Deutsch bestellt, Alltagsrassismus bekommen

Ausdrucksstarke Collage zum Thema Alltagsrassismus, Missverständnisse und Kommunikationshürden im Restaurant: Auf der linken Seite beugt sich ein Schwarzer Mann, dessen Gesicht und Arme in Schwarz-Weiß gehalten sind, nach vorne und hält sich lautstark rufend und verärgert die Hand ans Ohr. Er trägt ein zartrosa T-Shirt. In der Mitte steht eine junge Frau in Schwarz-Weiß, die völlig gestresst das Gesicht verzieht und sich beide Hände auf die Ohren presst, um die unangenehme Diskussion auszublenden. Ihre Kleidung tritt farblich extrem stark hervor: Sie trägt ein knallig bunt gestreiftes T-Shirt, blaue Jeans sowie ein auffälliges, farbenfrohes Armband. Auf der rechten Seite steht eine Kellnerin in Schwarz-Weiß, die sich fassungslos und völlig überfordert die Hände an den Kopf fasst. Sie trägt ein hellrosa T-Shirt unter einer klassischen schwarzen Gastro-Schürze. Weiße Blitz- und Fragezeichen-Icons über ihren Köpfen sowie das Pop-Art-Motiv vor einem markanten blau-violetten Wellen-Hintergrund visualisieren pointiert die absurde Eskalation, das völlige Aneinandervorbeireden und die unangenehme Realität von Alltagsrassismus, wenn ein Gast trotz einwandfreier deutscher Sprache aufgrund seiner Hautfarbe automatisch als "fremd" abgestempelt und auf Englisch bedient wird.
Krakenimages.com, luismolinero, Adobe Stock / Twitterperlen Illustration

Stellt euch vor, ihr sitzt im Restaurant, bestellt auf Deutsch die Rechnung und bekommt als Antwort: „That would be fifty Euro, please!“ Klingt nach einem klassischen Missverständnis? Für die Familie von Threads-Userin @salseranrw verhält sich die Situation allerdings etwas anders.Ihr Mann wird vom Kellner auf Englisch angesprochen – obwohl er auf Deutsch mit ihm kommuniziert und auch am Tisch kein Wort Englisch gefallen ist.

Weil er schwarz ist? Was folgt, ist eine Diskussion über Wahrnehmung, die die Community spaltet. War es nur ein unaufmerksamer Fehler im stressigen Service-Alltag, wie der Kellner beteuert? Oder ist es ein tief verankertes Muster, das eine dunklere Hautfarbe automatisch mit „fremd“ gleichsetzt?

Während die einen von unglücklichen Zufällen sprechen, sehen die anderen darin das Paradebeispiel für subtile Ausgrenzung und Alltagsrassismus. Wo verläuft die Grenze zwischen einem Versehen und einer unbewussten Zuschreibung? Wir haben für euch nicht nur die ganze Geschichte, sondern auch die treffendsten Kommentare dazu gesammelt. 

Wir sitzen als Familie beim Essen im Restaurant. Ich bin weiß, meine Tochter und mein Mann sind Schwarz (PoC). Mein Mann spricht den Kellner auf Deutsch an, dass er bitte bezahlen möchte. Der Kellner erwidert auf Englisch. Nicht zögerlich, nicht fragend, sondern selbstverständlich. Dabei gibt es keinen Anlass für den Sprachwechsel. Am Tisch wurde Deutsch gesprochen, zwischendurch auch Spanisch. Englisch spielte keine Rolle. Auf meine Nachfrage, wieso er mit meinem Mann Englisch spricht, reagiert

der Kellner irritiert. Er behauptet, wir hätten die ganze Zeit Englisch gesprochen. Eine falsche Wahrnehmung oder vielleicht eine nachträgliche Rechtfertigung. Was hier passiert, ist kein offener Angriff. Es ist eine Zuschreibung. Eine Annahme, die sich nicht auf tatsächliche Kommunikation stützt, sondern auf äußere Merkmale. Dunklere Haut wird mit „nicht deutsch" gleichgesetzt, mit Fremdheit, mit einer vermeintlichen sprachlichen Distanz. Solche Situationen sind keine Einzelfälle. Sie sind...

Teil eines Musters, in dem Zugehörigkeit immer wieder neu verhandelt wird oft einseitig und unausgesprochen. Für die Betroffenen bedeutet das: Sie werden nicht als selbstverständlich dazugehörig wahrgenommen, sondern als erklärungsbedürftig. Der Kellner wollte vermutlich höflich sein, vielleicht sogar entgegenkommend. Doch gute Intentionen ändern nichts an der Wirkung. Denn auch freundlicher Alltagsrassismus bleibt rassistisch: er markiert Unterschiede, wo keine sind, und stellt Normalität in...

