Wer einen solchen Freund hat, braucht keinen Feind mehr

New Africa, Adobe Stock

Freundschaften leben bekanntlich von Vertrauen. Man erzählt sich Dinge, die sonst niemand weiß, steht füreinander ein und geht normalerweise davon aus, dass der beste Freund nicht unbedingt die Person ist, vor der man sich in Acht nehmen muss. Zumindest ist das laut gesellschaftlichem Allgemeinverständnis der Sinn einer Freundschaft. Blöd nur, wenn einer der beiden plötzlich etwas tut, das man von einem Fremden vielleicht erwarten würde, vom eigenen besten Freund aber ganz sicher nicht. Besonders bitter sind dabei die Situationen, in denen man sich auf jemanden verlässt, während dieser Mensch im Hintergrund längst eine Entscheidung getroffen hat, von der man selbst nichts weiß.

Man ahnt nichts, geht weiter gemeinsam durchs Leben und hält vielleicht sogar noch zu der Person, während sie einem gleichzeitig ziemlich verräterisch ein Messer in den Rücken steckt. Und manchmal ist das Ganze nicht einmal aus Bosheit passiert. Genau so eine Geschichte beichtet der folgende User auf Reddit. Und ihr dürft urteilen, ob ihr sein Verhalten irgendwie rechtfertigen könnt.

Bonfire_Pocket

Ich singe seit knapp fünf Jahren in einem kleinen Chor. Klingt vielleicht albern, aber dieser eine Abend pro Woche ist für mich ziemlich wichtig geworden. Dort kennt mich niemand als „den Freund von X“. Es sind komplett andere Leute als in meinem restlichen Umfeld und irgendwie ist das der einzige soziale Kreis, den ich mir wirklich allein aufgebaut habe.

Vor zwei Jahren wollte mein bester Freund plötzlich auch mitmachen. — 1/4

Bonfire_Pocket

Er singt gut genug. Daran lag es nicht. Bei uns gibt es nach ein paar Proben eine anonyme Abstimmung der Mitglieder, ob jemand dauerhaft aufgenommen wird. Normalerweise reine Formsache. Er fragte mich vorher mehrmals, ob es für mich okay sei, wenn er sich bewirbt. Ich sagte jedes Mal ja. Einmal sogar, dass ich mich freuen würde.

Das war gelogen. — 2/4

Bonfire_Pocket

Als abgestimmt wurde, habe ich Nein angekreuzt. Er hat die nötige Mehrheit am Ende um genau eine Stimme verpasst. Danach war er richtig enttäuscht und hat versucht herauszufinden, wer offenbar ein Problem mit ihm hatte. Er vermutete einen älteren Typen aus dem Tenor, mit dem er bei einer Probe diskutiert hatte.

Ich habe nichts gesagt. — 3/4

Bonfire_Pocket

Im Gegenteil. Ich meinte noch, dass manche Leute in solchen Vereinen eben komisch seien und er sich das nicht so zu Herzen nehmen solle. Die Wahrheit ist viel unspektakulärer und wahrscheinlich auch beschissener: Ich mag meinen besten Freund wirklich sehr. Ich wollte nur diesen einen Teil meines Lebens nicht auch mit ihm teilen.

Bis heute glaubt er, irgendein fast fremder Mensch hätte ihn dort nicht gewollt. — 4/4

Kommunikation ist das A und O

Miserable_Welder_841

Völlig in Ordnung, ihn nicht dabeihaben zu wollen.

Das hättest du aber klar kommunizieren sollen – das müsste eine gute Freundschaft auch aushalten.

So zu lügen ist nicht okay. Gar nicht.

Und ihr?

CyrilSn33r

Irgendwie mies aber ich verstehe deine Begründung gut. Wäre ich dein Freund und du würdes es mir irgendwann beichten wurde ich dir vergeben.

So viel Vertrauen muss schon da sein

PerspectiveFair5156

Warum nicht ehrlich sein? Das ist mMn keine Freundschaft.

Ein Messer im Rücken

Vortigaunt_Comet

Das ist für mich tatsächlich Verrat, gerade weil dein Wunsch an sich völlig legitim war. Einen eigenen Freundeskreis haben zu wollen ist nichts Schlimmes. Aber du hattest mehrfach die Gelegenheit zu sagen „ehrlich gesagt würde ich diesen Bereich gern für mich behalten“ und hast stattdessen zugesehen, wie er einen Unbeteiligten verdächtigt.

Happy End?

Runenschwester

Woow, dafür landest du in der Hölle. 😄 Wenn das dein bester Freund ist möchte ich nicht wissen, wie du mit Feinden umgehst. Nun ja. Letztlich ist die Messe gelesen, er wurde nicht genommen und du hast deinen Chor für dich alleine.

Eine ganz klare Meinung

ZeroGRanger

Ohne Reue keine Beichte. Er hat dich mehrmals gefragt. Du hättest jedes Mal ehrlich antworten können. Stattdessen machst Du ihm Hoffnung und verrätst ihn dann. Wer Freunde wie dich hat, braucht keine Feinde.

Gar nicht so einfach

KalliKygnosta

Ich versteh Dich. Ich habe einen ähnlichen „Fehler“ mal gemacht und eine Freundin kam in eine bestehende Gruppe, die zuvor „mir allein gehört hat“ dazu. Es ging für mich nicht.

Zugleich wünsche ich mir, dass andere mich mal in ihre Gruppen reinholen würden. Es ist ein merkwürdiges Ding mit den menschlichen Gefühlen.

Wie wahr

Gallifrey4_Glade

Ich kann den Impuls erschreckend gut verstehen. Es gibt Menschen, die man liebt und trotzdem nicht in JEDEM Raum seines Lebens haben möchte. Nur hätte ich vermutlich lieber vor der Bewerbung einen unangenehmen Abend riskiert als danach jahrelang dieses Geheimnis. Die eine Nein-Stimme wäre mir jedes Mal im Kopf, wenn wir uns sehen.

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