Dieser Taxifahrer ist ein Engel auf Rädern

KI / Twitterperlen Illustrations

Taxifahrer*innen erleben vermutlich ständig Dinge, die man ihnen in keiner Ausbildung beibringen kann. Eigentlich sollte es ein Pflichtseminar zum Umgang mit Betrunkenen für alle Menschen in diesem Berufszweig geben. Und vielleicht eins zur Entschlüsselung geheimer Botschaften, wenn die Gäste mal wieder in Rätseln sprechen, was den Zielort angeht.

Was Threads-User @tacho_p_601 während seiner Schicht erlebt hat, liefert definitiv genug Input für einen Film. Keine Angst, hier kommt jetzt nicht die deutsche Version von „Taxi Driver“ um die Ecke, aber seine Geschichte hält ein paar Twists bereit, die man so nicht hatte kommen sehen.

Zuerst wird er mit einer halben Adresse irgendwo aufs platte Land geschickt. Dann stellt sich heraus, dass die angegebene Hausnummer auf einer Wiese liegt. Kein Haus weit und breit. Spoiler: Auch kein Zelt! Außerdem hat der Fahrgast nur 15 Euro dabei und möchte vorher noch schnell Geld abheben. Ihr ahnt vielleicht schon, was hier jetzt schiefgehen könnte? Und dann macht auch noch der Akku des Handys schlapp. Na? Hooked? Was der Chef des Gastes mit dieser ganzen Sache zu tun hat und dank wem er aus diesem Schlamassel wieder herauskommt, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Gestern gab es mal wieder eine Geschichte, die mir keiner glaubt: Ich bekomme einen Auftrag in die letzte Ecke des Tarifgebiets. Eine Tanke, irgendwo auf dem platten Land. Dort angekommen erwartet mich mein Fahrgast. Er stieg ein, gab mir eine halbe Adresse: Eichenweg 28, in einer Samtgemeinde. Keine Postleitzahl, kein nichts. Ich suchte im Navi und fand nur einen. Also fuhren wir da hin. Vor Fahrtbeginn sagte er mir, dass er nur 15€ bar hat und Geld abheben wollte. Kein Problem, passiert oft.

Auf dem Weg war eh eine Bank. Wir hielten dort an, er verschwand drin und kam lange nicht raus. Ich hatte keine Sorge, dass er abhaut, aber wunderte mich draußen im Auto schon. Als er dann raus kam, zitterte er. Schicksalsergeben ließ er sich auf den Beifahrersitz fallen und sagte: "Scheiße..." "Was los?" "Ich hab den Pin drei mal falsch eingegeben, die Karte ist gesperrt. Ich hab keine Ahnung, wie ich dich bezahlen soll..." Geld auf dem Konto hatte er, das musste er mir unbedingt zeigen.

"Mach dir keine Sorgen, wir packen es noch unter 15€, ist nicht mehr weit. Es war auch eine Punktlandung, wir standen bei 14,80 als wir ankamen. Es gab aber eine große Überraschung: die Hausnummer war eine Wiese. "Jetzt, wo wohnst du? Die Hausnummer gibt's nicht." "Ich weiss nicht." "Wie, du weißt nicht, wo du wohnst? Ist dein Haus geflüchtet oder was?" "Nee, das ist eine Dienstwohnung, die hier sein sollte. Mein Chef hat mich geschickt. Ich war noch nie hier." "Na prima. Und nun?"

"Ach, Scheiße. Ich weiss doch auch nicht." "Dann suchen wir mal, wo dein Schlüssel passt, vielleicht hast du ja Glück, ich finde hier keinen zweiten Eichenweg." Die Suche war erfolglos. Ich meinte dann zu ihm: "ruf mal deinen Chef an, so bringt das nix. Der soll dir eine anständige Adresse geben." Das hielt er für eine gute Idee. Als er sein Handy in die Hand nahm, sagte er: "Scheiße." "Was'n jetzt?" "Akku leer! Alter, ich HAB KEINEN BOCK MEHR!"

"Dann lad's am Auto, ich hab ein Kabel dabei." Wir saßen dann 1-2 Minuten da, während sein Handy lud. "Du bist ein guter Taxifahrer. Tut mir Leid, dass ich dir so viele Umstände mache." "Ach was, bleib ruhig. Du hast einfach Pech im Übermaß gerade. Ich kenne das. Ich gebe zu, das ist eine Chaosfahrt, aber ich hab schon Schlimmere gehabt. Wenigstens ist es hell draußen und du bist nüchtern." Da musste er ein wenig feixen.

Sein Handy hatte auch wieder etwas Saft, er versuchte seinen Chef anzurufen - hatte aber keinen Empfang. "Scheiße!" "Gib mal Nummer, ich hab. Kannst du über Freisprechanlage mit ihm reden." Unter anderem für solche Fälle habe ich ein dual-sim-Handy mit einer Vertragskarte und einer burner-prepaid-Karte. Er gab mir die Nummer, ich rief an. Als der Chef ran ging, sprachen die beiden kurz auf einer Fremdsprache. Ich schaltete mich ein, weil ich ein paar Brocken verstand:

"Ja nee, ist hier nicht. Das ist die falsche Adresse." "Na, wenn der Taxifahrer die Straße nicht kennt, ist das nicht meine Schuld." "Wenn der Taxifahrer nur eine unvollständige Adresse bekommt, ist es kein Wunder, dass er falsch steht. Also gibt her." "Wenn ich die bei mir ins Navi eingebe, komme ich an." "Warum hast du ihn denn dann nicht selbst gefahren?" Er gab mir dann eine Postleitzahl, es gab tatsächlich noch einen zweiten Eichenweg im Nachbarort. "Okay, gut.

Jetzt gibt's nur ein Problem: dein Kollege hat sich die Karte vorhin gesperrt, bis dort hin sind's gute fünf Kilometer, wie machen wir das mit der Bezahlung?" "Der ist Privatperson, das ist nicht mein Problem. Ich bin nur sein Vorarbeiter." "Ja was, du hast ihn doch ohne Ausstattung, ohne Handgeld und ohne eine richtige Adresse durch halb Deutschland geschickt, jetzt hilft ihm mal und lass ihn nicht fünf Kilometer durch den Regen laufen!" "Nö." Ich drehte mich zu meinem Fahrgast:

"Such dir einen neuen Job." Ich hoffe, sein Vorarbeiter hat es noch gehört, denn der hatte zwischenzeitlich einfach aufgelegt. "Scheiße. Und ja, du hast Recht, wird Zeit für einen neuen Job. In welche Richtung muss ich jetzt gehen?" "Nen Scheiß wirst du laufen. Ich lass dich nicht allein. Ich bringe dich da hin. Der Zehner, den das kostet, ist es mir wert! So eine Schweinerei!" Ich ließ den Motor an, wendete und wir fuhren zu seinem Ziel.

Auf der Fahrt habe ich meinen Zorn über seinen Vorgesetzten freien Lauf gelassen. Den Zehner habe ich aus eigener Tasche bezahlt, von meinem Trinkgeld. Und ich bereue nichts. Er wollte dann noch unbedingt meine Kontodaten, aber mir ist völlig egal, ob er es überweist oder nicht. Ich glaube aber schon, dass er es machen wird. So jedenfalls behandelt man keine Menschen. Not on my watch.
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