Frage, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. Gerade weil diese Formen so subtil sind, ist es wichtig, sie sichtbar zu machen. Nicht um einzelne Personen zu verurteilen, sondern um Mechanismen zu verstehen und zu verändern. Alltagsrassismus zeigt sich selten in offenen Anfeindungen. Doch gute Intentionen ändern nichts an der Wirkung. Gerade weil diese Formen so subtil sind, ist es wichtig, sie sichtbar zu machen. Er ist subtiler, oft gut gemeint und gerade deshalb schwer greifbar.

Ist jedem schon mal passiert, oder?

Ich muss den ganzen Tag zwischen Englisch und Deutsch wechseln. Und manchmal checkt mein Gehirn nicht, dass ich jetzt Deutsch sprechen sollte und ich quatsche die Kollegin auf Englisch zu. Meine ich das irgendwie böse? Nein.

Bei manchen übernimmt der Automatismus

Ich werde ständig nur auf Englisch gesprochen. Oft tue ich so, als ob ich kein Englisch spreche. Wenn sie am Anfang "How can I help you?" fragen, sage ich "Indem Sie auf Deutsch sprechen". In meiner Gegend (Kreis Kaiserslautern) gibt es tausende Amerikaner, welche selten Deutsch lernen/speechen. Da sind die Leute quasi "trainiert", Leute die "dunkelhäutig" sind auf Englisch anzusprechen. Ich sehe es eher als Ignoranz. Die wissen nicht, dass sowas als Rassismus rüberkommt.

Gute Frage

Und wo fand das statt? Diese Information wäre wichtig. In Kaiserslautern sind POCs meistens US-Soldaten, in Berlin wird man nicht selten generell auf Englisch angesprochen, in der Pampa gibt es kaum deutsche POCs, da ist es nachvollziehbar, wenn man von Touristen ausgeht.

Was meint ihr?

Ich habe mir jetzt nochmal die offizielle Definition angeschaut: "Rassismus ist eine Ideologie, die Menschen aufgrund äußerer Merkmale (Hautfarbe), Herkunft, Kultur oder Religion abwertet, ausgrenzt oder benachteiligt. Es ist der Glaube an eine Hierarchie, bei der bestimmte Gruppen als minderwertiger angesehen werden. Rassismus durchzieht als strukturelles Problem die Gesellschaft und führt zu Diskriminierung im Alltag, auf dem Arbeitsmarkt oder durch Institutionen." Sehe ich hier nicht!

Selbstreflexion ist so wichtig

Ich komme aus einem Ort ohne Ausländer, hab in einer KiTa gearbeitet, wo der Migrationsanteil sehr hoch war, die Mütter auf Elternabenden eigentlich immer Dolmetscher dabei hatten, weil sonst nicht alles verstanden wurde, die Tür und Angel Gespräche meist sehr schwierig waren.. Dann hatten wir eine neue Familie, Mutter mit Kopftuch, spricht mit ihrem Kind in ihrer Muttersprache, ich habe sie angesprochen, mit kurzen Sätzen, langsam gesprochen und sie antwortet mir in perfektem Deutsch..
Und da hab ich mich echt einen kurzen Moment geschämt, weil mir mein innerer Rassismus so direkt gespiegelt wurde.

Immer zuerst bei sich selbst anfangen

Ich sehe das Problem total. Und möchte nur hinzufügen dass jeder weiße Mensch sich immer zuerst an die eigene Nase fassen sollte und überlegen sollte, inwiefern man selbst davon betroffen ist - meint als Sender subtilen Rassismus natürlich. Ich finde es eher erschreckend, wie viele in den Kommentaren relativieren. Viel zu viele sind so sozialisiert - eine traurige Tatsache. Darüber hinaus zu wachsen und verstehen lernen ist daher umso wichtiger.

Was bedeutet das?

Die Kinder meines Freundes stammen von einer deutschen Mutter und einem arabischen Vater ab. Sie sprechen von Geburt an Deutsch. Die Kinder sprechen zu Hause Deutsch, in der Schule -Deutsch. Und sie leben seit ihrer Geburt in Deutschland. Aber die Lehrer behandeln sie wie Ausländer.

Kennt ihr ihn?

Ich find es gerade echt erschreckend wie viele den Alltagsrassismus nicht sehen/verstehen oder überhaupt den Unterschied zwischen Rassismus und Alltagsrassismus kennen.
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