
Es ist so weit: Mein Sohn ist jetzt groß. Also nein, er räumt immer noch nicht seinen Teller oder seine Socken weg. Schätzungsweise würde er auch weiterhin vor einem vollen Kühlschrank verhungern, weil er nicht in der Lage ist, den Käse oder die Melone auf Höhe seiner Augen zu finden. Und bei Gott, er würde eher aus Büroklammern einen Eiffelturm IN ORIGINALGRÖSSE bauen, als auch nur ein verdammtes Mal seine Hausaufgaben selbstständig zu erledigen. Letzte Woche hat er dennoch einen Meilenstein erreicht: die erste Klassenfahrt.
Freiheit, die pure Freiheit! Drei Tage ohne elterliches Genöle, ohne Streitereien mit den Geschwistern, ohne geschlagene Schlachten über Medienzeit, ohne Haushaltspflichten und erzwungene Körperhygiene. Er kam zwanzig Zentimeter größer zurück, schlief noch auf der Autofahrt nach Hause ein und verspeiste zum Abendessen die Wochenration eines mittelgroßen bayerischen Dorfs. Oh, wie ich ihn beneide um diesen Entwicklungsschritt.
Die Wahrheit ist: Es ist schnell vorbei. Ja, jeder Tag ist ein Kampf um Regeln und Pflichten, um Aufgaben und Rechte. Um das leidige Thema Verantwortung und warum Eltern zu viel und Kinder zu wenig davon übernehmen. Aber zwischendrin, klammheimlich und unbemerkt, wagen die kleinen Rüben einfach, groß zu werden. Schleichend schaffen sie sich ein Leben außerhalb von Mamas und Papas Reichweite. Sie erleben Dinge, von denen wir nie erfahren. Haben Freunde, die wir nicht kennen. Sie riechen langsam in die Abgründe dieser Welt.
Also lasst uns nicht vergessen, sie ab und zu in den Arm zu nehmen, solange sie da noch reinpassen. Und genauso wichtig: Lasst uns die besten Geschichten mit ihnen aufschreiben. Am besten als Posts für unsere Familien-Anekdoten!
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