
Wie gut kennen wir die Menschen um uns herum wirklich? Je tiefer man sich mit dieser Frage beschäftigt, desto wahrscheinlicher kommt man zu der Erkenntnis, wie wenig wir übereinander wissen. Die größten Ängste, die tiefsten Sorgen, die drängendsten Fragen. Wir alle haben Dinge, die wir lieber in unser Innerstes einmauern, als es mit den Menschen um uns herum zu teilen.
Zu groß ist die Sorge, dass wir ausgelacht oder nicht ernst genommen werden. Oder die Befürchtung, dass wir unser Gegenüber überfordern. Oder aber, dass eine Beichte vielleicht einfach in Schall und Rauch aufgeht und niemanden wirklich interessiert. Und dann stehen wir da, unser Innerstes vor uns auf dem Tisch ausgebreitet und weit und breit niemand, der uns hilft, uns wieder zusammenzusetzen und den Panzer aufzubauen, der uns vorher so gut beschützt hat.
Die Wahrheit ist: Wir können niemandem vollständig ins Herz blicken. Und wenn wir schon ehrlich sind: Wir gewähren kaum jemandem Zugang zu unserem bestgeschützten Kern. Umso spannender und berührender ist es, zu erleben, wie ein Mensch sich wirklich öffnet und verrät, was man nie von außen erahnt hätte. Wie die Userin in unserer heutigen Beichte.
2 Tage noch, in dem sich unsere Dorfscheune wieder in einen Dancefloor verwandelt, wo “Atemlos”, “Country Roads” und “Warum hast du nicht nein” gesagt gespielt werden, während sich die hiesige Landjugend und der Fußballverein am Tresen komplett mit Korn, Bier und Kurzen abschießt – mein Partner geht hin, ich nicht weil ich mit unseren Kindern zu Hause bin.
— 1/9
Natürlich hat er mich gefragt ob es in Ordnung ist, und natürlich habe ich ja gesagt, weil er einen Vollzeitjob hat, grad unser Haus nebenbei saniert, während ich nur mit den Kindern zu Hause bin. Er braucht auch mal einen Ausgleich. Völlig klar.
Als gute Partnerin sollte ich es meinem Partner gönnen und mich für ihn freuen.
— 2/9
Aber innerlich zerfrisst es mich. Ich weiß, dass ich die Nacht nicht schlafen werde.
Ich weiß, dass ich wach liegen werde und mir die schlimmsten Dinge ausmalen werde, mich in mein Kopfkino reinsteigere, wie sich schöne Frauen an ihn ranschmeißen, ihn vielleicht zum Tanzen auffordern, und da er auch gerne tanzt wird er vielleicht sogar auch einen Discofox mit einer übers Parkett schmettern ohne sich was dabei zu denken, aber mich macht es fertig dass ich nicht dabei sein kann um die Situation zu kontrollieren. Ich werde wütend sein, schwitzen, zittern und weinen.
— 3/9
Ich war eine Zeitlang auch in Therapie wegen meiner Eifersucht. Es ist aber nicht wirklich besser geworden. Ich vermute es ist einfach ein Charakterzug der zu mir gehört 🙁
Mein Partner weiß natürlich davon. Er nimmt es eigentlich mit Humor, Streit hatten wir deswegen noch nie weil ich extrem viel runterschlucke. Er hat zum Glück auch nur männliche Freunde, weibliche lose Bekanntschaften wie der Schulzeit nur noch wenige mit denen er keine Zeit verbringt.
— 5/9
Wenn ihr mich kennen würdet, würdet ihr gar nicht checken wieso ich überhaupt eifersüchtig bin.Ich sehe toll aus. Mein Partner auch. Wir sind ein hübsches Paar mit tollen Kindern. Ich würde sagen ich bin eine schicke Mama, ich achte auf mich, schaue dass ich mich zurecht mache weil ich auch für meinen Partner gerne schön mache. Ich wirke selbstbewusst, verantwortungsbewusst und als hätte ich alles im Griff. Dabei bin ich innerlich von Unsicherheit und Hass auf andere Frauen zerfressen.
— 7/9
Beispiel: Letztens hat er beim Einkaufen eine alte Klassenkameradin getroffen. Hat er mir dann erzählt. Sie hat von ihrer bevorstehenden Hochzeit erzählt, er von uns und unseren Kindern, alles Fine.
Ich hab gelächelt und genickt, mir das angehört, mir aber ihren Namen und weiteren Details gemerkt und sie in einer ruhigen Minute direkt bei Instagram gestalked, und ich war den Rest des Nachmittags sauer. Total irrational, es gibt keinen Grund. Es ist schon krankhaft und es ist ein immenser Leidensdruck den ich mit mir herumtrage. Es ist sogar so schlimm, dass ich extrem froh bin keine Schwester zu haben weil ich auf die vermutlich auch eifersüchtig wär
— 8/9
Man kann zwischen den Zeilen lesen, wie sehr sich diese Frau für ihre Gefühle schämt. Wie sehr sie darum ringt, Vernunft und Emotion in Einklang zu bringen, und immer wieder daran scheitert. Wie sie ihr Leid versteckt, obwohl der permanente Druck enorm sein muss. Ihre Eifersucht frisst leise an ihr, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Beziehung. Und sie fühlt sich dieser Übermacht schutzlos ausgeliefert, denn insgeheim weiß sie, dass ihre Liebe nicht von außen bedroht wird, sondern von ihrer eigenen Eifersucht.
Vielleicht sollten wir alle ein bisschen gnädiger miteinander umgehen. Uns gegenseitig besser zuhören und uns den Raum für unsere Ängste zugestehen. Denn irgendwie hat man das Gefühl, ein wenig menschliches Entgegenkommen könnte dieser Frau helfen und ihr die Sicherheit geben, nach der sie sich sehnt. Wir wünschen ihr nur das Beste!
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