlich nie nachdenken mussten.

Der liebe Threads-User @felixbeilharz hat deshalb gefragt, welche Routinen oder Mechanismen sich Frauen aus genau diesem Grund angeeignet haben. Die Antworten sind nachdenklich, erschreckend und zeigen, wie unterschiedlich Alltag erlebt werden kann. Deshalb kommen hier einige der Kommentare aus seiner Community. Traurig, aber wahr. Und leider längst nicht alles.

An die Frauen: In den Kommentaren eines meiner letzten Postings wollten viele Männer nicht glauben, dass Frauen in einer anderen Relität leben als Männer, was alltägliches Verhalten, Bedrohung usw angeht. Droppt doch mal hier: welche Situationen sind für euch schwierig? Wo habt ihr euch spezielle Mechanismen zugelegt? Was erlebt ihr, was Männer nicht erleben? Vielleicht ergibt das eine Sammlung, auf die man bei Bedarf verlinken kann, um etwas Verständnis und Awareness zu schaffen...

Bei Belästigern gibt es wohl keine Altersgrenze …

Nach meiner Trennung hielt mich ein Nachbar jenseits der 70 (verheiratet, die Tochter hatte gerade das 1. Enkelkind) auf dem Weg zur Garage an, um mir zu erzählen, jetzt wäre ich ja frei und dass er mal gerne diverse Dinge mit mir machen möchte, „nur wir zwei und so“. Ich habe klar verneint, er beharrte, packte mich am Handgelenk, ich habe mich befreit und ihn nur nicht umgetreten, damit ICH keine Probleme wegen einem verletzten Senior bekomme. Anzeige am nächsten Tag, Gefährderansprache folgte.

Ab wann ist es genug?

Beim Einkaufen verfolgt bis in die Sockenabteilung von C&A (also 4 Stockwerke hoch). Verkäuferinnen kamen zu Hilfe. Ähnliche Situationen gab es schon mehrmals. Und nie ist ein Nein genug. Auch nicht, wenn man es 5 Mal sagt.

Das ist doch unfassbar

Neulich gefragt worden, warum ich mit dem Rad unterwegs sei. Ich hätte Laufen viel nötiger. Inklusive Patscher auf meinen Bauch.

Willkommen im Leben einer Frau

Ich suche mir im Zug den Platz sehr genau aus, nachdem ich einmal fast die Polizei gerufen hätte. Ich parke nicht, wo es dunkel ist. Ich beobachte meine Umgebung sehr genau. Ich schicke meiner Freundin eine WhatsApp, wenn ich zuhause bin. Wir verabschieden uns immer mit "sei vorsichtig und melde dich, wenn du zuhause bist".

Warum kann man sich diese Situation zu gut vorstellen?

Am Bahnhof. Ich sitze auf der Bank, ein Typ setzt sich zwei Plätze weiter. Er spricht mich an, Ich habe aber keine Lust mich zu unterhalten. Daraufhin: passiv bis offen aggressives Gebrabbel. Er stand irgendwann auf, kam zurück und schmiss mir seine Tasche bis auf einen Meter vor die Füße. Ende vom Lied war, ich bin Auto gefahren.

Niemals ist noch zu untertrieben …

Wir wohnen etwas abgelegener im Wald und wenn mein Mann was getrunken hat, kommt er einfach zu Fuß nachhause. Einfach so. keine Angst, keine waffe dabei, kein heimwegtelefon. Er denkt da garnicht weiter drüber nach. Könnte ich als Frau niemals

Traurig, oder?

In meiner Nachbarschaft wohnt ein Mann, der mich schon 3x auf der Straße bedrängt hat. Sobald ich den Weg zu meinem Haus laufe, habe ich meinen Schlüsselbund in der Hand und zwischen jedem meiner Finger steckt ein Schlüssel. Wann immer es geht, laufe ich einen inoffiziellen Weg, weil ich nicht möchte, dass diese Person weiß, welche Kleidung ich trage. An meinem Schlüsselbund sind extra viele Anhänger, damit er schwerer ist, wenn ich mich verteidigen muss

Absolut wahr

Lieber langen Umweg, als im Dunkeln unter einer schlecht einsehbaren Unterführung durch

Noch Fragen?

Als ich im Retail für Herrenmode gearbeitet habe, hatte ich einen „Ehering“ auf, um Kunden, die mal wieder freundliche Beratung mit Flirten verwechselt hatten und aufdringlich wurden, auf meinen „Mann“ aufmerksam machen konnte. Weil ein einfaches „Nein“ hat nicht gewirkt.
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